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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-04-01 · Heft 10 (1.4.1891) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 10 (1.4.1891)
Date
1891-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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— ׳7״ — Vertrauen, das ihm während seiner Amtsthätigkeit in so reichem Masse entgegengebracht worden ist. Die Ansprache wurde oft durch Thränen unterbrochen, auch die Gemeindemitglieder waren tief bewert; denn so manches liebe Haupt wtilte nicht mehr unter Denjenigen, welche Glückwünsche an diesem Tage dargebracht hätten. Der Jubilar gelobte, auch fernerhin in treuer Hingebung für Gemeinde nnd Schule zu wirken, bis ihm das Auge bricht. Mit kräftiger, lieblicher Baritonstimme folgte die erhebende Abendandacht. Wie schön wäre es, wie wünschensmerth, wenn alle Gemeinden so einmüthig zu ihrem Lehrer stünden, nnd wenn alle für den schweren Beruf des Cnltusbeamten ein solches Verständnis hätten; .denn der ׳Cnltusbeamte' führte der Jubilar n. A. am Sonnabend Vormittag aus, ,bringt schon durch seinen Berns ein Korbon dar, sei es ein Korbon Mincho'h, ein Korbon Sewach oder Schloinim, heute aber ist es ein Korbon Schlomim, ein Opfer des Dankes. Auch -an mich ist wie an MoseS der Ruf ergangen. Ich wurde berufen, zu wirken an dieser Stätte für Schule und Gemei de; mein Bestreben ist es, zu wirken im Sinne und im Geiste Mosis. Der heutige Tag, -der 8cbabb08 socbaur wird mir ewig im Gedächtnis bleiben.' . . Möge Bnnzlan allen Gemeinden ein leuchtendes Vorbild sein! Kannover. Bei der jüngst stattgehabten Vorstandswahl ist Herr Julius Kauffmann mit 96 Stimmen Mehrheit als erster Vorsteher!unserer Gemeinde gewählt worden. Als Gegencauditat war der Rechtsanwalt Dr. Banfty ausgestellt. Herr Kauffmann ist der Nachfolger -des vor kurzem verstorbenen Geheimen Sanitätsrath, Dr. Hermann Jacob Cohn. Kannover, den 29. März 1891. Heute Morgen entschlief -sanft und unerwartet die Frau des am 26. September v. I heimgegangenen Rentier Simon Coppel. Durch den Hintiitr dieser edle» Frau verliert unsere Stadt eine hochgeachtete Mitbürgerin, die durch ihren Wvhlthätigkeitssinn sich die Liebs aller Kreise erworben har. F rn von dem geräuschvollen Leben und Treiben der Welt, hat die Vekstorbene im Still-n gearbeitet an den Werken der Liebe, welche ihr unvergess- -licher Gatte begonnen und gepflegt. Nicht ui den Prnnkiälen der Be güterten fühlte die Verklärte sich hlngewgen, sondern in die Hünen der Bedrängten nnd Gebeugten führten ihre W ge. dort hat sie ananche Wunde geheilt, manche Thräne getrocknet. Li׳ war eine treue Gattin eine seltene liebevolle Mntter, eine brave Jira linn; das Andenken au die Edle, die eingetreten ist in das Reich des Friedens zur höheren Wirksamkeit, gereiche zum Segen! Em. B. Werv-HHorK, 11. März. (Die angebliche Esther Lolumo si ) Wie bereits in voriger Nr. gemeldet wurde, glaubte de: Coron. r Ferdinand Levy die Entdeckung gemacht zu haben, dass die b-rncbnge Esther Solymosi sich in New-Pork befinde. Einem Schneider Nainns Braun bei welchem sich Rosa Kohlman, die angebliche Solymosi, antaehalten, chatte ein junges Mädchen Namens Juliska Ladisz erzählt, dass sie vor 2'/2 Jahren mit Rosa Kohlman zusammen nach Amelika aekommeu sei und dass Rosa während der Seekrankheit ihr ein großes GHimns l habe anvertrauen wollen, dann sei sie genesen und habe uicbts