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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-01-01 · Heft 1 (1.1.1891) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 1 (1.1.1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Zuhörer dringlich, lieber die guten Eigenschaften der Inden nachzuahmen, als sich durch Kränkung der Juden selbst zu entehren. ,Wenn ihr dahin strebt, wie die Juden, arbeitsam, mäßig und geduldig zu sein", -sagte er unter anderm, ״dann werdet ihr keine Ursache mehr haben, euch üben Geschäftsstcckrrrrg zu beklagen und über die englische und deutsche Ccncnrrenz, in deren Hände euer Geld stießt, beschweren zu müssen." Man fürchtet in Odessa, dass Pater Nemircff bald zu denen gehören wird, die auf eine geheimnisvolle Weise verschwunden Und, weil sie eS gewagt haben, die Wahrheit zu sagen. M. W. Lemöerg. Der Verein ״Schomcr Israel" hat an den galizischen Landtag eine Petition wegen Wahrung des § 3 des Staatsgruudgesetzes vom 21. Dezember 1867 gerichtet. § 2 und § 3 des genannten Gesetzes enthalten nämlich folgende Bestimmungen: ״Vor dem Gesetze sind alle Staatsbürger gleich und die öffentlichen Aemter sind für alle Staatsbürger gleich zugänglich." Obwohl die Gleichberechtigung in der Praxis, in so ferne sie die Bürger mosaischer Confeffion betrifft, ganz anders aussieht, lässt es sich nicht leugnen, dass die Negiernngsbehörden doch dem Staats.rnndgesetzs Rechnung tragend, an Inden, wenn auch in verhältnismäßig geringer Zahl, subalterne Veamrenposten verleihen. Wir haben zwar keine jüdische Beamten ans höheren Posten, aber wir sinden sie doch in den unteren .Kategorien bis zur 8. Rangsklaste. Aber weit schlimmer stellt sich die Sache bei den autonomen Landes- und den autonomen Bezirksau ssch rissen dar. Dreiundzwanzig Jahre schon besteht das Staatsgrund« gesetz, und bis zum heutigen Tage findet man noch keinen jüdischen Beamten und nicht einmal einen Schreiber in diesen autonomen Be- Hörden. Bei Ausschreibung von Concnrsen wird die Vorlage des Taufscheines verlangt, wodurch schon im Vorhinein die Juden selbst von der C o m p e t i r >51; g um ein Amt bei den oblgen Behörden ansgeschlofien sind, und thatsäcblich wird auch in den niedrigsten Stellungen das christliche Religionsbekenntnis begehrt. Dieses Vorgehen, wodurch der zehnte Theil der Landcsbürgerschafr eine Zurücksetzung erleidet, steht im Widerspruche mit der bekannten Toleranz der polnischen Nation und dem gesetzlich fanktionirten Grundsätze der Religionsfreiheit. Der Verein ״Schomer Israel", der stanitenmäßig berufen ist. die politischer! Siechte der Juden in Galizien zu wahren, stellt nun die ergebene Bitte: ״Der hohe Landtag geruhe dem LandekanSschnsse aufzutragen, da's bei Concursausfchreibungen zur Besetzung von Posten beim Laudesausschusfe und den Bezirksausschüssen die Bestimmung des § 3 des Staatsgrundge-- setzes vom LI. Dezember 1867 genau berücksichtigt werde. H5erkin, 21. Dezember. Der Berliner Börsen-Courier erhält Kenntnis von einer scandalesen Scene, welche sich vorgestern Abend im Cirkus Schuhmann ereignet und die Jntervenrion eines PolizeibeamtlN zu Folge gehabt bat: Zwei israelitische Herren, die Gebrüder Sigmund und Julius C., Inhaber einer Federbesatzfabrik in Berlin, besuchten an dem bezeichneten Abend die Vorstellung des Circus Schnhmann und halten zwei Tribünenplätze inne. Neben den beiden Herren saß ein Ehepaar, welches sich beständig lebhaft in französischer Sprache unterhielt. AlS Fräulein Adele Schuhmann die hohe Schule ritt, bemerkte der Herr ziemlich taut: 68'0״t unejuive!