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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-12-11 · Heft 33 (11.12.1890) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 33 (11.12.1890)
Date
1890-12-11
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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linge, die Ausgaben stiegen von 13.455 ff. auf 25.451 fl. Der Verein sah sich jedoch genöthigt, den Kreis seiner Wirksamkeit einzuschränken, zumal sich die Nothwendigkeit ergeben hatte, ein eigenes Vereiushaus als Unterkunftsstelle für die Lehrlinge zu errichten. Dieser letzteren Sorge wurde der Vorstand allerdings enthoben, da anlässlich der Jubiläumsfeier der Verein durch die Opferwilligkeit des Freiherrn v. KönigSwarter in die Lage versetzt wurde, endlich die Errichtung eines Vereins.hauses zu beginnen. Mrünn, 5. December. DaS Curatorinm für den mährischjüdischen Landesmassefonds hat vor einiger Zeit in Folge Aufforderung der Statthalterei ein Musterstatut für die israelitischen Cultusgemeinden auf Grund des Gesetzes vom 21. 1890, betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältniße der israelitischen Religions-Gemeinden, ausgearbeitet, welches den einzelnen Gemeinden als Vorlage bei der Entwerfung ihrer besonderen Statuten empfohlen werden soll. Um die diesbezüglichen Wünsche und Ansichten auch anderer Kreise kennen zu lerneu, hat die Statthalterel^dieses Elaborat einer weiteren Berathung durch eine Enquete unterziehen lassen, zu welcher das Präsidium deS erwähnten Fonds, Julius R. v. Gomperz und £err Wohlmuth, ferner der Landes-Rabbiuer Dr. Placzek und sieben Vertreter der mährischen Judengemeinden zugezogen wurden. Die Enquete wurde am 2. uud 3. d. unter dem Vorsitze des Hofrathes N. v. Januschka abgehalten und das Elaborat sowohl hinsichtlich der Principien, als der Einzelbestimmungen angenommen. Schließlich wurde an die Regierung daS Ersuchen gerichtet, mit Rücksicht ans die §§. 10 und 11 des neuen Gesetzes uud den obwaltenden Mangel an qualisicirten Candidaten des Rabbinates die Creirung eines Seminars und der erforderlichen Vorbereitungsschulen thunlichst zu fördern. Das Musterstatut wird nunmehr dem Cultusministerium unterbreitet werden. Iroppan. 30. November. Gestern nachmittags fand die Ein- Weihung der israelitischen Abtheilung des neuen Ceutralfriedhofes statt und verlief programmäßig. Der Feier wohnten bei die Herren Bürger- Meister Hauer, Oberingenieur Labitzky und Ingenieur Lubich, die ganze Friedhoffection, ferner die ganze Synagazensection, mehrere Mitglieder des Vorstandes der Cultnsgemeinde, während die beiden^orsteher durch Krankheit an der Theilnähme verhindert waren. Die Ceremonie, wobei die Psalms 49. 16. 23 zur Absingnng gelangten, wurde durch die beiden Cantoren, die Herren Sinzermanu und Herz und Las Chorpersonale vorgenommen. Nach Beendigung derselben hielt Rabbiner Dr. A. Blüh die Weihrede, wobei er, bezugnehmend auf den litueii Centralfriedhvf, darauf hinwies, dass an dieser Stätte fernerhin die Dahingeschiedenen aller Confeffionen im Frieden nebeneinander ruhen werden und hebt den Wunsch heivor, dass doch auch die verschiedenen Confessiouen eben so friedlich nebeneinander leben möchten! — Hierauf sang der Obercantor Herr M. Singermann das ergreifende Lied: »Herr, was ist der Mensch!' und damit