mehr -sagen wollen. In New-Pork sei Rosa häusig von g>oß׳m Trürsinn befallen worden und hätte vielmals den Tod herbeigesehut. Als sie im Dienst der Familie Braun gewesen, habe sie einst der Frau Braun gesagt: ,Ja, wenn Mädchen sich sehr jung verheiraten, so geben sie ihre Kinder zu irgend einem Zwecke her.' Ein anderesmal. als Rosa einen Strumpf anstrickte, sagte sie zu Frau Braun: ,Dies ist noch ein Andenken von meiner Großmutter Solymosi.' Diese sttzre Bemerkung des jungen Mädchens gab die erste Anregung zu deilr Verdacht, dass sie die angeblich in T!sza«Eszlar abgeschlachtete Esther Solymosi sei. Als Braun der ,gefährlichen' Person kündigte, habe Rosa Briefschaften und Papiere verbrannt. Auf die Frage, waS dies zu bedeuten habe, antwortete Rosa, dass die Papiere von einem hohen Herrn aus Ungarn stammen und deren Inhalt nimmer bekannt werden dürfte. Von den Brauu'schen Eheleuten zog Rosa zu einer Frau Guggenheim, deren Sohn Henry sich es sveziell angelegen sein ließ, mit Rosa intimer bekannt zu werden. Eines Tages lud er Rosa ein, mit ihm das Thalia- ׳Theater zu besuchen, wo vor einigen Wochen die Tragödie von Tisza- Eszlar als Drama zur Darstellung gebracht wurde. Obwohl Rosa den jungen Mann vorher öfter ohne Widerrede ins Theater begleitet hatte, ׳weigerte sie sich doch diesmal, es zu thun, mit der Bemerkung, dass dies Stück sie gar nicht interessire. Außer diesen Personen bezeugten noch die etwa 20 Jahre alte Annie und ihre jüngere Schwester Rosa Mildmann von Nr. 207 siebente Straße, sowie auch Josef Frankel mnd seine Frau Katie aus Nr. 23 Clintonstraße, dass sie Rosa Kohlman -ganz positiv als Esther Solymosi aus Tisza-Eszlar identlficirten. Anna Wiidmann und Frau Katie Frankel waren mit Esther Solymosi in die Schule gegangen und hätten täglich mit ihr verkehrt. Auch Josef Frankel, welcher in dem Dorfe Tisza-Eszlar anfzewachseu war. kannte Esther sehr genau, und alle Drei erklärten, sie seien bereit, vor irgend einem hiesigen Richter einen Schwur ablegen zu wollen, dass Rosa Kohlman nnd Esther Solymosi eine und dieselbe Person seien. Alle Drei besuchten Rosa mehrmals in ihrer Wohnung, erkannten sie sofort wieder und waren auch überzeugt, dass Rosa sie wieder erkannte, obwohl Letztere sich darüber nicht aussprach. Die Zeugen erlärten weiter, dass auch sie der Wieder-Entdeckten nicht sagen durften, dass man sie erkannt hatte, bis der geeignete Zeitpunkt gekommen sei. Dieser Zeitpunkt war nun nach Ansicht des Coroners gestern gekommen, und derselbe begab sich in Begleitung von mehreren ZeitnngSberichterftattern in die Wohnung der Frau Guggenheim, Nr. 216 Ost 55. Straße. Diese war auf den Besuch vorbereitet, nicht so Rosa Kohlman, welche mit einem Buche am Tische saß und die Ankömmlinge mit ihren großen dnnklen Augen, aber keineswegs überrascht oder irgendwelche Aufregung zeigend, anstarrte. Rosa Kohlman und Esther Solymosi, so schildert ein Berichterstatter der ,N. Y. Staats-Zt.' die Scene, ist gerade kein schönes Mädchen, obwohl ihr Gesicht, welches mehr als gewöhnliche Intelligenz verräth, Interesse erweckt. Als die Berichterstatter sich um den Tisch grnppirte», ihre Notizbücher hervorholten und das Mädchen selbstverständlich aufmerksam beobachteten, blieb es so kalt wie Eis. Rofa Kohlman, ans Ungarisch Rosa Szenffy, sei ihr Name, antwortete die Gefragte mit einer Zuvorkommenheit, die unwillkürlich für sie einuehmen musste. Sie sei im Jahre 1867 