Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-07-15 · Heft 20 (15.7.1890) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 20 (15.7.1890)
Date
1890-07-15
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/1304829-3453172-3453192--2909-3457208
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Aroppait, am 7. Juli. Bei der gestern bier stattgesundenen I -feierlichen Enthüllung des herrlichen Denkmals Kaiser Josef II. wurde der hies. Cultüs-Vorstand, welcher zu dieser Feierlichkeit eingeladen war, durch den Präses, Herrn Dr. zur. Sonnenschein vertreten. Seitens des Vorstandes wurde auch ein herrlicher Kranz mit der Inschrift: .Dem Schätzer der Menschen' am Denkmale niedergelegt. Es sei noch -bemerkt, dass bei der Enthüllung vom dies. Männergesangs-Verein ein Chor ,Weihelied' gesungen wurde, welcher von unserem Glaubensgenossen Herrn Fried hierzu componirt wurde. — In der letzten Sitzung des hies. Cultusvorstandes wurde beschlossen, am Hochzeitstage der Erzherzogin Valerie 50 fl. an unter- -stntzungsbcdnrftige jüdische Arme zu vertheileu. WlNSk, .12. Juni. Vor einigen Tagen hatte sich hier eine Kunstreiter-Gesellschaft aufgehalten. Ungefähr nach ihrem Weggänge stellte sich bei der hiesigen jüdischen Gemeinde-Vertretung ein junges Mädchen ein und erzählte, sie sei im Alter von vier Jahren auf einem Spaziergänge zum Flusse von frechen Leuten geraubt und hinter Schloss und Riegel gebracht worden, wo sie mit äußerst dürftiger Nahrung ikr ׳Leben fristen musste. Nach einigen Jahren harter Arbeit wurde sie von ihren Peinigern an eine herumzieheude Gesellschaft verkauft, bei welcher sie unter schmerzhaften Qualen deren ,Kunst' lernen und uusüben musste. Von jedem Verkehr mit Fremden hielt man sie geflisseutlich fern, endlich gelang eS ihr zu entkommen, und sie hielt sich zwei Tage lang versteckt, ohne auch nur die geringste Nahrung zu sich zu nehmen. Als sie voraussetzen konnte, dass ihre ,Besitzer' abgereisi sein würden, wagte sie sich aus ihrem Versteck hervor und suchte ihre Glaubensgenossen auf. Schon zur Zeit des Raubes sei sie vaterlos gewesen, kenne auch den Namen der Mutter nicht; ste wisse nur, dass sie eine Schwester Namens Feige gehabt. Bereitwilligst erguickte man sie mit Speise und Trank, konnte sie aber nicht der Mutter znführen, da man ihren Namen nicht kannte. Vielleicht trägt diese Veröffentlichung zu Eruirung der Familie des Mädchens bei. IZudapest. Der Prediger Dr. Kayserlittg wurde zum Mitglieds der fpauischeu Akademie der Wissenschaften ernannt. Maris. In Bezug auf den jüngst aufgetanchten Plan, den Sonntag als Weltfeiertag einzuführen, ist eine Aeusiernng Jules Simons von großem Interesse. In einem Schreiben an den ,.Temps" gibt er zu, dass der Gedanke eines solchen Weltfeiertages etwas sehr Bestechendes habe; trotzdem müsse er seinen Bedenken dagegen Ausdruck geben, schon mit Rücksicht auf die Inden. Die Inden dazu zwingen wollen, den Samstag zu Gunsten d.s Sonntag anfzugeben. hieße soviel, als sie dazu verhalten, zur Messe zu gehen. Jerusalem. In Palästina befindet sich noch ein kleines Völklein der alten Samariter, die treu ihre alten Gebräuche bewahren. Der Hauptsitz derselben war einst die am Fnße des Berges Grizim gelegene Stadt ,Sichern". Alexander der Große zerstörte viele Städte in Samarien, schonte jedoch Sichern und gewährte den Einwohnern dieselben Rechte, welche die Juden genossen. — Einige Zeit vor der Zerstörung Jerusalems durch Tiins erregten die Samariter den Unwillen des Kaisers Vespasianns. Letz'erer ließ Sichern zerstören und mehr als tausend Einwohner niedermetzeln. Die Flüchtlinge errichteten eine neue Stadt mit Namen Naplus oder NeapoliS, öjtlich von Sichern. Zur Zeit der Kreuzzüge wurde von den Tempelverren in Neapolis eine christliche Kirche gebaut, die man jedoch bald in eine Moschee umwandelte. Die jetzige Einwohnerzahl von N!apolis beträgt etwa vierhundert Personen, und ist dies entschieden --ine der ältesten Sekten, die seit mehr alS zweilanseudfünfhnndert Jahren ihren Cnltns am selben Orte fortsetzt. — An Festtagen