schloß die Feier in würdiger Weise. Arohoöycz. Am 9. d. Ni. fand hier die Trauung des Fräuleins Albine Zupnik, Tochter des Herausgebers und RedacteurS der »Drohobyczer Zeitung', mit Herrn Dr. Heinrich Rosenbusch, Landesadvokaten statt. Lemberg, 5. December. Nach einer Warschauer Meldung polnischer Blätter soll die russische Negierung entschlossen fein, alle ausländischen Proteste gegen die Verfolgung der russischen Juden als Einmengung in die inneren Angelegenheiten Rußlands auzusehen und demgemäß ihre diplomatischen Vertreter im Auslände zu instruiren. Merlin. Wie tief die sittliche Fäulnis in gewissen Kreisen, welche sich so gerne als die ,edelsten der Nation* ansehen, gefressen hat. haben einige Aufsehen erregende Vorkomm'niße, welche sich jüngst in der Residenz zngelragen haben, bewiesen. Es ist noch nicht lange her, dass mau in diesen Kreisen mit Vorliebe ans die .Engländerei' geschimpft hat uud zweifelsohne rümpft man in denselben jetzt die Nase über das hochherzige Eintreten der englischen Aristokratie für die ruffifchen Juden. Ein Ereignis, welches zur Zeit die parlamentarischen Kreise Englands de wegt, mag zeigen, wie sittlich hoch diese unsere deutschen Aristokraten überragen. In einem Scheidungsprozesse eines Kapitäns gegen seine Gattin ist dem Parlheifnhrer der Iren, John Pacneü. uachgewiesen worden, dass er nichts weniger als ein Tugendheld sei. Trotz des Fleckens auf dem Privatleben ihres Partheioberhauptes wollen die Iren ihren bewährten Führer nicht fallen lassen, beschlossen vielmehr ihn nach wie vor an der Spitze zu behalten. Der alte Gladstone aber, das bewährte ,Oberhaupt der Liberalen, welche die Forderungen der Iren, soweit sie gerecht sind, unterstützen, hat nun erklärt, sich aus dem öffentlichen Leben zurück zu ziehen, wenn Paruell die Führung der unterstützten Partei ferner behält. Er hält denjenigen für ungeeignet an der Spitze einer parlamentarischen Partei, mit der er verkehrt, zu stehen, dessen Ehre undguter Ruf, dessen Sittlichkeit und Moral nicht die strengste Prüfung verträgt,und seinePartei biligt allgemein sein Vorgehen. — Näher als den Liberalen Englands die Iren stehen den Conservativen Deutschlands und — Oesterreichs die Antisemiten. Bis jetzt ist es aber nicht bekannt, dass die Parteibäupter derer die sich für die Stützen von Thron und Vaterland halten, sich mit Vorliebe als die Erbpächter der Religion aufpielen und die ausschließlichen Besitzer der Ehre sein wollen, sich geekelt hätten mit Stöcker, Bockel, Pickenbach, Lueger, Verzani etc. Hand in Hand zugehen. — Kassel. Die Schulbehörden in Hessen haben es unternommen, dem Antisemitismus eutgegenzutreten. Seitens der Regierung in Kassel ist eine dahin gehende Verfügung an die Kreisschulinspectoren ergangen, in der es u. a. heißt: Es sei der Regierung bekannt geworden, dass vielfach christliche Schulkinder die israelitischen Schulkinder und erwachsenen Israeliten öffentlich verhöhnen und verspotten, und dass manche Lehrer in schwerer Versündigung gegen ihr Amt durch unziemende Redensarten ihren Schülern gegenüber diesem Unfug Vorschub leisten. Ei» derartiges Gebühren der Lehrer sei im höchsten Grade unpädagogisch und aufs Schärfste zu mißbilligen. Der Lehrer habe die Pflicht, jeden Fall strengstens zu bestrafen und die Kinder durch geeignete Belehrung zur Duldung und