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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-09-11 · Heft 24 (11.9.1890) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 24 (11.9.1890)
Date
1890-09-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Cantoren ־ Zeiinn Priinumeraiious^ 3 reis. Kür ganlortn und Kuttnsveamte in Hejlerreich-Hlngarn Ganzjährig ... - fl. 4.- Halbjährig .... fl. 2.- Kür Kantoren und KuttusSeamte im Anstand Ganzjährig. 8 Mark oder 4 Rubel. Kür private und AnMnte Ganzjährig. Central-Oxgan für die IntereAn der Üjanti und MLnsdeamten. E r s ch eint jeden zehnten lag. B e g r «ni)er: Obercantor Jacob Bauer. Hkednctio» JltUinuirtriitioit Wien II. Novaragcrsse Nr. 27. I n f e x a 11 werde» billigst berechnet. Mcmuscripte werden nicht retournirt. Abonnements- und Anfertionsbetrag« stnd in Wien jaykbar. Nr. 24. Wien, 11. September 1890. 1Ü. Jahrgang. Rosch Hafchanah. hörst Du der Weltposaune Schall? Siehst Du im Geist vom Fimmel Engel niederschweben? Vernimmst Du jener mächt'gen Stimme hall, Die Deine Seel' erfüllt mit Angst und Beben? heut hält der höchste Richter Rath, Zu richten und zu sühnen Deine That, Und ausgerollt wird der Erinn'rung Buch. Trifft Dich der Segen Deines Schöpfers, ist's sein Fluch, Verzeichnet wird's, es fällt des Schicksals Wage, Besiegelt aber wird's am Sühnentage! £), Herr der Welt! Wie viele sollen sterben? Wie viele sollen neu erstehen? Wer soll durch Wasser oder Feuersmacht verderben, Wer soll durch Seuche oder Feiudesschwert zum Tode gehen? Wer soll im Greisenalter heimwärts ziehen, Wer in der Jugend Lenz das Leben fliehen? Der Du die Menschen hast geschaffen, Vater mein, Rennst ihren Sinn, kennst ihre Triebe, £), richte nicht zu streng, mit Deiner Güte Schein Durchstrahle Deine Welt, o Gott voll Liebe! Des Menschen Ursprung liegt im Staub der Erden, , Er gleicht dem trock'nen Grase, den zerbroch'nen Scherben, Wie eine Blume welket er, Verflieget wie der Staub Und wie die Wolke schwindet er Und bricht wie trock'nes Laub, Verwehend wie ein hauch, und wie die Schatten fliehen, Fleucht er, dem Trauine gleich, dahin. hörst Du der Weltposaune Schall? Siehst Du nn Geist vom Himmel Engel niederschweben? Vernimmst Du jener mächt'gen Stimme hall, Die . Deine, Seel' erfüllt mit Angst und Beben? — ״Es ist der höchste Richter, der Dich richtet, Der Ewiglebende,' Israel, Dein Gott, Der Dich entstehen ließ — und — der vernichtet! Sclimali jisroel adonaj elohenn adonaj echod!“ Der Religionsunterricht in der Wiener Cnttnsgemeinde. In Nachfolgendem veröffentlichen wir das bereits in voriger Nummer signalisirte Referat der Schulfection im Wiener Cultus- Vorstände betreffs des Lehrplanes für den Religionsunterricht und überlassen es. unseren geschätzten Mitarbeitern, diesen wichtigen Gegenstand einer fachwissenschaftlichen Erörterung zuzuführen. Das Referat lautet: ,Seit Erlass der Schulgesetze 1868 wurde in der Gemeinde und im Vorstände für die Abschaffung des Hebräischen agitirt. Jedem diesfälligen Anträge jedoch widersctzte sich die II. Section des Vorstandes, an deren Spitze Dr. Maximilian Engel als Obmann stand. Nach dessen im October 1876 erfolgten Ableben ward im Plenum durch Herrn Max Theodor Schiff die vollständige Abschaffung des Hebräischen beantragt. Allein die hierob befragten Sachverständigen erklärten in zwei^Enquoten (7. Juli 1876, 18. Juni 1877) einstimmig, dass das Hebräische als integrirender Beftandtheil des jüdischen Neligions- Unterrich:es beibehalten werden solle. Am 8. April 1878 stellte Dr. Leopold Kompert den Vermittlungsantrag, dass das Hebräische in der Volks- und Bürgerschule beibehalteu, in der Mittelschule hingegen abgefchafft werden möge. Einer neuerlich einberufenen Enquete wurde dargelegt, dass der Vorstand an Stelle des ungenügenden hebräischen Unterrichtes der Mittelschulen für eine sorgfältigere Pflege des Hebräischen iw neu zu errichtenden ״Sprach und Bibelschuten* sorgen wolle. Im Hinblick auf diese Darlegung stimmte die Enguote der Abschaffung des Hebräischen aus den Mittelschulen zu. Am 10. Juni 1878 petitionirten 140 jüdische Familienväter bei der Staathalterei um gänzliche Abschaffung des Hebräschen. Im Juli 1878 trug der- Cultusvorstand diesem Anfinnen Rechnung, indem die Bibel im Urtexte aus dem Lehrplane ge» strichen, das Hebräische aus den Mittelschulen eliminirt und. in den Volks- und Bürgerschulen wesentlich beschränkt wurde. ■

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