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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-02-11 · Heft 5 (11.2.1891) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 5 (11.2.1891)
Date
1891-02-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Zeitun Central-Oigan Pränutnkrnlions-Prcis. Kür Kantoren und KuktusSeamte in Kesterreich Angarn für die IntereAn der Hnntoren UedocUon Sdrrn i attoit מ! Ganzjährig . . . .fl. 4.— Halbjährig.fl. 2.— Kür Kantoren nnd KuttnsSeamte im Anstand Ganzjährig ..... 8 Mark oder 4 Rubel. nnd Hultusbenmten. Erscheini jeden;ehnLen Tug. 11. Novaragasse Nr. 27. Inserate werden billigst b.׳.׳ech 7t. Mcmusc.chte nicht rewnrunt. Kür private nnd Institute Ganzjährig.fl. 6.— B e g r ü n Der: Obercautor Jacob Bauer. ASonnementsnnd Insertious- Selräge find in K en zasttvar. Nr. 5. Wien, 11. Februar 1891. 11. Jahrgang. Aus Böhmen. Eine Heldenthat. Im Westen Böhmens, an der Beranu liegt die ehemalige Kreisstadt Pilsen, die nach der letzten Volkszählung circa 50.000 Einwohner, darunter etwa 500 jüdische Familien mit 5000 Seelen zählt. Als geistliches Oberhaupt dieser Gemeinde wirkt...de1. Herr Mabbinei n. Phil. Dr. I. C a r 0. Die Gemeinde besitzt auS früheren Zeiten, als sie noch kleiner war, einen Tempel - und eine vierclassige israelitisch-deutsche Privatvolksschule mitOeffentlichkcitsrecht, an welcher neben den Gegenständen der allgemeinen Volksschule auch jüdische Religion, hebräisches Lesen und Bibel- , . übersetzen gelehrt wird. Im Lause der Jahre ist die Gemeinde an Mitglicderzahl gewachsen, so dass der Tempel nicht genügenden Raum für die Menge der Andächtigen bietet. Es wird deshalb an den hohen Festtagen an zwei Orten gebetet, während an anderen Tagen der kleine Tempel groß genug ist. Aus Anlass des 40 jährigen Negierungsjubiläums Se. Majestät beschloss nun der Vorstand, einen großen Tempel zu bauen, und wirklich wurde am bestimmten Tage in Gegenwart der gesammten Civil- und Militärhonorationen Pilsens und in Gegenwart des Architekten Fleischer aus Wien der Grundstein zum neuen Tempel - gelegt. Aber bald erwiesen sich die vorhandenen Mittel zum Tempelbaue zu gering — hatte doch der Bauplatz allein 50.000 st. ö. W. gekostet — der Bau musste eingestellt werden und soll nach zweijähriger Pause im heurigen Frühjahre wieder fortgesetzt werden. Die Pläne wurden nmgearbeitet, aber dennoch gicng der Kostenüberschlag aus 190.000 fl. Bei einiger Opserwilligkeit der reichen Mitglieder, deren Pilsen viele zählt, wäre es wohlein Leichtes/ den größten Theil der Kosten auszubringeu. Statt dessen aber kommen die Herrn zusammen und beschließen — Höret und Staunet! —- die israelitische Volks sch u l e, die, wie sie sage«, viel Geld kostet, au sz u l ö s e n!! Soll das etwa auch ein Fortschritt sein? Fürwahr wir danken sehr für solchen Fortschritt! ,Die jüdischen Schulkinder/, heißt es, ,sollen sich mehr mit den katholischen Schülern der Volksschule astjmilieren!' Wenn man glaubt, damit dem überall überhandnehmenden Antisemitismus entgegenzuarbeiten, dann bitten wir nach Eger, Brüx, Leipa, Neichenberg u. s. w. zu blicken, wo es gar keine jüdischen Schulen gab und die jüdischen Kinder von jeher die öffentlichen Volksschulen besuchen, und dennoch gedeiht daselbst der Antisemitismus ganz prächtig. Freilich diese Herren, sonst ehrenwerthe Männer, tüchtige Geschäftsleute, kennen die gegenwärtige öffentliche Volksschule nicht, sonst müssten sie wissen, dass dieselbe heute mehr als je confefsionell katholisch ist, dass ihr gesetzliches Ziel, ihr Zweck ö ie r e l i g i ö s» sittliche Erziehung, d. h. die katholische Erziehung ist; und die armen kleinen Judenkinder sollen in ihrer frühesten Kindheit im katholischen Sinne religiös erzogen werden! Die israelitische Volksschule hat nicht blos den Zweck, das Lesen. Schreiben und Rechnen in deutscher Sprache zu lehren, sondern sie soll die j ü d is ch e n K i n d e r jüdisch religiös» sittlich erziehen; dazu genügen aber nicht 2 — 3 Neligionsstunden wöchentlich, noch dazu zu einer Zeit, wo der kindliche Geist von den profanen Unterrichlszegenständen abgespannt und ermüdet ist. Der Grund zu einer religiösen Erziehung muß in der frühesten Jugend in das Herz der Kleinen gelegt werden. Das jüdische Kind muß seinen Sabbath und Feierrag feiern und an diesem Tage, wie das christliche Kind an Sonn- und Feiertagen, seine Kirche besuchen können. Jeder praktische Schulmann muß diese Sätze unterschreiben. Es zeigen sich ja auch die Folgen eines solchen Neligions- Unterrichtes, wenn die Kinder aus der Volksin die Mittelschule übertreten, indem sie kaum einen Vers der heiligen Schrift zu übersetzen vermögen. Sie erlernen hie und da ein Surrogat aus irgend einem gedruckten oder geschriebenen Buche nach Art des christlichen Katechismus — das ist Alles. Die Sprache der Ge» bete bleibt ihnen fremd, fremd steht das Kind da im Gotteshause 1 Wie ist es auch anders möglich, wo kein Zwang, keine Vorliebe, kein Eifer für die Sache ist? Fürwen baut also die Gemeinde diesen g ro ß e n T e mp e l??! Für die Jugend, die künftige Generation? t Was soll die aber dort machen, versteht sie doch von dem jüdischen Cultüs und seiner Sprache nicht das Geringste. Und um höchstens ein- oder zweimal den Choral- und Vokalgesang, die Orgel und die Predigt zu hören, dafür soll '/»Million Gulden geopfert werden?

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