Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-03-01 · Heft 7 (1.3.1891) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 7 (1.3.1891)
Date
1891-03-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/1304829-3453207-3453214--3093-3457412
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Oesterreichisch-ungarische Cantoren - Zeiiun Pränumernlions-Preis. Kür Kantoren und ßuttusveamle in Hesterreich Ungarn 'Ganzjährig . . . . - ff. 4-— Halbjährig.fl. 2.— Kür Kantoren und ßnriusöeamte im Anstand Ganzjährig.8 Mark oder 4 Rubel. Kür private und Institute Ganzjährig . . . . . st. 6.— Oentral-Oigan r die IntereAn der <^mst0ren und ^ultusbeMnten. ErfchrinL jeden r e h n L e n Tag. Begründer: Obercantor ÜLVOld 82.NSr. Medaetiarr und Admiuistration Wien i II. Novaragasse Nr. 27. I n s e r a 11 werden billigst berechnet. Manuscripte n^rDen nicht rekournirt. ASonnements- und Insertion»- ' »«träge stnd in Wie» zahkSar. Nr. 7. Wien, 1. Mär? 1891. 11. Jahrgang. Zur Geschichte des Cantorutes im Mittelalter und der NenM. Von Dr. M. G r ü n w a l b, Rabbiner in Zungbunzlau. (3. Fortsetzung.) Bei derhöhen Bedeutung, die dem Vorbeter (Chasan, Cankor) iunewohnte, ist es wohl selbstredend, dass er wahrhast gottesfürchtig sein musste, und da schon nach den Sprüchen der Väter לא עם הארץ חםיד »der unwissende und ungebildete Mensch, nicht wahrhaft fromm sein kann', wurde auch darauf besondere Rücksicht genommen, dass der Abgesandte der Gemeinde das Wort Gottes kenne und verstehe. Hingegen ward auf den ירום (Geschlechts- oder Familienadel), der noch bei den Juden des Mittelalters und der Neuzeit (besonders in Polen und Südungarn) gilt, nicht gesehen. Der von uns bereits erwähnte Ascheri sträubt sich dagegen, dass man auf die Familienherknnft ein größeres Gewicht lege, als auf geistige und sittliche-Würde; ,denn,' so sagt er, ,wenn der Dorbetcr von würdigen Ahnen stammt, er selbst jedoch ein Frevler ist, welchen Nutzen und welchen Vortheil gewährt dies der Gottheit gegenüber? Ja selbst wenn er von einer verachteten Familie abstammen sollte, aber als frommer und gerechter Mann sich erweist, ist es weit besser, ihn vorzuziehen und dem göttlichen Dienste zu nähern, wie der Prophet JesajaS sagt: ,Friede, Friede ,dem Fernen wie dem Naben*?) Und dieser große Lehrer findet sich auch hier ganz in Uebereinstimmung mit dem Talmud, der den gelehrten Proletarier, der gottesfürchlig ist, dem höchsten Würdenträger, dem hoben Priester sogar, so er unwissend u nd ungebildet ist, vorzieht: תלמיד Derselben An- .חכם ממור וכהן גדול עם הארץ תלמיד חכם קודם sicht sind die hervorragendsten Gesetzeslehrer deS JudenthumS. 1). Der Wichtigkeit halber theilen wir den Originaltext des großen Gelehrten aus Toledo wörtlich mit: אבל נתרעמתי על שלך כי תלית הדבר בלחום המשפחה ואינו כן בעיני המקום אם הוא מיוחם ורשע מה תועלת לפני המקום ביחום שלו ואם הוא ממשפחה כוויה וצדיק טוב לקרב מורע רחוקים שנאמר שלום שלום לרחוק ולקרוב. Man beachte hier, dass der Prophet Jesajas im. Namen Gottes dem Fernen vor dem Nahen den Frieden bietet, weil das Wiederbetreten der Bahn der Lugend für den von unreligiösen Eltern Erzogenen viel schwieriger war. und es galt noch bis vor einigen Jahrzehnten für eine große Ehre, vor der versammelten Gemeinde im Gotteshaus« ein Gebe! vortragen zu dürfen. Ganz besonders war dies an den Feiertagen und am Neujahrs- und Versöhnungstage der Fall. *) Von Interesse ist es und bezeichnend für die Stellung des Scbliaeh Zibbur, dass sich die Vorsteher israelitischer Cnltusgemeinden um die Erlaubnis drängte», dieses Amt bekleiden zu dürfen. -Rabbi Jizchak -Lampronti bringt in der von uns mehrfach erwähnten Neal-Encyclopädie des Talmud unter dem Schlag Worte שליה צבור auch aus seinem Rabbinatsb ezirke Fecrar» (in Italien) ein Beispiel, wie ein Vorsteher, namens Reulea, ohne von der Gemeinde hiemit betraut worden zu sein, sich erlaubte, die Vorbeterstelle, n a t ü r l i ch u n e n t g e l t l i cd, anzueignen. Ans der Tosefta zu Megillab, III. Perek erhellt nun, j^dasS er hiezu n i ch t berechtigt ist, dass überhaupt ein Auftrag und eine Einladung der Vollgemeinde vorangehen muß, bevor er zur Verrichtung des des Gebetes schreite. An deu.^hohen Feiertagen (Neujahrs, und Versöhnungstag) nimmt der Vorbeter alle Zuhörer mit in sein Gebet auf, und zwar im Mussafgebet: שליח צבור במוסף רייה דוה״ב של יובל מוציא בהי ושאינו בקי. Aber nicht nur im 18. Jahrhundert, sondern schon zur Zeit des Nabbi Salomo den Adret, in dem stolzen Spanien wurden solche Fragen mit dem größten Ernste und der peinlichsten Gewissenhaftigkeit gestellt und in demselben Sinne erledigt; die Würde des VorbeterS der Gemeinde, der in deren Namen und in deren Auftrag die Gebete der Gesammtheit der Gottbeit vortragen sollte, musste gewahrt bleiben. Dass jedoch der Sobn, falls er tugendhaft und gelehrt war, jedem Anderen in der Nachfolge des Amtes vorznzieheu war. liegt in der Güte des jüdischen Herzens und dem tiefinnigen Familiengefühl begründet. Diese Vorschrift gilt beim Gesetzes- und Volkslebrer in Israel in gleicher Weife wie für den Chasan. Nur dass beim Ceasan der Sohn, auch wenn dessen Stimme minder lieblich | 2) Man nannte bei den Juden solche Ehrenbezeugungen □בבודי, und das übliche Wort war: ,מכבד sein'. Bei der leider herrschenden Unkenntnis des Hebräischen, an welcher die Elter n die Hauptschuld tragen, durfte eS sich nicht leicht ein Gemeindemitglied zu E h r e n anrechnen, ein Gebet öffentlich vortragen zu dürfen.'Gott beffere es!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.