Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 13 (1.5.1891)
- Date
- 1891-05-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisisch-ungarische Cantoren Central-Org’aii Pränumerations-Preis. Kür Kantoren und Kuttusöeamte in Hesterreich Ungarn Ganzjährig.fl. 4.— Halbjährig . .... fl. 2.— Kür Kantoren und ßuttusöeamte im Anstand Ganzjährig ..... 8 Mart oder 4 Rubel. Kür private und Institute Ganzjährig.fl. 6.— Kr die IntereAn der 6Kn1oren und MLusbeMten. ErfchrinL jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Wedacliou und Administration Wien II. Novaragasse Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retonrilirt. Aöonnements- und Inserlions- -«träge stnd in Wien zahtSar. Nr. \§ Wien. 11. Mai 1891. 11. Jahrgang. Cantorales aus Amerika. Von Reverend A. Kaiser in Baltimore. (Schluss) Der angeregte Artikel in der ,Deborah* schließt mit folgender Ausführung: ,Die Gemeinden überlassen den ganzen Gesang dem Chore. Der Fortschritt in der gottesdienstlichen Musik macht den Cantor überflüssig.' Welch' bewunderungswürdige und logische Ansicht, und noch viel bewunderungswürdiger und logischer die Folgerung! Aus der Thatsache, dass Sulzer, Naumburg rc. einen Fortschritt in der Synagogen-Musik herbeigeführt haben, wird der Schluss gezogen, dass die Gemeinden den ganzen Gesang dem Chor überlassen und deswegen der Cantor überflüssig sei. Wenn der Schreiber jenes Artikels sich die Mühe nähme, die Tempel und Synagogen von New-Z)ork, Philadelphia und Baltimore zu besuchen, er würde sich selbst überzeugen, dass Gemeinden, in welchen ein Cantor den Gottesdienst leitct, allsabbathlich viel besser besucht sind, als solche, wo die Stimme des Cantors ausgeschlossen ist und ihre andachterregende Wirkung auf den Beter nicht ausübt. Zn letzterem Falle hört man allgemein Klagen über leere Bänke. Der Autor räumt ein: ,Der moderne jüdische Gottesdienst ist nur ein halbes Jahrhundert alt.' Ist es nun nicht gegen jede Naison anzunehmen, dass die Synagogenmusik in so kurzer Zeit in solchem Grade sich entwickelt hat, dass sie keiner weiteren Entwickelung bedarf? Ist die Synagogenmusik, und besonders in der amerikanischen Synagoge, so vollkommen und vollendet, dass nichts mehr für sie zu thun übrig bleibt? Der Autor weiß wol, dass wegen der Verschiedenheit des Nitus in diesem Lande nur ein kleiner Theil der Compositionen jener früher erwähnten europäischen Cantoren gebraucht werden kann. Fürwahr, wer soll jetzt und in Zukunft die passende Musik für die amerikanische Synagoge liefern, wenn derCantor abgeschafft wird? Vielleicht der christliche Organist oder Chorleiter? Der Christ, der die heilige Sprache nicht versteht, der nicht durchdrungen ist von jüdischem Geiste,Hessen Seele Nicht ist in dem Werke, und der den Dienst nur verrichtet wie ein Miethling; oder der Chasan, der Cantor, welcher von Kindheit an Inbrunst und Begeisterung für seinen Glauben einathmet, die allein nur den Künstler beseelen können? Der Chasan oder Cantor ist gegenwärtig eine viel größere Nothwendigkeit, als je zuvor. Früher war jeder Israelit bekannt mit den traditionellen Weifen und konnte mit Leichtigkeit und Verständnis Hebräisch lesen. Leider ist dies heute nicht mehr der Fall. Wenige nur sind vertraut mit der heiligen Sprache und eine noch geringere Zahl kennt die traditionellen Gesänge und Melodien. - Der zweite Artikel, nämlich im ^Anasrioau Israelite“, ist eine Rccension eines musikalischen Werkes über den Conflrmations- Gottesdienst. Und zu Anfang sagt der Autor: ,Unsere Kenntnis der Synagogen-Musik ist ziemlich mangelhaft^ Dies ist wahr, nicht nur bezüglich dieses Mannes, sondern betreffs der meisten Nabbinen; nichtsdestoweniger wollen viele von ihnen stets über Musik sprechen und sich in Dinge hineinmischen, die sie nicht verstehen. In der erwähnten Necension wendet sich der Verfasser besonders gegen die ungrammatikalische Behandlung des hebräischen Textes. Solche Kritik ist fürwahr widersprechend von Seiten des Autors. Derjenige, welcher die Abschaffung des Cantors oder des Chasan befürwortet, derjenige, welcher sich rühmt, den ganzen Gesang dem christlichen Chor und das Arrangement und die Auswähl der Musik den christlichen Organisten und Chorleitern zu überlassen, der hat kein Recht, in den unzureichenden Leistungen christlicher Componiften auf dem Gebiete der jüdischen Musik Fehler zu finden. Der Cantor, ich wiederhole es, ist jetzt mehr als eine Nothwendigkeit. Er muß der Hüter, Beschützer und Netter unserer traditionellen Melodien sein und darauf sehen, dass sie lebendig und beständig erhalten werden, damit der Gottesdienst in unseren Synagogen nicht seines eigenthümlich jüdischen Charakters entkleidet werde. Unneigennützige und selbstlose Rabbinen werden daher Männer von Talent aneisern und die Cantoren freudig begrüßen Nls ihre Mitarbeiter im Weinberge des Herrn. Sie werden ihre Gemeinden veranlassen, tüchtige, eifrige und ernste Männer zu!wählen; Männer, welche nebst der geschulten Stimme auch die Eignung besitzen, den Gottesdienst mit Würde und Verständnis