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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-03-01 · Heft 7 (1.3.1891) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 7 (1.3.1891)
Date
1891-03-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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— — Religion nieder, sind GotteSläugner und Neligionsstörer, deshalb soll Alles lieber so bleiben, wie es jetzt ist; die Orthodoxen können mit Len Fortschrittsgemeinden nicht zusammeutretcn, können nimmer Eins werden und hüben auch nichts miteinander gemein. — Das ist die jüngste Sprache der rechtgläubigen Frömmigkeit in Ungarn, die ich -vorläufig ohne jede Nefbxiou lasse. Es sei hier nur constatirt, dass, da bei dem Fanatismus der Orthodoxen die ablehnende Antwort vorauszusehen war, über den fußfälligen Schritt der Landeskanzlei, den sie, ohne sich vorher mit den glaubensbrüderlichen Gemeinden darüber zu verständigen, unternahm, große Entrüstung herrscht. Eine solche Vertretung von Seiten der Landeskanzlei hätten sich die Fortschrittsjuden gerne verbeten. Wnnzkau. Der Kreisverein Bunzlau des Verbandes deutscher .Handlungsgehilfen hielt Mittwoch den 18. Februar Abend im Hotel ,zum Kronplinzen' eine Sitzung ab, welche von dem Vorsitzenden, ׳Herrn Buchhalter Klinger, mit der erfreulichen Mittheitung eröffnet wurde, dass dem Kreisverein wieder mehrere Mitglieder beigetreten sind. Der Vorsitzende ertheilte hierauf Herrn Cantor Tintner das Wort zu dem angemeldeten Vortrage: ,Idealität im Berufsleben". In interessanter Weise führte der Herr Vortragende aus. wie die Ouelle der Zufriedenheit in der Idealität des Berufslebens zu finden ist. Die Znfriedenheir.in seinem Berufe ist das Glück des Menschen. Das Leben, allein mit dem materiellen Verstände genossen, ist nur ein Vegetireu. Dein Idealen entspringt das Humane. Die Pflege des Idealen fördert das Streben nach Ausbildung des Geistes. Mit der ernsten Mahnung, über der Alltäglichkeit des Berufslebens nicht die Pflege der idealen Güter zu vernachlässigen, schloß der Herr Vortragende seine beachtenswertheil Ausführungen. Der Herr Vorsitzende sprach Herrn Cantor Tintner den Dank für seinen interessanten Vortrag aus. und die Versammlung erhob sich zum Zeichen des Dankes von ibreu Sitzen. An den Vortrag schloss sich eine lebhafte und anregende Diskussion. Aarmstadt, 17. Februar. In der zweiten Kammer begann cheute die Budgetberathung. Bei der Forderung für Cultuszwecke beschloß die Kammer, die Negierung zu ersuchen, auch an die deutschkatholischeu und die israelitischen, Neligronsgesellschaften Zuschüsse vorzusehen. Schröder (natioualliberal) beklagte, dass im Lande seit einiger Zeit die Inden als solche verfolgt werden und für diese Bewegung sogar evangelische Geistliche eingetreten seieir und noch eintreten, was ihnen als Dienern des Friedens nicht ziikomme. In der Bevölkerung herrsche eine gewisse Verwirrung, darum möge die Regierung Alles thun, danrit dies iinterbleibe, nöthigenfalls unter Anwendung disciplinarischer Mittel. —-.Ministerpräsident Finger versicherte hierauf, dass die hessische Regierung diese Bewegung, welche als eine Krankheit zu betrachten sei, anfmerkjam verfolge. Die Beamten erhielten bereits die Weisung, aufklärend zu wirken und vorkoinnrendeu Ansschreirnn;׳.!! entgegenzutreten. Er