Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 29 (1.11.1890)
- Date
- 1890-11-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7״ — 23. Zinsen ..fl. 3.913 27 fl. 10.719 80 24. Zinsen von fnndirter Schuld5.601-75 ״ — ״ 25. Adaptirungen .....07 1.744 מ — ״ 26. Besondere Änsiagen . . : 2.553.08 ״ — ״ fl. 319.071-5-2 fl. 305.885-08^ Der Ueberschuß wurde dazu verwendet, das Deficit der früheren Jahre theilweise zu decken. ' Budapest. Von Herrn E. Herzog wird iur ,Ung. Israelit' folgende inreresfante Begebenheit aus dem Leben Lenau'S mitgetbeilt: Im Jahre 1873 hielt ich mich in Carlsbad auf, wo ich die Bekannt» schast eines geistvollen Polen machte, der über Dinge und Menschen anziehend zu sprechen verstand und sich als gründlicher Kenner der deutschen Litteratur und Lenau's erwies, mit dem er seinerzeit in Wien .Umgang gepflogen. Als ich ihn bestürmte, mir über Lenau Alles, was er nur wusste, zu sagen, erzählte er mir unter Anderem folgende Reminiscenz: ,Es war am Vorabend des Versöhnungsfestes. Ich hatte die Synagoge verlassen, um mich nach Hause zu begeben. Auf der Straße begegnete ich einem in einen Mantel gehüllten Manne, den ich bei Laternenschein als meinen Freund Lenau erkannte. ,Woher des Weges?' frug ich. ,Ich komme aus der Synagoge, die ich seit vielen Jahren an diesem Abende aufzusuchen pflege. Ich sehne mich" eben nach diesem Feste, das mir Gelegenheit bietet, mich so recht nach Herzenslust auszuweinen, die schwermüthizen Klänge des »Koi׳Nidre', in denen sich ein namenloses Weh' ausspricht, sind meinem Herzen Bedürfnis. So ich diese erschütternde Melodie vernehme, tauchen vor meiner Seele trübe Bilder auf, LeidenSscenen eines Volkes, dessen Gtschichte kaum etwas Anderes ist, als eine feit Jahrtausenden dahinfließende Zähre. — Doch eS ist kühl! Eilen wir! Sie, mein Freund begleiten mich doch?' Ich war hierzu sofort bereit, und eine Viertel« stunde später betraten wir Lenau's Zimmer. Lenau griff nach seiner Geige nnd entlockte ihr die eigenartigen Töne des soeben gehörten ,Kol Nidre' so wehmuthsvoll und herzzerreißend, wie es jene Klagelieber gewesen sein mochten, die Israel an den Strömen Babels einst angestimmt. Er spielte die Melodie, und spielte sie wieder, bis sein Antlitz von Thräuen überströmt war. Dann schüttelte er den Kopf, legt das Instrument beiseite und mir die Hand zum Abschiede reichend, murmelte er: ,Ein eigeuthümlich-Lied, ein eigenthümlich'Volk!' Ich drückte seine Rechte und verließ wortlos das Zimmer. Neustadt 0. S. Es ist in jüngster Zeit vielfach vorgekommen, dass Jahrmärkte an jüdischen Festtagen abgehalten werden mussten, wodurch einerseits die Festfeier wie der Synagogen-Besuch, anderer» seits die conjervativ-religiösen Juden in ihren Erwerbsverhältnißen geschädigt waren. Ich erlaube mir daher meine Glaubensgenossen, vornehmlich die Vorstände und Cultus-Beauiten der jüdischen Gemeinden .aus die hierbei zu beachtenden Punkte^ aufmerksam zu machen. Die Jahrmärkte werden von den städtischen Behörden bekanntlich auf .2 Jahre voraus festgesetzt; es ist jedoch nicht Sache des Magistrats, sich um das Datum der jüdischen Festtage zu kümmern, sondern es obliegt eben den jüdischen Interessen, dem Magistrate die Kalender- Auszüge in die Hand zu geben, dann ist es mit Sicherheit anzunehmi-n, dass die diesbezüglichen Wünsche berücksichtigt werden. Sind aber erst die Jahrmärkte festgesetzt und veröffentlicht, dann ist der Magistrat beim besten Willen höchst selten in der Lage, eine Abänderung eintreten zu lassen. Ich habe schon vor einigen Monaten dem hiesigen Magistrate, der mich sogar darum angieng, das Datum der jüdischen Festtage für das Jahr 1892 gegeben. In dieser Weise muß überall vorgrgang n werden, dann wird der beregte Uebelstand sicher vermieden. Baß. ßzernorvitz. Während seines jüngsten Aufenthaltes in Czernowitz erschien Se. k. u. k. Hoheit, Herr Erzherzog E u g e n. mit den Offizieren seines hier stationirten Regimentes ganz unvermuthet vor dem jüdischen Tempel, um denselben zu besichtigen. Rasch wurde der zufällig in der nahegelegenen Gemeindekanzlei anwesende Präses-Stellvertreter Herr Baliinester herbeigernfen, der sich dem hohen Gaste als Repräsentant der Gemeinde vorstellte. Erzherzog Eugen sah sich während des Rundganges wiederholt veranlasst, seine Befriedigung über die Schönheit des Gotteshauses auszusprechen, und folgte mit vielem Interesse den Erklärungen, die Herr Baltinester über die heiligen Geräthschaften und verschiedene religiöse Ceremonien" gab. Beim Abschiede reichte der Prinz dem Präses-Stellvertreter die Hand und dankte ihm für die church den Besuch des Gotteshauses gewonnenen Eindrücke. Stuttgart. Der Staatsanzeiger veröffentlicht, dass das Cultus- Ministerium den 'Israeliten in Gmünd gestattet, eine eigene Kirchen« gemeinde zu bilden, und würde dieselbe dem BezirkSrabbinate Oberdorf zugetheilt. Die frühere Reichsstadt Schwab. Gmünd hat im Mittelalter zweimal di»- 3»?