Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 21 (1.8.1890)
- Date
- 1890-08-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Akllg. (Hebräisch-Unterricht an Miitelschulen) Wie wir vernehmen, hat der Wiener israelitische Culiusvorstand sich in der letzten Zeit vielfach mit den Frästen des Religkonsschul-NnterrichteS beschäftigt und eine ׳Revision des Unterrichts-Progämmes. beschlossen. Dieselbe bezweckt zunächst den Hebräisch-Unterricht, welcher seit zwölf Jahren 'nur in den Elementarschulen und den ersten zwei Classen der Mittelschulen ertheilt wurde, allmählich steigend auf die sämmtlichen Mittelschulclassen auszudehnen und den Pentateuch . in ,der Ursprache als Lehrgegenstand wieder einzuführen. Dabei soll der Lehrplan jede lieberlastung der Schuljugend sorgsam vermeiden. Mit diesem Beschlüsse hat der Vorstand den Wünschen einer überwiegenden Mehrheit der Gemeindeangehörigen Rechnung getragen, welche auf eine bessere Schulung ihrer Kinder in der gemeinsamen Gebet- und Bibelsprache Wert legen und hierin ein stets bewährtes Mittel sinden, dem Gefühle -confessionrller Zusammengehörigkeit Halt zu leihen. ׳ Aoznau. Am 18. Juli verschied der hier zur Cur weilende Rabbiner aus Kalus in Galizien, der trotz seiner Jugend oh seiner Gelehrsamkeit und Frömmigkeit einen bedeutenden Ruf genoss. Bebnfs TranSferirnng der Leiche in die' Heimat wurde von mehreren hier anw-.fendrn Nabbinen eine Collekte veranstaltet, die mehr als 400 st. ergab. Die Gemeinde Kalus, telegraphisch verständigt, sandte zu gleichem Zwecke 300 fl. Das Leichenbegäsignis fand. unter großer. Betheiliguug Sonntag den 80. statt. Neber Ersuchen, des Comites exeeutirte der hier anwesende Cantor der Schiffssynagoge' in Wien, Herr I. Wittmann, die üblichen Tranergesänge. K/seg. Der Oberrabbiner von Syrmien, Herr David Lowy, rvird sein vierzigjähriges Jubiläum als Seclsorger am 2. .August in Bukovar ieiern. Kasse. Der ,Magdeb. israel. Wochenschrift' wird unterm 12. Juli Folgendes berichtet: Heute Mittag fand in der Anla der hiesigen Universität die feierliche Nebergabe des Nectorats vom bisherigen Professor Hiller auf den nengewäblten Professor Bernstein in üblicher Weise statt. Der neue Rector hielt seine Antrittsrede über .Fortschritte auf dem physiologischen Gebiete.' Die theologische Facultät war vollzählig erschienen. Nachmittag schloß .sich im Hotel ,Stadt Hamburg' das Festessen der Professoren und Docenten an. Die Die Studenten hatten Abends im ,neuen Theater' großen Commers.— Die ultra montanen Zeitungen können sich über diese Wahl noch immer nicht beruhigen. So wird der ,Deutsch, evangel. Zeit.' von hier .geschrieben: ,Eine rechtliche Anfechtung der Wahl ist zwar unmöglich; denn nachdem Dr. Bernstein einmal in rechtlich feststehender Ausnahme von unserem Statut alle Rechte eines ordentlichen Professors durch königliche Ernennung erlangt hatte, hatte er natürlich die Wählbarkeit zum Nectorat. Uebrigens ist der Gewählte für seine Person ein ansspruchsloser Gelehrter, der vor; f-iuem Judenthum keinen Profeß macht und der seine Kinder christlich hat taufen lassen. Immerhin bleibt es aber durchaus verhängnisvoll, dass sich unter den Hallenser -Professoren eine Majorität findet, ' die einen, wenn auch ehrenhaften Israeliten zum Rector wählt, und dass die Staatsregierung den Gewählten bestätigt. Der evangelische Charakter der Universität hätte , beides verbieten sollen.' — (Nun, sie bewegt sich doch! — trotz des Gezeters der antisemitisch Gesinnten). H^aris. (Ein Wettstreitzwischen Mly.'rbeer und Rothschild)!Im Jahre 1861 stürzte in Paris ein deutscher Tenorist von dem .Dache eines Omnibus auf das Straßenpflaster und trug nicht unbedeutende Verletzungen davon. Er gerüth durch seine Krankheit in Schulden und wandte sich, als er hergestellt war. um Hilfe an seinen berühmten Landsmann Aieyerbeer. Der geniale Componist der ,Hugenotten' war zu helfen sogleich bereit. Er setzte sich an den Schreibtisch und schrieb an Rothschild folgenden Brief: ,Herr Baron! Erlauben Sie güligst, Herrn M., einen talentvollen deutschen Sänger, Ihrer hohen und mächtigen Protection zu empfehlen. Er beabsichtigt ein Concert zu geben, und Ihre weltbekannte Güte wird ihn in diesem Unternehmen gewiss unterstützen; es ist dies ja das schönste Vorrecht der Neichen. Meyerbeer'. — Der Sänger begab sich mit diesem Briefe zu dem Börsenfürsten, der gerade beim Frühstück saß und Jenen vor Allem bat, an demselben tkeilzunehmen. Daun las er den Brief des ׳berühmten Couiponisten, nickte und überreichte Herrn M. ein Fünfhundert Fraucsbillet als Beitrag zu den Kosten, wie er sag!