Achtung Andersgläubiger zu gewöhnen. Maris, 2. December. Das Echo de Paris veröffentlicht Unterredungen mit Liebknecht und Stöcker. Liebknecht glaubt an den Sieg der Socialisten und sagte sehr viel Schlechtes von Bismark, den er sogar in seiner Privatehre angriff Cavrivi dagegen sei ein Gentlemann, ein integrer Patriot und Soldat, lieber den Antisemitismus äußerte Liebknecht, mit Bismark's Sturz sei auch der Antisemitismus in den Grund gebohrt. Stöcker sei aus den geheimen Fonds bezahlt worden׳ Der Antisemitismus könne nur leben, so lange eine Negierung es wolle und so lange sie Geld hergibt. Nachdem man aber Stöcker die Lebensmittel entzogen und ihn vom Hofe hinausgeworfen hat, wird der Antisemitismus eines baldigen Todes sterben. Dagegen äußerte sich Stöcker dem französischen Journalisten gegenüber wie folgt: Es wird vielleicht 10 oder 20 Jahre dauern, aber der Antisemitismus wird triumphiren. In Deutschland, in Russland, in Frankreich, überall reicht der Einfluss des Geldes nnd der Presse bis zu den Fürsten hinauf. Das muß aufhören. »Auf welche Art', fragte der Journalist» .wollen sie zu diesem Ziele gelangen?' — ״Durch Gewalt^ antwortete Stöcker. »Mau muß das Volk gegen die Juden aufwiegeln. Eine Revolution ist nöthig; sie wird mit mathematischer Sicherheit kommen?' — Auf die Frage: ,Ist Kaiser Wilhelm 11. Antisemit geblieben?* erwiderte Stöcker nach einigem Zögern: ,Der Kaiser ist noch jung, aber ich hoffe viel von ihm für die Kirche.' — Auf die ,Frage: ,Kennen sie Drumont?' antwortete Stöcker: ,Ich habe ihn sehr lieb; ich bin mit ihm in ununterbrochener Correspondenz. Nächstes Jahr werde ich ihn in Paris besuchen und Wiedersehen.' Prrbliratronrn des österr.-ung. Eantorrn-Vrrernes. Für das berufvunfähig gewordeneVereiusmitglied G. R o f e nf el d, Ungereideu, sind nachfolgende Pflichtbeiträge pr. fl. 1 eingelanfen: Koruitzer A., Wien; Rorter Adolf, Wien; Schlesinger M., Wien; Bauer I.. Wien; Hirsch S.. Wien; Rotter D. L-, Wien; Stein, Postelberg; Reiser, Neuern; Blum, Schlau; Bermann, Leipa: Kraus, Prag; Kohn, Kobersdorf; Roller 2., Polna; Kohn D., Rakonitz; Lederer, Bodenbach a/Elbe; Saller, Szelrskut; Rosenfeld, Pisek; Weiß B, Brandeis a/Elbe; Popper, Eger; Lederer A., Eger; Löwy, Neunkirchen; Neuman, Oberhollabrunn; Beutler, Auscha; Beinkeles, Wollin; Popper, Kohljanovitz; Roseufeld, Güssiug; Blau, Efseg; Kraus, Deröce; Haas' L., St. Miklos; Freisinger. Pilse»; Hahn A., Teschen; Weiß I., Tobitschau; Schrecker S., Jungbunzlau; Nußbann!, Holeschau; Pollak, Wlaffim; Löwy A., Neustadt!; Petersilka, Wien; Salomon S.. Wien; Rosner, Herm. Mestec; Salzer M.. Laa; Lemberger H.. Kuttenplan; Singer 31., Nenbitschow; Neuman I., SN Pölten; Korner I., Smichow. 3ln Vereinsbeiträge sind eingelaufen: Blum, Schtan 1 st. 50»; Popper, Eger 3 fl.; Hahn, Teschen 3 fl.; Löw, Jglau 3 fl.: Kornitzer, Wien 3 fl.; Reifer, Nenern 6 fl.; Beinkeles, Wollin 1 fl. 50; Weiß, Brandeis 3 fl.; Weiß, Nng. Brod 3 st.; Löwy, Neunkirchen 3 fl. 50; Popper Kohljanowitz 2 st. 50; Freisinger, Pilsen 3 fl.; Schrecker. Jungbunzlau 4 fl.; Heymann. 3lmsterdam 5 fl.; Löwy, Böhm. Neustadtl 1 fl. 50; Salomon, Wien 3 fl.; Rol'ner Herm. Mestec 2 fl.; Salzer Laa 1 fl50 ׳; Jellinek, Miftelbach 3 fl. y Stern, Wien 4 fl; Friedmann, Holies 1 fl. 50.

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