Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 14 (1.6.1891)
- Date
- 1891-06-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Cantoren - Zeit!» Pränumkralions-Prcis. Kür Kantoren und KuktusSeamte in Heflrrreich Airgarn Ganzjährig.fl. 4.— Halbjährig.fl. 2.— Kür Kantoren und KuNusveamte im Anstand Ganzjährig.5 Mark oder 4 Rubel. Kür Private und Institute Ganzjährig .... .fl. 6.— .ב£1:1י^:כ0־1£11^כב©0 dir Intrrrßsrn der ölaittorrn und (Eultiuilmimtni. E v f 11! v t u t irden; r tz n t r n Ta g. B e g r ü Hier:■ Odercanror Jacob Bauer. ו Mednction JUmntiltraticm Wien ll. Novarcigasse Nr. 27, ( Inserate j werden billigst berechne!.!! Manuscripte lv-rte» nicht |! retournirt.!! Abonnements- und Insertionü betrüge sind iw Wien zahlbar.! l! Nr. 14. Wien, 1. Juni 1891. 11. Jahrgang. An unirre Leser! Zer Wnchdrnckersirike ist in Wien noch immer in Permanenz, nnd wir appeMren darum an die Nachsicht unserer Leser, wenn in tetzter Zeit öeim Erscheinen dieses Zälattes Ilnregekmäßigkeiten vorkamen. Motz der großen Schwierigkeiten wird hoffentlich die ßantoren-Zeitnng von nun ab wieder regelmäßig erscheinen können. Die letzte Nummer führte am Wekblatte irrthnmlich die Mr 12 13־ Die Redaetion. Dns Moschol. Nach seiner Bedeutung und Anwendung in biblischen und nachbiblischen Schriften. XVI. (Ad. 2, 5.) ״Hillel sprach unter Anderm auch: Sage nicht, wenn ich Muße haben werde, will ich lernen, vielleicht bekommst du keine Muße." Eine Mahnung an die Schuljugend, die mündlichen Aufgaben und schriftlichen Arbeiten nicht zu verschieben, zu verzögern, wer weiß, ob kein Hindernis später eintreten kann. Nach gethaner Arbeit ist gut zu ruhen, der Vorsichtige wird das wohl bedenken und nicht saumselig sein. Ue berhaupt in der schönen Jahreszeit gibt es so viele verlockende Mittel, um zur Verschiebung der Arbeit sich verlocken zu lassen, da erinnern wir uns einer Fabel: ״Die Versuchung" betitelt. Ein Knabe sitzt emsig bei seinen Büchern und arbeitet. Es war ein Heller, schöner' Sommertag, da lacht herein zum Fenster der S onnenschein und wollte den Knaben verlocken, dann kommt ein lustiges Vögelein, das picket an die Scheiben, auch der Apfelbäum guckt so sreundlich herein, alle machten den Versuch, durch freundliches Zureden den fleißigen Knaben von der Arbeit wegzulöcken. Aber der emsige Schüler gab jedem Versucher beharrlich die Antwort: Erst lass mich fertig sein. Wer auf vollkommene Muße wartet, um seine Arbeit ungestört beginnen und vollenden zu können, wartet oft vergeblich und lässt den tragbarsten Boden unbestellt an sich vorübereilen. ״Am Morgen säe deine Saaten aus und am Abend lass deine Hand nicht rasten" (Lob. 11, 6). Ein kühner Entschluß reicht hin, das N etz, welches uns gefangen hält, zu zerreißen. Es ist erstaunlich, was der Wille vermag, wenn er stark und ausdauernd'ist. (Ad. 2, 13.) ״Rabbi Simon pflegte zu sagen: Sei voll Andacht beim Lesen des Schema und beim Beten überhaupt. Betrachte das Gebet nicht als eine dir auferlegte Satzung, sondern als ein herzliches Flehen um Gnade und Barmherzigkeit Gottes". Das Schemagebet, welches die Anerkennung der Alleinigkeit Gottes und die Liebe zu ihm enthält, ist nicht nur eines unserer wichtigsten Gebetstücke, welches aus der heiligen Schrift eninomnien ist, sondern es ist und besteht darin das Fundament des ganzen Judenthums. Diese kurzgedrängten, die Grundidee unseres Glaubens aussprechenden Worte sind der Odem unseres moralischen Lebens, wie der letzte Hauch im Munde jedes sterbenden Israeliten. Das ist auch eine wichtige Mahnung für die Schuljugend, die allsabbatlich am Gottesdienste theilnimmt, das Schema, die Tefilla und Keduscha im Chore mitbetet und mitsingt, andächtig zu sein, mit Herz und Seele zu Gott sich zu wenden, der die Gefühle und Gesinnungen des Menschen kennt; nicht zerstreut zu sein und mit anderen Gedanken sich zu beschäftigen oder gar sich unanständig zu benehmen, das wäre dann keine Verherrlichung, sondern eine Entweihung des göttlichen Namens. Wer sich solchen Frevel zu Schulden kommen lässt, von dem spricht Gott durch den Mund des Propheten: ״Dieses Volk nähert sich mir mit seinem Munde, mit seinen Lippen verehrt es mich, sein Herz aber ist fern von mir und ihre Verehrung ist ihnen Menschensatzung" (Jes. 29, 13). A.b. 3, 2.) ״Rabbi Chanina, einer der Beistände des Hohenpriesters, sprach: Bete für das Wohl der weltlichen Regi»- rung, denn wenn die Furcht vor ihr. nicht wäre, würde ein Mensch den andern lebendig verschlingen." Die segensreichen Wirkungen eines gut geregelten Staates, die wohlthätigen Folgen einer edlen Regierungsweise sind allbekannt, darüber be« lehrt uns die Geschichte aller Zeiten. Die Regierung sorgt für die Erhaltung der Schulen, wo die Jugend ihre Ausbildung erlangt, wo ihr Gelegenheit geboten wird, sich für die Zukunft zu einem würdigen Berufe vorzubereiten. Ich mache euch aufmerksam, dass der Rabbi dieses Spruches unter einer Regierung sich befand, deren Wohlwollen nicht das allgemeinste, menschenfreundlichste war, besonders nicht gegen die Bekenner des jüdischen Glaubens, und dennoch lautet seine Aufforderung,