Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 33 (11.12.1890)
- Date
- 1890-12-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Canloren Cential-Organ Pränumerations-Preis. Kür ganioren und gnttnsöeaml« in Krsterreich Angarn Ganzjährig . . . . . fl. 4.— Halbjährig . .. . . . fl. S.— Kür gantarm und gnttnsöeamte im Anstand Ganzjährig . . . . . 8 Mark oder 4 Rubel. Kür Arivate nnd Institut« ' Ganzjährig . . ... fl. 6.— Kr äie InterrAn äer ^Nntoren uml ^ultnsbeMten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor ,iLood Laner. Medaclia» und Administration Wien II. Novaragaffe Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Avannements- und Insertians- Selräge stnd in Wien zahtSar. Nr. 33. Wien, 11. Drrrmbrr 1890. 10. Jahrgang. ZUM fünfzigjährigen Amts-Jubiläum des Koniglich-Prrutzifchrn Musik-Direriors Sonis M als Dirigent des Berliner ^nagogen-Lhores. Fünfzig Jahre im Dienste einer Gemeinde, einer Amtsausübung und einer Idee — das ist wohl ein erhabenes und erhebendes Bewusssein, welches dem Träger desselben Genugthuung bietet für all die in Nebel zerflossenen Lustschlösser, die er gebaut, für all die erfolglos entworfenen Pläne, für all die Mühen und Sorgen, die seine practische Thätigkeit ihm auferlegt. Heil dem Manne, der inmitten dieser Welt von Enttäuschungen und Zweifel eine Summe glänzender Erfolge sein eigen nennen kann und mit Beruhigung und edlem Selbstbewusstsein den Abend seines Lebens herannahen sieht, da die Schatten sich zu senken beginnen, die thätige Hand erlahmt und der schaffende Geist des müden Erdenpilgers sich der ersehnten und wohlverdienten-Rühe züneigt. Louis Lrinandoinshi feiert heute sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum; die Runde dieser einfachen Thatsache genügt, um die Herzen sämmtlicher jüdischer Lantoren und Lhordirigenten mit ungetheilter Sympathie für den Jubilar zu erfüllen. Was Leioan^oKyskei geschaffen und gedichtet, das ist Gemeingut des Gesummtjudenthüms geworden; denn in den kleinsten europäischen Synagogen wie in den Riesentempeln Amerikas ertönen Lewandowskische Thöre zum Lobe Gottes. Was Leivandotoski geschaffen, das ist nicht unter dem Zwielichte sogenannter erborgter Geniusse, sondern aus dem frisch sprudelnden Borne seines ureigenen Talentes entstanden, trägt daher auch allenthalben die einheitliche Signatur der Lewandowskischen Muse an sich und wird, dank dieser Stilreinheit, für ewige Zeiten als mustergiltig für die Form des Synagogengesanges erachtet und geschätzt werden. Was LeivANdotNSki noch heute schafft, als hochbetagter, in schwerer und rühmlicher Arbeit ergrauter Wann, das erfuhr die moderne Synagogenmusik durch die erst letzthin erfolgte publizirung des umfangreichen Heftes synagogaler Orgelpräludien, deren Inhalt nicht allein jedem Synagogenorganisten treffliche^ Material zur Verwendung beim Gottesdienste bietet, sondern hauptsächlich den Tomponisten synagogaler Musik den unverfälschten Stil vorzeichnet, wie die Orgel in der Synagoge zu behandeln sei. Der bedeutungsvolle Lebensinhalt TeioandoivKi'S war zumeist dem Synagogengesange, also unmittelbar den jüdischen Lantoren gewidmet, deshalb ist es Pflicht dieser Blätter, den heutigen Iubiläumstag Meister Lrinandoinski's nicht allein als hochwichtigen Merkstein in der Entwickelungsgeschichte des Synagggesigesanges sondern hauptsächlich in dankbarer Würdigung der künstlerischen Gaben, welche die jüdischen Lantoren von LetvandotosW empfangen, als einen Fest- und Freudentag zu begehen und diesem Gefühle in diesen Blättern auch für kommende Geschlechter gebührenden Ausdruck zu verleihen. Wien, den \2. December ^890. Singer.