-,׳. Dann schrieb cr an Meyerbeer: ,Ich bin nur ein irdischer Brro.׳ Sie ein Fürst der Harmonie. Ich bin Besitzer von mehreren Millionen, aber Sie sind doch reicher als ich, wie ich Ihnen beweisen werde. Lassen Sie ankündigen, dass Sie im Concerte ihres Schützlings diriziren 7und selbst eine neue Conrposition spielen würden. DaS Unternehmen Ihres Schützlings wird alsdann mindestens 10.000 Frs. einbringen —* 9500 Franken mehr, als ich gegeben habe. Sie sind also achtzehnmal und noch etwas darüber reicher als ich. Rothschild.' — .O diese Finanzmänner!' rief Meyerbeer ans, als er gelesen hatte. ,Nun. wir wollen sehLii, ob Herr von Rothschild Recht behält.' — Wenige Tage darauf fand das Concert statt. Meyerbeer Lirigirte das Orchester, und der Tenorist sang Arien und Duette aus Meyerbeer'S Opern. Die Einnahmen betrugen 9000 Franken. — ,Lieber Baron", sagte Meyerbeer am Schlüsse deS Concertes zu Rothschild, ,.Sie hatten sich doch etwas getäuscht; die Einnahme betrug 1000 Franken weniger, als Sie meinten." — Rothschild nahm sofort ans seiner Brieftasche ein Tausend Francsbillet und gab es den Componistrn, , Sie irren", setzte er hinzu, ,ich hatte meinen Platz zu bezahlen vergessen." London. Eine lebhafte Bewegung ist unter den Londoner Inden im Gange. Eine Anzahl tonangebender Inden, darunter der interimistische Oberrabbiuer, Doctor Adler, Sir Julian Goldsmid, Sir John Simon, sowie die Herren Mocatta u!1ö Montefiore haben sich zu einem Ausschüsse verbunden zu dem Be Hufe, Cardinal Manning im Namen der Juden Großbritanniens eine prächtig ausgejchmnckte Glückwunschadresse anlässlich seines silbernen Bi'chofS-JnbilänmS zu überreichen. Diese Adresse ist theilweije ein Ausdruck d.r Dankbarkeit für die beredtsamerFürsprache des Cardinals zu Gunsten dec verfolgten Inden in Russland. Geburtsscheine eventuell Altersnuchweisungerr zn Schuteinschreibungen. Nachdem die Anforderungen um Anfertigung von Geburtsscheinen eventuell Altersnachweisnngen für schulpflichkig gewordene Kinder dehnfs Einschreibung in die Schulen vor Beginn des Schuljahr.s von Jahr zu Jahr derart zahlreich find, dass das Matrikenamt der hiesigen israelir. Cultusgemeiude denselben nicht sofort Nachkommen kann, werde» die P. T. Eltern 2*. in ihrem eigenen Interesse erinnert, schon j tzt solche Documente zu bestellen und auch in Empfang zu nehmen. Vom 15. August ab würde wenigstens 48 Stunden Zeit zur Ausfertigung der erwähnten Documente gelassen werden müssen. In Anbetracht der h-.uer statlfindenden Volkszählung wird die Beachtung di ser Kundmachung angelegentlichst empfohlen. - Die Seelsorge der israelitischen CultuSgemeinde Dr. Jellinek. An die Mitglieder des österr.-ungar. Lantoren-Vereines! Die für den 11. und 12. August einberyfene General-Versammtnng beginnt Montag den 11. um 9 Uhr Vormittags im Vereinslocal׳׳, I. Seitenstellengasse Nr. 4, IIL Slock. .._-■_Der Vorstand. VereinslieitrAge. S. Salomon, Wien 3 fl.; M. Nosensetd, Pifik % ff. 50; G. Noseufeld. Ungereiden 1 ft. 50; L. Friedländer, Silos BolhaS 1 st. 50; L. Tötz, Puklitz 4 fl.; M. Kraus, Prag 3 st.; S. Gruschka, Kroman I st. 50; D. L. Rotter, Wien 3 st.; M. Blatt, Wien 1 st. 50; S. Dünmann, Wien 4 st. 50; H. Löwy. Neunkirchen 2 fl.; B. Weiß. Brandeis 3 fl.; S. Nenmann, Hollabrunn 1 fl. 50;, H. Leinberger, Kuttenplan 3 fl.; L. Stern, Wien 2 st.; Th. Fleck, Wien 3 st.; M. Rvsenfeld, Güssing 3 fl.; D. Beutler, Auscha 3 fl.; M. Papo, Wien 4 fl.; M. Schlesinger, Wien 3 fl.; S. Hirsch, Wien 2 fl.; A. Rotter, Wien 1 ft 50. Da ich mit morgigem Tage einen vierwöchentlichen Urlaub antrete, ersuche ich die geehrten Mitglieder während dieser Z it die Einsendung der Beiträge an meine Adresse zu unterlassen. Wien, am 28. Juli 1890. M. Wlalt, Cassier. II. Tempelgasse 3. Wir freuen uns hirmit eonstatiren %n können, dass unser Appell wegen pünktlicherer Einzahlung der NbonnemenLsbeLräge nicht ohne Erfolg geblieben ist» und ersuchen nur noch dir wenigen Zurückgebliebenen am 1. August bestimmt ihre Pflicht zu erfüllen. Nächste Nummer erscheint am 15. August. Me Krdartion.