“ und knüpfte hieran noch eine ungezogene Aeußernug in Betreff L.r vortrefflichen Schulreiterin. Während einer Pause verließ das Ehepaar seine Plätze. AlS der Herr und die Dame bei Wiederb-ginn der Vorstellung znrückkebrten und sich nach ihren Plätzen lrmsahen, sagte die Dame: »0'68t ici“! worauf ihr Begleiter mit einen. Blick auf Herrn Sigmund C. laut erwiderte: ״Oui, a cote de ce fiehu juif!“ (Jawohl, neben dem versturbre» Juden hier!) Infolge dieser pöbelhaften Aeußerung erhob sich׳ Herr Sigmund C., welcher der französischen Sprache vollkommen mächtig ist. und holte einen Polizeilientenant behufs Feststellung der Persönlichkeit des Beleidigers herbei. Von dem Lieutenant zur Rede gestellt, beqnemke sich der betreffende Herr mit einem Mal dazu, deutsch zu sprechen, und seine ersten Worte waren: ,Ich bin königlich-preußischer Beamter!' Der Brave, weicher ohne die mindeste Verairlassung einen zufällig neben ihm sitzenden HMir^go unflätig beleidigt hatte, entpuppte .׳sich als -- Herr Dr. E. W. Mayer, Göbenstraße Nr. 17. ^eine Treppe,, wohnhaft, Lehrer am Friedrich-Wilhelms-Gymnasium. Wir rbeiie» Vorfall Namen und Adresse hier zur Kenntnisnahme für den Director der genanrnen Anstatt, Herrn Professor Dr. H. Kern, zur Kenntnisnahme auch für den Chef der Unterrichlsverwaltnirg Herrn von Goßler mir. Don dem Fortgang der Angelegenheit, welche das Wort des Kaiser« von dem Lehrer, der selbst noch der Erziehung bedarf, so beschämend für den Lehrkörper deS genannter! Institutes illustrirt, werden wir -ferner Zeit Kenntnis geben. Amsterdam. Der Tod des Königs von Holland, des letzten männlichen Sprossen-aus dem Haufe Oranien, bezeichnet eine wichtige Epoche in der Geschichte, au welcher die Juden, die dieser Dynastie so viel zu verdanken haben, nicht mit Stillschweigen vorüberschreiten köilllcu. Treu den Traditiorien feines erhabenen Hauses, war Wilhelm Ilk. während .der ganzen Dauer seiner Negierung ein Muster eines corrstitutionellen Herrschers, welcher mit der äußersten Gewissenhaftigkeit die hohen Piiucipien der Religionsfreiheit. welche in der Geschichte Hollands eine so hohe Rolle spielt, aufrecht erhalten hat. Die Regierung des hochseligen Königs wird für alle Zeiten nicht nur mit d׳m Wachsthurader jüdischen Bevölkerung seiner Staaten, sondern auch mit der hervornHLrden Stellung, welche viele Juden im Staate einnahmen, in engster Verbirrdung genannt werden. Unter König Wilhelm III. bekleidete zum ersten Male ein Jude. Herr Godesroi, den Posten eines Justizlninisters. Auch heute haben Juden Sitze in beiden Kammern: Herr Abraham C- Wertheim ans Amsterdam ist Mitglied des Ober- Hauses; Herr Professor Dr. Roferlstein. einer der außerordentliche» Leibärzte des Königs, ist Rector magnificus au der Leydener Universirät, und Herr Affe:,!irrer der bedeutendsteu Jtlristen der Gegenwart, Mitglied im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten. Die jüdischen Institute in verschiedenen Tbeilen des Landes wurden von dem verstorbenen Könige großmüthig unterstützt, und als eifriger Förderer der Künste gewährt Se. Majestät in hochherziger Werse die Mittel zur Ansbiidung jüdischer Talente, von denen sich viele eines