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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-10-01 · Heft 26 (1.10.1890) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 26 (1.10.1890)
Date
1890-10-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Lußerst charaktervollen Menschen. Friede seiner Asche! — Und nun noch eine kurze Biographie des Verstorbenen. Heinrich Brandwekner war im Jahre 1833 in Mattersdorf in Ungarn geboren. Ende der Fünfziger Jahre widmete er sich dem Cantorberufe und war durch längere Zeit ein Schüler Sulzer's: Seine erste Stelle war Troppau vom Jahre 1860—1862. Im Jahre 1863 kam er nach Triesch und verblieb daselbst bis zum Jahre 1869. Von hier erhielt er einen ehrenvollen Rnf in die große Gemeinde Miskolz. wo er bis zum Jahre 1872 amtirte. Am 1. September 1872 kam er nach Austerlitz und wirkte in dieser Gemeinde bis kurz vor seinem Tode. Der Verblichene hinterlässt eine arme Witwe und drei erwachsene, unversorgte Töchter. 8. P. IKltlstHoivlh. In der letzten Sitzung hat der hiesige Frauen- Verein unseren Cautor und Neligionslehrer, Herrn M. A. Landau, einstimmig zum Director dieses Vereines gewählt. Herr Landau dankte gerührt für die ihm erwiesene Ehre und sagte unter Anderem, dass es ihm zur höchsten Satissaetion gereiche, zu sehen, dass dem Cantorenstände langsam die ihm gebührende Annerkennung gezollt würde. Herr Landau wurde zu Ende seiner Ansprache lebhaft applaudirt. Zlngarisch-Wrod. Der Herr Statthalter Ritter von Löbl inspicirte vorige Woche die Localitäien der israelitischen Volksschule und nahm ferner den Tempel in Augenschein. Iainnih. Am Neujahrsfeste entstand während des Gottesdienstes auf der dichtbesetzten Franengalerie ein panischer Schrecken dadurch, dass eine alle Frau plötzlich ohnmächtig wurde und ihre Nachbarin nach Wasser ries. Da man in den übrigen Räumen einen Feneransbrnch vermntbete, wurde der Tumult noch größer. Nachdem man aber von der Ursache Kenntnis erhielt, wurde die ohnmächtige Frau in's Freie gebracht, wo sie sich bald erholte, worauf die Andacht wieder fortgesetzt wurde. ^eplih. Die hiesige Gemeinde befand sich vor 5 Monaten in einer fast peinlichen Lage. Obercautor Lazarus folgte nämlich einem Rufe der Gemeinde Hannover, um die Stelle des verstorbenen Ober» cantor Berggrün, der nebenbei gesagt seinerzeit ebenfalls von Teplitz nach Hannover berufen wurde, zu übernehmen. Wer die kunstsinnigen Verhältniße unserer Stadt kennt, der wird zugeben, dass sich die verantwortlichen Vorstandsmitglieder mit Rücksicht auf die bevorstehenden Feiertage in einer nicht geringen Verlegenheit befanden. In dieser Situation hielt Obercautor Jakob Großkopf aus Essegg einen Probevortrag, der seine Acceptation zur Folge hatte. Einstimmig ist das Lob, das dem Genannten nun nach Ablauf der hohen Feiertage gespendet wird. Vor Allem besitzt er die lobenswerthe Eigenschaft, sich den Wünschen und Gewohnheiten der Zuhörer anzuschmiegen. Manche Cantoren. die aus weit entfernten Ländern in eine neue Stellung eintreten, begehen oft den Fehler, dass sie die neue Gemeinde an jene Melodien gewöhnen wollen, die in ihrem früheren Domicile bekannt waren, und dies hat oftmals zur Folge, dass ein Theil der Zuhörer, an alte Gesänge gewöhnt, gegen den neuen Cantor eingenommen wird. Herr Großkopf hat nun bewiesen, dass er in diesen Fehler nicht verfallen will. Er hat fast über jede Melodie Erkundigungen eingezogen, mit Fach- und Sachkenntnis jene Roscli Haschanah- und Jomkipur- Gesänge beibehalten, welche seit alten Zeiten hier beliebt sind, und in wenigen Tagen eine ganze Reihe von neuen Gesängen einstudirt, die so klug gewählt waren, als ob er schon viele Jahre die Wünsche der Gemeinde stndirt hätte. Obercautor Großkcpf besitzt eine kräftige Baßbaritoustimnie, welche insbesondere in der Mtttellage eine seltene Reinheit anfweist. Sein Vortrag ist glatt, natürlich und wirkt erhebend auf das Gemüth der Zuhörer. Beim Verlassen des BetpulteS am Schlüsse von Mussaph-Jomkipur wurde Großkopf so allseitig mit .Jejaschei'-Kochacho ausgezeichnet, dass nur noch ter Wunsch hinzuzu« fügen war, dass ihm dieselbe Anerkennung noch recht viele Jahre von unserer Gemeinde zu Theil werden möge. Rk. Groppan, 20. September 1890. Unsere Cultusgemeinde hat einen schweren, ja fast unersetzlichen Verlust erlitten, den Verlust eines -Mannes, der nicht allein die allgemeine Hochachtung und Verehrung der hiesigen Gemeinde, sondern der ganzen Bevölkerung Troppan's .genoss. Herr Gemeinderath Samuel N o e ist nach kurzem Krankenlager am Donnerstag den 18. d. M. im 58. Lebensjahre gestorben! Der ׳Verblichene war lange Jahre als Vorsteher