Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 34 (21.12.1890)
- Date
- 1890-12-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Canioren Central-Oxg'an Prünumernlions-Preis. Kür Kantoren und Kuttusvcamte in Hesterreich-Ztngarn Ganzjährig.st. 4.— Halbjährig.fl. 2.— Kür Kantoren und KuttusSeamte im Ausland Ganzjährig.8 Mark oder 4 Rubel. Kür private und Institute Ganzjährig.st. 6.— für die IntereAsen der t^rmtoren und Hultnsbeumten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercauror ^S.vvl) 83>LLSe. Hledaciiorl und Administration Wien II. Novaragasse Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. ASonnements- und Insertion«- Seträge sind in Wien za-kdar. Nr. 34. Wien, 21. Drcrmber 1890. 10. Jahrgang. Pränumerations-Einladung. Mit der nächsten am 1. Jänner 1891 erscheinenden Nummer tritt die .,österr.-ungar. Cantoren- Zeitung" in den 11. Jahrgang ihrer erfolgreichen Thätigkeit, und wir richten darum an unseregeehrten HerrenCollegenund!AbonnrntendieinständigrBitte, unlere Vestredungerrdurch Erneuerung des Momrements zu fordern. Im Intereste der pünktlichen E-egrdition des Blattes wird dringend um umgehende Einsendung des Pränumrrationsdrtrages ersucht. Die Administration. Raliliiner und Cantor. Die Aeußerung des Herrn Rabbiners Dr. Deutsch, dass durch ,Einsübrnng des Gemeindegesangcs der Cantor unentbehrlich würde, und ohne denselben die Zwecke des jüdischen Cultus besser erreicht -werden könnten, ha! eine bestige Polemik hervorgerufen, wobei dem Herrn Dccior ziemlich arg zngesctzt wurde. Einerseiks ist ihm communer Brodneid zum Vorwurf gemacht worden, andererseits, namentlich von orthodoxer Seite, wurde ihm zngernfen, dass Beten ohne ©antm״ ׳chukas bagoj “ sei, und dass Talmud und Lebnleban-. avuob, die der-Herr Rabbiner doch auch einmal ״gelesen' haben dürste, ausdrücklich eium Scheliach-Zibbur vorschrciben u. s. w. ׳/Ich-׳kann es. aufrichtig gesagt, nicht gut begreifen, warum die Herren Cellegen sich gar io ecvauffiert haben. Ist denn die Meinung eines kinzelnem Rabbiners für alle Welt so maßgebend, dass zu befürchten wäre, es werden alle Gemeinden ibre Cantoren stante pede vor die Lbüre setzen, um Herrn Dr. Deutsch damit einen Gefallen 311 erweisen?- Wie traurig muß es da um die Existenzberechtigung der Chasonim bestellt sein, wenn schon das leise Räuschen eines Blattes ibnen solche Furcht einjagt! Gemach, Ihr Herren College!!!׳' Der Vorbeter ist mit den! ganzen Ent- 'wickelungsgange-des jütischen Gottesdienstes so-' innig verwachsen, sern'euabsölute Unentbehrlichkeitbei-demselben wurzelt .aus dem felseusesteu Grunde uralter, ehrwürdiger Tradition und moderner Geschmacksrichtung so lies, dass er selbst den stärksten Stürmen erfolgreich widersteben kanu. Die Legislative hat nunanlässlich der Regelung der Rechts» verhältniße der jüdischen Neligionsgenossenschast den Cantor ganz ignoriert, aber an dieser offenbaren Lücke des Gesetzes ist zum großen Theile die legale Vertretung der Cantoren schuld, die eS im entscheidendem Momente unterließ dis maßgeheude» Kreise auf die eminente Bedeutung des CantorS beim jüdischen Gottes» dienste aufmerksam zu machen. Der Einwand, es handle sich hier lediglich um die äußeren Nechtsverhältniße ist nicht stichbältig, da die §§ 11—17 durchaus nicht ausschließlich .äußere' Rechtsangelegenheiten behandeln- Ist aber trotz alldem seit dem Inslebentreteii des neuen Gesetzes auch nur einer einzigen Gemeinde eingefallen, den Vorbeter für überstüstig zu erklären? Im Gegen» theil! Viele minder bemittelte Gemeinden suchen dem ominösen §11 aus irgend eine Weite pro form» Genüge zu leisten, wobei aber der Cantor in erster Linie im Auge behalten wird. Dies ist wohlder eclatanteste Beweis von der Unentbehrlichkeit des Vorbeters. Herr Dr. Deutsch ist übrigens bei Weitem nicht so böse wie — seine Feder; es wird ihm voraussichtlich ebenso wenig wie Archimedes gelingen, die Welt aus ihren Angeln, zu heben. Ich wirke bereits durch mehrere Jahre an seiner Seite in Herz» lichster Eintracht und Freundschaft, habe seiner großen Geleb» samkeit, die gepaart ist mit einem liebenswürdigen, schlichten Wesen, so manche anregende Belehrung zn verdanken und kann es aufrichtig bezeugen, dass ihm nichts ferner liegt als Brodneid. Es fällt ihm auch nicht ein, hier, am Orte seiner Wirksamkeit, gegen die Institution des Caurorates irgendwie anszutreten. Er würde wohl auch nicht den geringsten Ersoig dabei erzielen; aber nicht deswegen, weil der 86bulc:ban-aru6b es anders vorschreibr, denn die Gemeinden lassen sich heutMage nicht mehr von Rabbi Joies Karo und Moses Jßerts, sondern von Gründen derOppor» innitär leiten. Die Gemeinden Israels sind eben von der lleberzeugung durchdrungen, dass die von Dr. Dentich rbeoretkich v-orgeichlagene.Arl des Gottesdienstes praktisch einfach nndnrchfühlbar ist, - und deshalb - können wir ganz, beruhigt sein. Herr