ausgebreiteten Zinses als Musiker oder Maler in unserer Hauptstadt erfreuen. Dass die Juden Hollands dem Herrfcherbaufe aufs innigfte ergeben und für die vielen Freiheiten, welche sie genossen, auch von Herzen dankear . sind, haben sie bei Gelegenheit patriotischer Ereigniße mehr als einmal bewiesen. Auch die Königin-Regentm hegt dieselben srerindlichen Gesinnungen gegen die Juden, wie ihr glorreicher Gemahl. Lsnds». lieber das bereits gerne! dere Ableben der Lady Rosebery, Tochter des sel. Barons Meyer Amschet Ziorhichild, werden folgende höchst interessante Details bekannt.: Wie man berichtet, soll Lady Rosebery den Schritt, sich ehelich mit einem Nichrjuden verbunden zu haben, bereut und dies dem sel. Sir Moses Montefiore offen zugestanden haben. Trotzdem sie ein glückliches Faurftienleben führte,. so wurde si.׳ oftmals von Gewissensbissen gepeinigt, was namenklich am V.׳rröynnngStage, Len sie genau nach RetigiouSvolschrift beobacht-te. der Fall war. Die Dahingeschiederre war höchst wohlrhätig und menschenfreuntlich. besuchte und pflegte Kranke in den Spitälern und spendete bei vielen Ge! egen heilen ansehnliche Summen an Synagoge n und WohlthätigkeiSanstalten. was von sämmtlicheu Blättern rühmlichst anerkannt wird. Die fünf Damen, welche von Edinbnrg zur ritnellerr Waschung nach dem Schlosse der Gräsin reisten, fanden jüdische G.-belbücher und ein Machsor im Schlafgemache derselben vor. R-wd Fürst. Prediger und Carrror zu Ediuburg, begleitete den Leichnam hierher nach London, und der Sarg wurde zuerst mit einem Lorbeerkranz, d u! die Königin sandte, geschmnckt. Zur BeerdignngSfeier, die nach dem Wunsche der Dahingeschiedeneu nach streng-jüdischem OtituS vorgenomm u werden mnisre, war, in Bertrenrng ihrer Majestät der Königin, der königliche Hofmarschall L>ir Henry' Ponsouby erschienen. Der vierspänige Leichenwagen, dem drei königliche und 63 Privat-Gallawagen im Oorlcgc fol reu. langre um 11 Uhr am Willesden-Frredbofe an. Das diplonrarische CorpS, worunter sich Mr. Gladstonc, Sir Wm. H.ir-onrr, Gras Herbert v. Bismark, die Verwandten Lord Rothschild. Leopold und Baron Ferdinand v. Rothschild. sowie Baron Edmoud v Rothschild (Paris) und viele hohe Gesandte und Mitglieder des Parlamentö, der Lord Mayor rc. befanden, versammelte sich in der Hall׳, woselbst der Canror Revd. Spir» (Eenrrat-Synagoge, von der die Verblichene Mirglred war) ti׳ üblichen bebräiscken Gebele vorlrng welche einen sichtlichen Eindruck auf Lord Ncseberv und d-ssen zwei Löhne hervorbrachkeu. Am Grabe angelaugt, warfen Lord Rosebery und dessen Löhne nach j'dischem Gebrauch dre: Schaufel» Erde ans den Sarg, alsdann ergriff Mr. Gladstone und nach ihmLord Rothschild re.die Schaufel, um das Grab mit Erde zu füllen. Nach der Halle MPDEtz^->Ä-D^.,:Mr.׳Fay. Prediger dec E-mral- Synagoge (Dr. Adler wohnte der BeerdignngSfeier nicht bei) das' Wihi noam hebräisch üüd' englisch öor. worauf Lord Rothschild und seine Brüder Tadrseh sagten. Die jüdischen Gebete machren eine» tiefen Eindruck auf die hohen Anwesendeu. und Mr. G'adstone nahm ein 86560 hachajrm mit nach Hause. — Mitwoch Morgen« erhielr Mr. Van Zlyu, der Qberanffeher de« jüdischen Friedhöfe«, einen Brief vom General Ponfcnby. worin er denselben ersnchre, Ihrer Majestät, ein Exemplar de« 86561׳ haehajim zu senden. יל?יי“*5;-

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