Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 30 (11.11.1890)
- Date
- 1890-11-11
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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zwischen ihnen vor der Oeffentlichkeit stattgebabten Auseinandersetzungen keinem von ihnen die Absicht innewohnte. die Person deS Gegners kränkend anzugreifen» dass es sich vielmehr nur um Zwistigkeiten sachlicher Arr handelte. Es wird beiderseits auf die gerichtliche Verfolgung der etwaigen gefallenen Beleidigungen verzichtet und Klage und Widerklage zurückgenommen. — Nach den neuesten Meldungen ist die Entlassung Stöckers bereits vollendete Thatsache. London. Am 30. October feierte der berükmte Cardinal Manning, der schon zu wiederholten Malen seiner Sympathie für die Juden Ausdruck lieh, sein 25jähriges Bischofsjnbilänm. Aus diesem Anlasse überreichte ihm eine Deputation englischer Juden, bestehend aus dem Großrabbiuer Dr. Adler, d-m Lord Mayor Sir A. I s a a cs, Sir I. G o l dsm i d, Sir John S i m o n und anderen hervorragenden Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, eine Glückwunschadresse, in welcher besonders auf des Prälaten Anrheil an d7m Einspruch gegen die russischen Judenverfolgungen im Jahre 1881—1882 hingewiesen wurde. Die Adresse hatte folgenden Wortlaut: Euer Eminenz! »Wir, die abgeordneten Vertreter der Inden des vereinigten Königreichs, haben den ehrenvollen Auftrag erhalten, Ew. Eminenz in ihrem so wie auch in unserm Namen bei Gelegenheit der 25 jährigen Jubelfeier Ihrer Bischofsweihe die herzlichsten Glückwünsche darznbringen. Das Bewusstsein von der großherzigen Sympathie und dem unermüdlichen Eifer zur Förderung der Interessen aller Gesellschaftsklassen, welche ihr langes thatenreiches Leben mit unsterblichem Rubm erfüllt haben, ist uns tief ins Herz geschrieben. Ihre eifrigen Bemühungen um die Förderung des Unterrichts, Ihr wirksames Auftreten in Sachen der Mäßigkeitsbestrebungen. Ihre Arbeiten für die Verbesserungen der Ärmeuwohnungen und die Aufbessernng der Lage der Arbeitsklassen überhaupt, haben in den Herzen aller Engländer ohne Unterschied des Glaubens ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit und Hochachtung wachgerufen. Ganz besondere und ausgezeichnete Dienste aber sind es, welche den Namen Ew Eminenz unfern Glaubensgenossen so werth und theuer machten. Wenn eine große und schreckliche Verfolgung über unsere bedrängten Brüder in Nussland ausbrach, so traten Sie in die vorderste Reihe derer, welche ihre Stimme gegen Gewaltthätigkeit nnd Bedrückung erhoben, und gaben ihrer Sympathie in Worten Ausdruck, ans welchen Bruderliebe und Erbarmen hervorleuchteten. Als Mitglied des Commites, welches bei jener denkwürdigen Versammlung unserer Mitbürger im Mansion- Honse am 1. Febr. 1882 sich constituirte, unterstützten und leiteten Sie zu wiederholten Malen die Berathungen mit scharfer Einsicht und bewundernswerther Weisheit. Durch Ihre enthusiastische V:rtheidigung des Rechts und der Hnmanität. dn׳ch ihre nachdrnckvolle Vernrtheilung der religiösen Intoleranz, durch Ihre großartigen Unterstützungen derjenigen, die einen von dem Ihrigen verschiedenen Glauben bekennen, haben Sie sich als einen Priester der Religion im edelsten und erhabensten Sinne des Wortes ansgewiesen. Wahrlich, die Erinnerung an Ihre Worte und Thaten während jener Zeit der Trübsal wird nie ans unseren Herzen nnd ans den Herzen unserer Kinder schwinden. In diesem Augenblicke drängt sie uns, unsere Gebete zu Gott, dem Herrn alles Geistes und Fleisches, emporznsenden, dass er Ihr edles Werk belohnen und Ihnen ein langes und glückliches Leben verleihen möge. Möge die Gnade Ihnen zu Theil werden, dass Sie auf die Flüchte so unermüdlicher und selbstverleugnender Arbeiten ׳schauen mögen — Arbeiten, zu deren ustührung die glühendste Liebe zu Gott und den Menschen Sie begeistert hat.' Bedeutungsvoll und von ungewöhnlichem Interesse ist auch die Rede, welche Cardinal Maunning bei dieser Gelegenheit an die Deputation gehalten hat. Sie ist ein beredtes Zeugnis religiöser Duldsamkeit und Gerechtigkeit und wahrhaft priesterlicher Gesinnung, und beweist zugleich, dass ein hoher Standpunkt in der Beurtheilung der Vergangenheit und Gegenwart mit dem Glauben wohl vereinbart erscheint. Die Rede hatte folgenden Wortlaut: ״Seit nahezu 40 Jahren ist London meine Heimat, und in dieser Zeit sind mir alle Arten des Lerdens, der Armnlh, aber auch des Lasters vor Augen gekommen. Ich kann deshalb Zeugnis geben von dem Wohlthätigkeitssinn nnd der Freigebigkeit meiner jüdischen Landsleute. Ich habe sie bei allen guten Werken in erster Reihe gefunden. In der Sorge für ihre Kinder, ihre Kranken und ihre Armen geben sie uns ein edles Beispiel der hochherzigen Werkthätigkeit. Ich war Zeuge ihrer Sorg-׳ für die Armen bei den Festlichkeiten des Metropolitan--Freihospitals. Von ihrer wachsamen Sorge für die