״» aus ihrem Gebiet vertrieben. Bis 1806, wo sie zum K ׳gr. Württemberg geschlagen wurde, durfte kein Jude ihr Gebiet betreten. Zug reiste wurden von Schergen gegen Judenzoll um die Stadt geführt. Der j tz'g׳ Magistrat hat den Israeliten Betsaal und Hut rrichtszimmer e>ng״räumr. Merlin. Freitag den 12. Dec mber begeht Herr Mnsikdir ktor L. L e w a u d o w s k i das Fest feiner fünfzigjährige» amtlich.» Tbätig« keit, und es hat sich bereits ein Comite gebildet um Li.sen Tag in einer den Ver? lensten des Jnbltare würdigen Weise zu gestalten. Hoffentlich werden auch die Cantoren es nicht unterlaffen, dem gefeierten Meister ihre Huldigung darzubringen Mertin. Die Kreuzzeitung ist sehr ungehalten darüber, dass in HildeSheim (Hauovcrl O!׳er Landesgerichks-Präsident Bardeteden mehrere Referendare, welche einur jüdischen Gerichts Referendar die Ausnahme in eine juristische Tiich-Gefellschast verweigert hatten, strafweise ar» kleine Gerichte versetzte. Kö N. Eine hier geplante antisemitische Kundgebung scheiterte, indem Llebermann v. Sonnenberg, theilweise wegen befürchteter socialdemokratischer Störungen, kein Local für einen Vortrag erhalten konnte. LÜöetK. Die Bürgerschaft von Lübeck hat den Senatsantrag, den die jütische Gemeinde erbeten, dass alle dort wohnenden Juden gezwungen werden sollten, M.tglieder der israelitischen Gemeinde zu werden, fast einstimmig abgelehnt. Kanuover, den 25. October 1890. In der hieügen Synagoge wies beim heutigen Morgen - Gottesdienste Landesrabbiner Dr. Gronemann in einer längeren Rede in warmen, schönen Worten auf die großen.Verdienste deS greisen General-FeldmarichallS, Grafen von Moltke bin. welcher am morgigen Tage seinen 9V Geburtstag begeht, auch erwähnte er seiner im ״Hanaussen teschuah“-($ebete in feierlicher Weife. Metersvnrg. In verschiedenen Provinzstädten, in welchen die Polizei den Beseht erhalten hatte, die Juden auSzuweifen, ist dieser Befehl neuerdings mit der Weifung widerrufen worden: die Juden könnten vorläufig wohnen bleiben, bis das neue Judengesetz hierüber entscheiden würde. Diese Verordnurg wird dem Einflüße des Großherzogs von Hessen zugeschrieben, der beim Czar zu Gunsten der russischen Juden intervenirte. — 5)ie russische» Polizeibehörden haben, wie der in Warschau erscheinende ,Kurjer' meldet, im Sinne eines Senats» beschluffes folgende Bekanntmachung erhalten: Ausländische Inden dürfen weder rnffische Nuterthanen werden, noch einen stabilen Aufenthalt in Rußland nehmen. Denselben ist blos gestattet, die im ruffischen Reiche bekannten industriellen und Handelsstädte zu besuchen und in denselben nur eine bestimmte Zeit lang verweilen. In dieser Hinsicht bleibt dem Ministerium des Innern das Recht Vorbehalten, über die bezüglichen Gesuche anSländifcher Inden zu entscheiden. Und es können Pässe Seitens der russischen auswärtigen Gesandtschaften und Consulate nur den Bankiers oder Chefs bedeutender Geschäftshäuser im Sinne der allgemeinen Bestimmungen auSgesolgt oder vidirt werden. Indem es also den ansländitchen Juden gestattet ist. Rußland bloS in Handelsinteressen zu besuchen, soll ans diese Weise deren Andrang nach Rußland beschränkt werden. Im russischen Reiche längere Zeit zu verweilen oder Handel zu treiben uns Bankbureaux zu errichten, kann nur jenen ausländischen Juden gestattet werden, welche in der Oeffenttichkeit durch größere Handelsoperationen bekannr sind, und zwar blos aus Grund einer speciellen Concession des Finanzministeriums, des Ministerinnls deS Innern nnd des Aenßecn. Maris. Das Consistorium von Paris bereitet die Wahl eines Grand-Rabbin an Stelle des zum Grand-Rabbin von Frankreich ernannten Zadoc-Kahn vor, indem dasselbe die Liften der Wähler im Tempel der Rue de la Victoire affigirt. Sobald das Reclamationsverfahren durchgesührt ist, schreiten die Wähler des Pariser SprengelS zur Wahl von sechs Delegirten. nnd zwar wählen Havre Rouen nnd Versailles je einen D. legirren, und Paris drei Delegirte. Diese in Gemeinschast mit den sechs ständigen Mitgliedern des Pariser Consistorium» bilden die Wahlcommissivn, welch.׳ dem Oonsistoire central einen Ternavorschlag zu machen hat. Erst das Oonsistoire central ernennt einen der Vorgeschlagenen definitiv zum Grand-Rabbin. Diese Ernennung wird Ende November erfolgen. Als Candidaten nennt man die Grand- Rabbins von Lyon und Brüffel, sowie die RavbinatS-Assessoreir von Paris.