hoffe von dein gesunden und christlichen Sinne des Volkes, dass eS bald diesen Krankheitsstoff abstoßen werde. Die neueren auS Oberhessen eingelaufenen Berichte ließen erkennen, dass die Leidenschaft dort bereits abnehme. — Racke (ultramontan) bezeichnet,: es als ein Verbrechen, Jemand um seiner Religion willen zu verfolgen. Dies solle man nie vergessen. Es fei noch nicht so lange her. dass eine andere große Neligiousgesellschast im Reich verfolgt wurde; noch seien Angehörige derselben expatrürt. — Wolfskehl (nationalliberal) ist der Ansicht, dass man zur Bekämpfung des Autisemitismus sich rücksichtsloser Nüttel bedienen müsse. Eine andere Organisation der Verwaltung der jüdischen Gemeinden sei nothwendig. — Minister Finger bezeichnet,: schließlich eine solche Reform als erste und?'dringendste Aufgabe. Ailrmstadt, 18. Februar. Zu der gestrigen Sitzung der Strafkammer des Zandesgerichts wurde der Makler L. Wartensleben aus Gernsheim wegen Störung des Gottesdienstes in der israelitischen Synagoge auf Grund des § .157 des St.-G.-B. zu einer Gefängnisstrafe von 14 Tagen verurtheilt. Er hatte seinen Sohn in der Vorhalle -der Synagoge geschlagen und ihn einen ,schlechten Schuft" genannt; der Lärm drang in die Synagoge, wodurch der Gottesdienst daselbst gestört wurde. Kolöerg, 18. Februar. Als eine Zierde der Humanitären Anstalteu, welche der , socialen -Bewegung" unserer Zeit ihr Dasein ver- Lanken, erhebt sich,^fa^..am Rande unseres an Natur.schönheiten so reichen und lieblichen Ostseestrandes das ,jüdische Kurhospital' in Kolberg.i Die-Ziele,;die diese Anstalt verfolgt, sind klar und deutlich in ihrem aM. Anfänge dieses Jahres vom Vorstände und Euratorium veröffentlichten siebzehnten Jahresbericht pro 1890. geschildert, so dass wir nur nökhig haben, die Worte desselben hier zu wiederholen. Der .Umstand allein, so heißt es hier, dass eine Person wirklich krank ist und einer Sool- und Seebadeknr bedürftig sei, sichern ihr noch keines- Wegs den Anspruch auf einen Platz in diesem Hanse; vielmehr muffe dieselbe auch arm und außer Stande sein, aus eiaenen Mittel» für die Herstellurg ihrer Gesundheit etwas zu thun. Unendlich trauriger aber gestalte sich das Loos der verschämten Armen, wenn sie von Krankheit ergriffen werden. Nun gerade verschämte Arme und zugleich Kranke seien es vorzüglich, die von der Verwaltung mit besonderer Vorliebe aufgesucht werden, um ihnen die gastlichen Pforten ihres Hauses zu erschließen und durch alle Mittel der sorgfältigsten Pflege ihre Gesundheit wieder zu geben. Endlich bleibe aber die Sorge der Verwaltung ganz besonders auch kränklichen und schwächlichen Kindern aus armen Familien zugewendet. Gerade der Humanität unserer Zeit wäre es Vorbehalten geweseu, Kinderheilstätten in Knsteuorten und Soolbädern inS Leben zu rufen. Nun, auch die Verwaltuna de» jüdischen Kurbospitals dürfte sich rühmen, an dieser socialen Arbeit unserer Zeit bereits seit 17 Jahren theilzunehmen und trotz des engen und bescheidenen Umfanges ihres Wirkungskreises mit in den ersten Reiben dieser Bewegung zu stehen. So viel über die Ziele dieser jungen, aus kleinen Anfängen hervorzegangenen, immer Herrächer anfblüirenden Kraukenheilansialt für Arme. Nicht blos rür ErbolungSbedü7ftige, sondern auch für trnstliche Kranke ist sie bestimmt. Die Wohlthaten werden hier ganz