Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 8 (11.3.1891)
- Date
- 1891-03-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Prunn,ncrulions-i Ircis. Kür (fanforcn und Euttnsöcamte in Hestcrreich Zlngarn Ganzjährig .... Halbjährig .... fl- 2.- Kür Kantoren uitb guftusßeamte im Anstand Ganzjährig. 8 Mark oder 4 Rubel. Kür private und Institute Ganzjährig. fl- 6.- Central-Organ für die IntmAn der Hmtoren und Hütusdeumten. ErschrrnL j e d e n; xhntrn Tag. Begründer: Obercanror Bauer» Medaction Kdministratkow Wien II. Novaragasse Nr. 2?, ß 1t f e r « t c werden billigst berechnet. Aianuscripte werden nicht retouruirt. ASannements- und Inserlionsbetrage sind iw Wien jahkbar. Nr. 8. Wien, 11. Mär? 1891. 11. Jahrgang. Zur Geschichte des Cantorntes im Mittelalter und der Neiyeit. Von Dr. M. G r ü n w a l d, Rabbiner in Jungbnnzlau. (4. Fortsetzung.) Die Besoldung des Schliacb Zibbur sollte aus dem Grunde stattfinden, damit derselbe von Nahrungssorgen frei, seinem heiligen Berufe-,ausschließlich leben könne. Deshalb sollen sie auch, dem" Dibasob zufolge, von jeder Einkommen- und sonstigen Steuer befreit sein.ראוי שיעשו עמו לפנים משורת הדין לפי שעובד במלאכת שמים ומוציא את הרבים ידי חובתן .Es ist angemessen, dass man mit ihm billig und edel verfahre, weil der Cantor ein göttliches Werk vollführt, die Mehrheit in sein Gebet einschließt und für deren Wohl betet.' Und dass der Schliach Zibbur thalsächlich Chasan genannt wurde, und dies mit vollem Nechre, ist in dem Buche ממה משה (Stab Mosis) Paragr. 59 nachgewiesen. Ja wir dürfen noch weiter aus der Zusammenstellung von חזנים ופרנסים .Chasanim und Paruassim' (Vorsteher und Versorger) den Schluss ziehen, dass sie auch im Gemeindelebeu, eine ehrenvolle, bevorzugte Stellung eingenommen. Wie sehr nun der Gesang in Israel gepflegt wurde, muß nicht erst erwähnt werden. Und die Lehrer und Hüter dieses heiligen Gesanges sollten eine niedrige Stellung eingenommen haben? Nicht nur wurde im Judenthume die Thora, das Fünfbuch Mosis, nach gewissen rhythmischen Ziegeln öffentlich vorgetragen, nicht nur solange der Tempel bestand, Opfer von Thieren und Pflanzenstoffen gebracht wurden, Halls! und andere Psalmen gesungen, sondern selbst bie Mischna und Gremarab, der alö düster ver« schrieene Talmud wurde in melodischer, das Gemüth erheiternder und befreiender Weise gelernt und gelehrt. In den Tractate Sanhedrin 99» (über jüdische Gerichtsbarkeit) bemerkt der ernste Rabbi Akiba: זמר בכל יום זמר בכל יום רבי עקיבא אמרי זה פירוש היה מסדר, תלמודך בכל יום אעפי שמדור בפיך כזמר והוא יגרום לך שתהא לעולם הבא בשמחה ובשירים ,Ein Lied jeden Tag, ein Lied jeden Tag', Rabbi Akiöa sagt: das ist die Erklärung, ordne deinen Lesestoff jeden Tag, obwol er in deinem Munde wie ein Lied geordnet ist, wird es dir dennoch erst im Jenseits wahre Freuds und echte Lobes» und Danklieder bereiten'. Wir sind scheinbar von unserem Thema abgewichen; es musste aber hier nact'g wiesen werden, dass der rhythmische und melodische Gesang bet den Juden von den ältesten Zeiten biS auf die Gegenwart in ununterbrochener Tradition sich lebendig erhalten hat. Und die Dorbeter vor und nach dem von Obercantor M. Deutsch in seiner ,Vorbeterschule' (Breslau 1871)׳ erwähnten Gesctzeslehrer Maharil haben diese Melodien treu bewährt und durch neue, zum Theil auch volksthümliche Weisen ergänzt und dem Geschmacks ihrer Zuhörer angepasst. Mit dem großen Dichter und Kenner des menschlichen Herzens, mit Moliere, sprach und spricht das Judenthum: ״Je prends mon bien partout oii je le trouve.“ ,Ich nehme das Gute überall, wo ich es finde, und suche es zu meinen geistigen Eigenthume zu machen.") Dies zu thun, dazu bot sich besondes an hervorragenden auSgezeichneten Sabbaten und an den Festtagen, auch au den bochernsten Feiertagen, in den zahlreichen Jozeroth und Pijjutim die günstigste Gelegenheit. Waren doch, wie wir dies schon gelegentlich erwähnt haben, viele Vorbeter gleichzeitig Verfasser der Pijjutina und haben ohne Zweifel viele Pijjutim sich dadurch erhalten, dass die ihnen beigelcgte Melodie sich des Beifalls des Publikums erfreut hatte?) Sehr wahr und richtig und tiefeindcingend in die Kenntnis des menschlichen Herzens und Gemüthes erweist sich folgender Ausspruch Berthold Auerbach's (in seiner Dorfgeschichte: ,Der Lauterbacher', p. 121 des ersten Bandes seiner sämmtlichen Schwarzwälder Dorfgeschichten): ,Früher, wo man noch fromm gewesen ist und nicht blos maulfromm, da hat man sich eher einen Spass mit Gott erlauben dürfen, jetzt aber vcrträgts kein Schnauferle mehr, sonst geht ihnen gleich das Licht aus, d'rum müssen sie jetzt so heilig sein. Ich Hab* als in der Kirch' die lustigste Musik gemacht, wie mir'S nur eingefallen ist.' 1) Näheres über diesen Gegenstand siehe in meiner Ei nleitu ng. zu B. Singer's ״Beiträge zur Geschichte der Musiki 3 Hefte. Prag bei \ Jacob W. Pascheles 1887. 2) Ueber den-Einfluss, den die Melodie auf das Schicksal eines Liedes noch in unseren Tagen zu üben im Stande ist, vergleiche man Rodenberg's ,Deutsche Rundschau' 1889, p. 260 ff. Max Schneckenburger, der Dichter de» Liedes: ״Sie Wacht am Rheins