der hiesigen Cultusgemeinde thätig, in welcher Eigenschast er sich anerkennenswerthe Verdienste erwarb. Fast zwei Decennien wirkte er als sehr verdienstvolles Mitglied des StadtratheS, und besonders zu bemerken ist, wie die hiesigen Zeitungen hervorheben, dass er selbst von den Antisemiten stets in ׳!den Gemeinderath gewählt wurde. Samuel Noe war auch einige Jahre in den schlesischen Landesschulrath als Vertreter der jüdischen Religion«- Genossenschaft gewählt worden, und auch in diesem Ehrenamte Hai;ד seine Stellung voll und ganz erfüllt! Das am Freitag Nachmittags 472 Uhr unter außerordentlich zahlreicher Betheiligung stattgehabte Leichenbegängnis legte beredtes Zeugnis ab von der hohen Achtung und Verehrung, deren sich der Verblichene in allen Kreisen der Bevölkerung erfreute. Voran schritten die Kinder der israelitischen Volksschule, von ihren Lehrern begleitet, die Cantoren mit dem gesammten Chorpersonale; dem Leichenwagen folgten der CultuSvorstan) in eorpors, der Rabbiner, der Herr Landespräsident Dr. Ritter v. Jäger, Herr Hofrath Ritter v. Stell wag, Herr H o f r a t h Ritter v. Führer, s ä m m t l i ch z Herren Regierungsräthe, der Prinz Hohenlohe, der Herr Bezirks- Hauptmann LieLischer, der Herr Bürgermeister mit dem Gemeinderathe und den Gemeinde-Beamten, der Bürgerverein, der Leseverein u. s. w., wie denn in dem imposanten Trauerzuge überhaupt Alles von Rang und Ansehen vertreten war. Auf dem Friedhofe angelangt, trug Herr Obercautor Siugermann unter Assistenz des Tempelchores die üblichen Gebete vor, worauf Herr Rabbiner Blüh einen Nachruf am offenen Grabe hielt, in welchem er der vielseitigen öffentlichen Thätigkeit deS Verblichenen gedachte und die hervorragenden Eigenschaften des Herzens und Geistes rühmte. Herr Obercautor Singermann sang nun unter Mitwirkung des Chores das Sehiwisi, womit dieser traurige Act schloss.,ת׳נ׳צ׳ב׳ד m. s. . g. Krakau. Wie aus gut informirten Kreisen berichtet wird, 'ft Baron Hirsch nicht mehr gesonnen, bei dem geringen Entgegenkommen der Regierung seine Stiftung in dem bisher geplanten Sinne csts juristische Persönlichkeit bestehen zu lassen, sondern ist entschlossen, die 12.000.000 Francs in der englischen Bank anzulegen und die Zinsen davon der Wiener ,Alliance Jsraelite* zur Erreichung derselben Zwecke zuzuwenden. Aewesvar. 28. September. Bischof Deffemffy sagte heute beim Empfange einer jüdischen Gratulations-Deputation: »Der Begründer der katholischen Kirche hat unsere Religion auf den Grundsatz »Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich felbft 1 * gebaut. Ich habe, als ich bisher kam, den Frieden mit mir gebracht, den Frieden mit allen Confessionen, in dessen Pstege mich keinerlei Rücksicht auf Race, Nationalität und Confeffion irre machen kann. Wenn Sie in Verfechtung irgend einer gerechten Sache eine» Fürsprecher brauchen, werde ich — daS verspreche ich Ihnen — dabei nicht fehlen. Karis. Der Kriegsminister hat für die jüdischen Soldaten anlässlich der hohen Feiertage einen Urlaub vom 14. bis 17. und vom 23. bis 25. September angeordnet. Sofia. Die Organisation des jüdischen Cultus wurde, wie der ,Magdeb. Wochschr." belichtet wird, durch die Volksversammlung jgut geheißen und von dem Prinzregenten genehmigt. Nach dem Statut, welches der derzeitige Oberrabbiner Dankowitz — zuletzt Rabbiner in Strakonitz (Böhmen) — ausgearb.'tet hat, ist der Oberrabbiner, dessen Sitz in Sofia, der Vermittler zwischen Staat und Gemeinde; er ist der Chef der bulgarischen Gemeinden und ihrer Anstalten. Der Staat bezahlt dem Rabbiner das Per.onal fein , Kanzlei, die aus zwei Sekretären und einem Diener besteht. Der G.oßrabbiner muß bulgarischer Unterthan sein, die bulgarische Sprache oder wenigstens zwei slavische Sprachen beherrschen und darf Las 45. Jahr nicht übers schritten haben; es werden drei Consistorien, in Sophia, Philippopel und Nnftschuk gebildet, die beiden letzten und ihre Rabbiner sind von dem Ooerrabiner abhängig. — Inzwischen ist aber zwischen dem Oberrabbiner D. und dem Vorstand ein Conflikt (wegen einer Proselytin) ausgebrochen, der ersteren veranlasst haben soll, sein Amt niederzulegsn. Publiraironen des östrrr.-ung. SanLoren-Nereines. Dercinslikiträge. A. Grnschka, M.-Kroman 1 fl. 50; M. Peterselka, Wie» 3 fl.; A. Grünhut, Klosterneuburg 1 fl. 50; S. Pollak, Vlassim 3 fl.; A. Lederer, Bodenbach 3 fl.; I. Blau, Effez L fl.; H. Bermann, B -Leipa 1 fl. 50; S. Rosenberger, Komotau 1 fl. 50; I. Feldbaner, Semlin 3 fl.; Zl. Löwy, B.-Neustadtl 1 fl. 50; S. BeinkeleS, Blattna 1 fl. 50. W. Atoll, Cassier, II. Tempelgaffe 3.

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