Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 29 (1.11.1890)
- Date
- 1890-11-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/1304829-3453172-3453201--2984-3457292- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Oesterreichisch-ungarische Ö entral־ O xg'sin. - PrämnneratiousM eis. ׳ Kür ßantare» und tzüstüsSeämtr ׳ . SeAerreiHMngar» Ganzjährig . . .. . . fl. 4.— , ׳ Halbjährig . . . . . 'fl. 2.—- ׳' -Kür ßantorrn^und ßuNnsSeanrle 2 , ׳. ... iur.Ausland;;.ל .)g Ganzjährig . . . . . .. 8 Mark : : oder 4 Rubel. * , ׳ ' Kür Arival- und Institute f Ganzjährig . . . . fl. 6.— j, ,י - ' - . - mul ^ultusbemnten. Ei: jrtzeint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor ^Lvvd 8LN.ee. Wedactio» nnd Administration Wien II, Novaragaffe Nr. 27. In ser « te werden billigst berechnet. Manuscripte w-rden nichts retonrilirt. ׳ ASounements- und Inserlions-' deträge stnd in Dien. zahlSar. Nr^ .291 Wir», 1. November 1890. Nelier die Entwicklung des Synagogenl; . gkj'MlgkS von Josef Singer in Wien. 2 - , ׳ , . m. S e r i e. , 1 III. . Dem-Inhalte der von uns in Nr. 19 dieser Blätter gezeichneten ״biographischen Skizze gemäß, dürften wir von Ossias Abraß nichts Bedeutenderes erwarten׳, ätschen von einem stimmbegabten und talkUtirten Chasen, der jedoch schon einigermaßen von den Segnungen der modern-cantoralen Bestrebungen erfüllt war, zu erwarten ist. Abraß halte Gelegenheit, mit Sulzer und, Weintraub in Königsberg n. A. zu verkehren, diese Koriphäen zu. hören und hiedurch -seinen eigenen fachwisfenschaftlicheu Gesichtskreis zu erweitern. Hauptsächlich war es der sich aufdrängende grelle Gegensatz zwischen Sulzer und Weintraub. der in Abraß die Anschauung zur Reife -brachte, dass es in Sachen der Kunst nicht nöthig, ja nicht geboten fei, hin ein Musterbilds zu folgen, ei n em Mufterbilde, welches durch die Maßregel der steten Nachahmung eben zur-ewigen Nachahmung verdammt und den betreffenden Nachtreter für ewige Zeiten die Fesseln der Abhängigkeit anlegt, . welche die Schaffenskraft lähmt; dass es auf jedem Kunstgebiete vielmehr-dringend nothwendig erscheint, die Altvordern der Kunst ׳In ihren Eigenthümlichkeiten zu erfassen, dieselben mit der eigenen Anschauung zu verschmelzen und diedurch die individuelle Schaffenskraft oder Richtung zur freien Entfaltung gelangen zu lassen. Die Einwirkung-, der Sulzerstcben nnd Weintraub'schen Richtung, wie wir dieselbe in den veröffentlichten Werken beider ' Meister besitzen, mit ihren Vorzügen und Mängeln bildeten gleichsam die fachwissenschaftliche Nahrung, an welcher die Zndividualität!Abraß sich kräftigte., um. dann das eigene Unheil insoweit' zu befestigen, möglichst:selbständig aufzutreten und den Entschluss zur Reife - zu bringen, ׳ ein eigenes ׳Synagogengesangswerk zu bearbeiten uüd der Oeffentlichkeit zu übergeben. So entstand das Äbraß'sche Werk ^8imrot11 1011", welches in einem stattlichen Baüde 236 ׳' Druckseiten und 39 große Nummern umfassend, vor uns liegt. Auch Abraß beginnt sein Werk mit der Vorführung eines I*echo dodi, sancliouirt demnach die Anschauung vieler seiner Vorgänger, das AiudtL-Geber chn Freitag Abend, als nicht zur Sache gehörig, außer Acht zu taffen. Bezüglich dieses bedauerlichen, vom fachmännischen Standpunkte entschieden zu verwerfenden Vorkommnrßes äußerten wir gelegen!- lich der Besprechung des Sehir Zion unser Befremden, müssen jedoch hier bei Abraß umsomehr unsere Mißbilligung aussprechen, da Abraß, was F orm unb Charakteristik der vorliegenden Gesänge betrifft, zweifellos ein Vertreter der Tradition fern w i ll. Nicht derjenigen Tradition, welche Sie typische Melodie und die wirklich alten Gesänge vertritt, sondern derjenigen Singweise, die von den Zeitgenossen Lowy'L und: auch Dowidl Brod, Kaschtan rc. gepflegt wurde. Wir billigen diese Sangesart als eine Ueberbrückung zweier Perioden, wenngleich dieselbe auch compaß» und steuerlos aus dem breiten Strome des SynagozengesangeS einhertrieb und die Vertreter dieser Richtung keinen weitören Ehrgeiz und kein idealeres Ziel vor Auge hatten, als dem Publikum zu gefallen. AuS demselben Grunde müssen wir diese im Abraß'schen Werke niedergelegten, vom modernen Gesichtspunkte aus geradezu zu verwerfenden Gesänge vollauf billigen, indem auch d i e s e M i t t e l zum Zwecke waren, eine beinahe.abgethane Geschmacksrichtung mit der neuen Sangesweise zu verbinden. Hätte Abraß s e i n e m d am a l i g e n Publikum einen 1260110 dodi von Lewandowski geboten, er hätte mit seinen Bestrebungen so sicher Schiffbruch gelitten, wie er mit seiner, von uns, geichichtlich denkenden Fachgenoffen angestaunten und bewundeueu Gesangsmanier von einem modern herangebildcten Laienpublikum eutschieden zurückgewiesen wurde. Dieser eigenartigen, wir möchten sagen, subjectiven Gesangsmanier, welche stets das Ergebnis der einem Subjeete anhaftenden Vorzüge und Mängel bildet, muß auch zumeist der eingeengte Gesichtskreis zuzeschrieben werden, der bei den vorliegenden Gesängen allüberall fick bemerkbar macht, und Jeder, der Componist und Interpret zugleich ist oder Gesänge für sich schreiben lässt, wird vornherein darauf verzichten müssen, dass die von ihm eomponirten oder seiner Individualität auf den Leib gefchriebeüen Compositionen jemals Gemeingut aller Fachgen offen werden könnten.