unentgeltlich gespendet. Im verflossenen Jahre sind 119 arme Patienten, darunter 46 arme skrovhulöfe. rhachitische Kinder unter 14 Jahren, zum Behufe des Gebrauchs einer Sool- und Sebadekur unentgeltlich verpflegt worden, indem sie in der Anstalt Nahrung, kurgemäße Verpflegung, ärztliche Behandlung, Arzneien, Bäder und sonstige Knrmittel ohne jede Bezahlung einpsienzen. Da die Anstalt statutengemäß gegen Entgelt keinen Patienten auin hmen darf, so besitzt sie eben nicht die geringsten Erwerbsgnellen, und da ihr Grund» capital in der Höhe von 48.800 Mark noch so klein ist. dass dessen Zinsen kaum für ein Fünftel der UnterhaltungSkosteil hinreichen, so ist sie auf absehbare Zeit fast ausschließlich auf die freie, öffentliche Wohlthätigkeit hingewiesen. Die Verwaltungsorgane wenden sich daher bittend an alle edlen Menschenfreunde, dass sie ihre Bestrebungen für Arme und namentlich auch für verschämte Arme, die zugleich krank sind, sowie für arme, binsi.chende und schwächliche Kinder kräftig unterstützen möchten. Wir befürworten diese wohlberechtigte Bitte aufs Wärmste und schließen mit dem Wunsch, dass diese Krankenheilstätte für Arme und Kinder sich immer segensreicher entwickeln möge. ■jJpartS. Der Cardinal Lavigerie hat an den Zar ein Schreiben gerichtet, in welchem er als Vertheidiger der uuterdrückteu russischen Juden und als Verfechler ihrer Menschenrechte, deren man sie beraubt, anftritt. Der französische Cardinal schreibt dem russischen Kaiser Uichr als Katholik oder Prälat, sondern als Mensch, der nicht gleichgiltig zuseheu kann, wie die primitivsten Rechte von Menschen, die nichts vergangen haben, mir Füßen getreten werden. Der Cardinal fleht den Zaren im Namen der Humanität und des Christenchnms an, Mitleid mit feinen jüdischen Unterrhanen zu haben und die elende Lage derselben zu verbessern. Da der Cardinal sich jedes ofsiciellen Cbaracters von vornherein entkleidet, und nur als Mensch, Christ und Geistlicher vor Len Kaiser mit seiner Bitte tritt, so ist der Verdacht einer beabsichtigten Einmischung, in die inneren Angelegenheiten eines sremveu Staates von vornherein beseitigt. Cardinal Lavigerie wendet sich an das »große Herz und das edle Gemüth des russischen Monarchen", der doch selbst, batd nach seinem Regierungsantritt, einer jüdischen Deputation sagte, Lass er keinen Unterschied zwischen seinen Unterthanen verschiedener Race und Consessiou mache und Alle mit gleicher Liebe umfasse. Mau sagt, dass daS Schreiben deS Cardinals auf den Kaiser einen tiefen Eindruck gemacht habe. Algier. Ein eigenthümlicher Gebrauch herrscht seit vielen Jahr- Hunderten in den Synagogen Algiers. Am Sabbath nach Verlesung des Wochenabschuittes wird der Abschiedsfegen, welchen Jacob seine» Enkeln ertheilte, (wohl המלאך הגואל) in arabischer und chaldäischer Sprache von der Kanzel herab und zwar von einem 8 bis 10jährige» Knaben recitirt. HLerrchtigNNg. Mit Bezugnahme auf die itt letz'er Nummer enthaltene Correfpondeu; aus Kis-Cell werden wir ersucht zu eoustatire», dass Herr Bernhard G r ü n b e r g e r und nicht Herr M. S ch o r r gegenwärtig als Obercantor in Tapolcza angestellt ist. Die geehrten Herren Abonnenten werden dringendst um Begleichung der rückständigen Abonnements-Beträge ersucht. Die Administration.

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