in Miskolc;. Ungarn, geboren, mithin 24 Jahre alt und sei Protestantin. Ihre Eltern seien todt. Sie sei 1888 in New-Pork angekommen. Zur Zeit der Verhandlung des Tisza^Gsztarer Processes habe sie in Budapest im Hanse eines gewissen Abramowicz gedient und in jener Stadt im Ganzen fast drei Jahre nnd nahezu eee> so lauge i:> Smbatka gewohnt. Sie nenne sich jetzt Kohlman, weil dies der ursprüngliche Name ihrer Familie sel. die vor vielen Jahren ans Deut'Mland nach Ungarn einwanderle wo schon ihr Großvater Samuel seinen Namen magyarisirte und sich Szenffy nannte, welche» Namen auch ihr Vater Gustav beibehielt; der Mädchenname ihrer Mniler sei Amalie Solymosi und si׳ entstamme einem siebenbürgischen Atetsgeschlecht. Diser Umstand möge die U fache der Verwechslung ihr er Person nut .in, r anderen sein. Sie sei nie in ihrem Leben in Tisza» EsUar aeweien, wisse nicht einmal, wo dieses Nest liege. Als in diesem Augenblick Fran Fränkel und Annie Wildm.r!!» sich als ihre Schul» kam radinuen zn erkennen gaben und behaupteten, d »ss sie Esther Solymosi s i, sprang Roia mit einem wilden Satze vom Liuhle aus und rief den b'lt-.n F-anen mit blitzenden Augen zu: ,Das ist eine Lüge!' Diesen Zornec-ansluf wrederkolke sie mehrmals, als die genannten Zeuginnen i״ Einz-lheiteu nreigiengen, welche sich drrect aus die damaligen Vor» gänge bemg-m. Rosa war km Laute d-r weiteren Verhandlungen wieder gan :uhig. manchmal spöttisch, ließ sich aber nicht ans der geringsten U »vorsi.vligb it eriavpen. Nur noch einmal wiederholte sie das Wort .Ln.rnerin', als F!an Katie Fränkel ihn die B hanptung ins Gesicht schleuderte, daiö Rosaus Mutter noch lebe, und obwohl sie früher sehr arm gewesen lebe dteselbe doch j tzr in behaglichem Wohlstände. Als die Beiichrerstatrec sich entfernten, blieb Coroner Levy zurück, um noch ein Privarzeipräch inrt dem Mädchen zu halten. Heute wurde Ros» nut einem gewissen Ignaz Klein confrontit. w lch r in dem Procesie wegen Lichenschinnga-ls mir angeklagt war, aber freigesprochen wurde» Er kam 1886 nach New-Polk. Als Klein ru das Zimmer trat, wurde Rosa Kohlman leichenblass und blickte starr den B sncher an. welcher seinerseits kein Auge von der .Kohlman' ließ und sonst Niemand im Zimmer, obgleich dasselbe mit Perionen gefüllt war, beachtete. Coroner Levy brachte das Geipräch auf Klein und fragte ihn, ob er ans TiSza- Eszlar sei und auch in dem Proceffe angeklagt gewesen ׳ei. Rosa zuckte zusammen, aber sie batte ind-ß ihre Fassung wieder gewouneil und wollte Klein, nicht kennen; dieser agnoSeirt׳ sie sedoch ganz positin als die Esther Solymosi, welche bei ihm in Tism-Eszlar wiederholt Eiakäuse gemacht habe. Das Mädchen war unrerdeffen ansgeftanden und hatte sich über den Tiich geneigt, so dass ihr Gesicht nicht deutlich gesehen werden konnte. Klein hatte sie während der ganzen Zeit angeblickt und gemurmelt: ,Ich denke so; ich kenne si-!' Plötzlich sprang das Mädchen auf und rief ganz erregt: ,Ich habe die Sache meinem Advocaten übergeben; ich will gar nichts mehr damit zu lhnn haben! — Ich gebe auch keine Antwort mehr!' Damit kehrte sie den Anwesenden den Rücken nnd zog sich in ihr Gemach zurück. Wie der junge Braun erzählt, gedenkt sie sofort abznreisen, und zwar nach Chicago, wo sich einer der , Belastungszeugen' aus dem vielgenannten Proceffe, mit dem sie in regen Briefverkehr stand, aushalten soll.

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