Armen habe ich volle Beweise erhalten. Als sie durch die Tyrannei uns Rußland - vertrieben wurden, kamen sie in Massen zu unseren Küsten, und ich war Zeuge ihrer weisen nnd ersprießlichen Verwaltung. Dies sind einige der unmittelbaren nnd persönlichen Motive, die bei mir ein aufrichtiges Wohlwollen für Sie erzeugt haben, und Ihr heutiges Erscheinen versichert mich, dass es ebenso aufrichtig gegen mich auf Ihrer Seite herrscht. Es gibt aber noch höhere und zwingendere Motive, die mich zu Aussprüchen und Handlungen bewogen haben, welche von Ihnen in Ihrer Adresse über Verdienst geschätzt werde». Ich wäre meinem eigenen Glauben nicht treu, wenn ich den Ihrigen nicht verehren würde. Es gibt, glaube ich, nur drei unzerstörbare Elemente in der menschlichen Geschichte: das Volk und der Glaube Israels, die daraus entsprungene katholische Kirche und die Welt, welche beide verfolgt hat. Wir haben einander manchmal vielleicht Unrecht gethan. Es sind nicht Alle Christen, weiche sich so nennen, und nicht Alle von Israel, welche Israeliten genannt werden. Viele dunkle und schreckliche Thaten sind zweifellos gethan worden, an denen Israel als Volk unschuldig ist, sowie bezüglich mancher anderer Nnthaten die katholische Kirche ohne Makel ist. Die Welt recrntirt sich fortwährend von beiden Seiten ans Denjenigen, welche des Namens unwürdig sind, den sie führen.' Je größer die Welt der Menge nach wird, desto mehr wächst sie an Bosheit, nnd wenn unsere Voraussicht richtig ist — insofern, als das vorher Gesagte gewiss ist — so wird die Kriegführung der Welt gegen Alle, die an Gott glauben, an Ausdehnung nnd Gewalt zunehmen bis zu ihrem letzten Kampfe und bis zu ihrer Zerstörung. Glücklicherweise sind im britischen Reiche, wo durch gleiche Gesetze nnd brüderliche Liebe jede gerechte und ehrenhafte Laufbahn offen steht, unsere jüdischen Mitbürger loyal, friedlich und edelmüthig im Dienste für das Gesammtwohl. Sie nehmen Theil an unserer Stärke und erhöhen dieselbe. Leider ist dies in anderen Ländern nicht so. AVer Beides, die Ursache und das Gegenmittel, sind in den Händen Jener, die sich über Sie beklagen und beschweren. Die Menschen werden das, was die Negierungen aus ihnen machen. Strafgesetze machen loyale Menschen illoyal. Sociale Bedrängnis erzeugt Erbitterung, welche die Schwachen enlmuthigt nnd die Menschen zum Wahnsinn treibt. Je größer die Macht, desto größer sollte die Menschlichkeit und Duldsamkeit gegenüber Denjenigen sein, welche Jahrhunderte erniedrigt haben. Aber ein Tag der Vergeltung steht bevor. Ich bitte Sie nun, meinen herzlichsten Dank für Ihre edlen Worte entgegenzunehmen und denselben Jenen bekanutzugeben, die Sie in dem Vereinigten Königreiche vertreten. Mögen alle Gnade und aller Segen über Ihnen und Ihren Häusern walten.* W0M. In der Tiber wurde eine silberne Platte mit hebräischen Schriftzeichen aufgefnnden. Professor Aseoli der berühmte Philologe, welcher mit der Untersuchung betraut wurde, erklärt, dass die Inschrift biblische Benedictionen enthalte, untermischt mit Namen, welche nicht hebräisch sind, obwohl dieselben mit hebräischen Charakteren geschrieben erscheinen. — Ein weiterer Fund wurde im Districte von Trastevere gemacht, Inschriften von einem alten israelitischen Friedhofe vermuthlich aus dem 16. Jahrhundert, da im Jahre 1625 den Inden die Aufstellung von Grabsteinen verboten wurde. Professor Gnidi hat auf den Inschriften Namen von Familien gefunden, welche noch in Nom exiitiren. Wirmingham. Eine interessante Bewegung ist hier im Gange, welche ans andere Stände in unserem Orte segensreich wirken kann. Die hiesige jüdische Schneidergilde hat einfach beschlossen, dass ihre Mitglieder am Sabbath nicht mehr arbeiten werden und von diesem Beschlüsse ihren Arbeitgebern Mitteilung gemacht. Diese werden auch durch den Entschluss ihrer jüdischen Arbeiter, dem Neligionszesetze treu leben zu wollen, durchaus nicht benachtheilizt werden, da Letztere statt des Sabbath» am Sonntag arbeiten wollen. Hier haben wir das Geheimnis eines mächtigen Erfolges in Betreff der Beobachtung deS Sabbathgesetzes. Jedes Geschäft, in welchem Juden in großer Anzahl sind, müsste demnach so organisirt werden, um in ähnlicher Weise durch gegenseitiges Uebereinkommeu zu dem gewünschten Resultat zu gelangen. Wew Kork. In Spokaue Falls U. S. hat am Versöhnungstage Miß Ray Frank zum erstenmale bei dem Gottesdienste die Kanzel betreten und gepredigt. Der Gottesdienst wurde nach dem Ritus des Tempels Ahawath Chesed in New-Pork abgehalten; die englischen Gebete wurden von Mr. Arthur Benjamin von Aner recitiert. Die große Beredsamkeit der predigenden Dame hat den Erfolg gehabt, dass nunmehr eine ständige Congregation gebildet wurde. Stelkeu-Befetzrutge». In der Gemeinde Austerlitz wurde Herr S. Regner und in der Gemeinde Friedwald Herr L. Kurzweil — beide Schüler des Obercantors I. Bauer — als Cantoren acceptirt