gehen die Sanrartter auf den Berg Grizim, um dort ihre Gebete zu verrichten. An gewöhnlichen Tagen verrichten sie selbige in ihrer im Nordosten der Stadt gelegenen Synagoge-. Links vom Eingang in di-selbe ist eine kleine Kammer. in der sich eine Abschrift des samaritischen Gesetzbuches befindet, welches von den Gläubigen sehr verehrt wird. Nur einmal im Jahre, am großen Tage der Versöhnnng, wird die Origiualgesetzroll: vor den Augen der Gläubigen enthüllt. Jedem Europäer wird es s.hr schwer, dieses kostbare Document zu besichtigen, jedoch mit G-.dnld und einem guten Triukgelde kann man auch hiezu gelangen. Dieses G i tzbucb ist entschieden eines der interessantesten Mannikripte der Welt. Es rlt in althebräischer Sprache verfasst. Die Samariter haben viele jüdische Gebräuche, die sie mit großer Strenge luobachten. Der Gottesdi nil wird von ihren Priestern gehalten, welche von Aaron abltammm soll-׳!!. Diese beherrschen die Samariter sowohl in socialer wie in potirrswer und religiöser Hinsicht. Ihr Hauptsest feiern sie Oitern, an welchem regelmäßig das Schlachten des Osterlammes staitfindet, eine Gewöhnheit, welche die Juden nach der Zerstörung Jerusalems fallen ließen. Jeder Zug der Geschichte und der Gewohnheiten dieses kleinen Völkleins ist hochinteressant, und wenn man bedenkt, wie die Zahl der Samariter in den letzten Jahrhunderten;zsammengeschcnmpfc ist. und waS für Kämpfe um ihre Existenz sie unter türkischer Herrschaft zu bestehen hatten und haben, ohne von europäischen Mächten unrerstützt zu sein, so ist zu befürchten, dass sie bald anfhören. als religiöse Sekte zu bestehen. Stesseuverandernngen. Cantor Nähnadel von Lachan nach Pardubitz (Antritt l. September); Cantor Friedrich von Wien (Fugbach- Schul') nach Delovar; Cantor Gutmann von Andrychan nach Prag (Pinkas-Lynagoge); Cantor Me׳.so» von Kis Cell nach Losonz; Cantor Allenberg nach Liesing bei Wien. Eingesrndet Geschätzte N e d a c t i o 11! Herc Samuel Streicher harte freundlichst meine Anfrage, den Essig של'פ betreffend, in der vorletzten Nummer dieser geschätzten Zeitung beantwortet, wofür hierdurch bestens gedankt wird. Die Antwort ist jedoch durchaus nicht zutreffend. Weiß Herr Streicher nicht, dass in unserer Zeit der Essig anders bereitet wird, als vor Jabreu, auf welche Zeit eben der Ausipruch des 'ר׳מ׳א sich beziehen Dürfte, und auch nur dann, wenn der Essig schon gefertigt in das Gesäß gegeben wird. Jlt es dem Herrn Streicher seiner nicht bekannt, dass in den »Essigständer', beziehungsweise Essigbilduer, Spiritlls hinein» kommt? Darf man also solchen Essig, der in einem solchen Apparat gefertigt wird, von allen anderen, auf der Hand liegenden, Bedenken abzusehen, als N22 של anerkennen? S. Vrreinsbeiträge. S. Jetlinek, Mistelbach 3 st; M. Salzer, Laa 3 fl; A. Löwv, Böbm. Neustadtl 1 st 50; L. Bnlter Neuölting 7 st; S. BeinkeleS, Blatlna 1 st 50; M Löwensohn. Eibenschütz 3 fl; I. Posamentir, Hnmpoletz 5 st; A. Singer, Nenbidschow 3 fl: L. Blum, Schlau 1 st 50; S. Schischa, Mähr. Budwitz 1 st 50; S. Friedman», Bukin 1 st 50; A. Freisinger, Pilsen 3 st; L- Schrecker, Jnngbunzlau & st; I- Srransky, Wien 3 fl; I. Fried-.nanii, HoticS 1 fl 50;. HK. Mtatt, Cassier, II. Tempelgaffe 3. Correspondenz der Redaktion. I8e!» Jelunli. In so wichtiger Angelegenheit müff.n Sie Ihre Anonymität der Redaction gegenüber lüften, welche sicherlich die strengste Tiscretion wahren wird. 3- K. A yl. in M. Der letzte Ausweis hat einen Jrrthum enthalten; soll heißen st 3. Die Redaction. Zur gefälligen Beachtung! _Wir ersuchen alle diejenigen Herren Nbonnentrn, welche noch nicht den Nbonnementsbetrag! für das III. Euartal eingehend et haben, denselben umgehend fit begleichen, da wir sonst gr unserem! Bedauern gezwungen Mären» dir Zuwendung des! Blattes einfustellen und die etwaigen Kückstände ׳> auf anderem Wege eintreiben fit tasten. Es ist uns! unbegreiflich» wie man rin Blatt pranumeriren und! begehen kann und sich fo oft wegen der Bezahlung mahnen lasst. Die Kedaction.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.