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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-07-01 · Heft 19 (1.7.1890) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 19 (1.7.1890)
Date
1890-07-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Central-Organ Priinumcrations-Prcis. Kür Kantoren und Knttusöeamle in Kefierreich Ztngarn für dir Interejfen der Hntoren '׳Kebactioit »Nd Mmittikratio» Wien Ganzjährig.fl. 4.— .Halbjährig.fl. 2.— . Kür Kantoren und Knttusöeamle im Anstand und HnltnKbeMiten. II. Novaragasse Nr. 27, Inserate werden billigst berechnet. Ganzjährig . . . . . 8 Mark oder 4 Rubel. Gesetz eint jeden zehnten Tag. Manuscr'vte werden nicht retonrairt. Kür private nnd InMute Ganzjährig.fl. 6.— —— ASonnements- und Insertions- Begründer: Obercalttor Jacob Sauer. öeträge stnd in Men zaytSar. Nr. 19. Wien^ 1. Juli 189V. 1V. Jahrgang. Einladung zur Pränumeration auf die ״Oesterreich.-Ungar. Lantoren-Zeitung". Wir beehren uns die geehrten Herren Abonnenten darauf aufmerksanr zu niachen, dass mit dieser Nummer das Hl. Quartal dieses Jahrganges beginnt, und bitten um umgehende Einsendung des j)ränu7nerations-Betrages. -- Die Administration der ״Gesterr.-ungar. LanLoreir-Ze: tung". Nklirr die Enwitklung des Syilitgogkngelanges von Jofrf Singer in!Vien. III. Serie. II- O i i a 8 A bras s, genannt Pitsche, ist im Jahre. 1820 in Berdiczew als der Sohn des dortselbst seit vielen Jahren amtirenden Chaseu und Talmudlehrers geboren und zeigte schon in früherster Kindheit umfassende Anlagen für Gesang und Musik. Der sechsjährige Knabe bildete den Mittelpunkt der jüdisch-musikalischen Welt, und es gab keine Festlichkeit, bei welcher der hellklingende und sympathische Sopran des Knaben nicht erklang. Zn dieser Zeit kam der berühmte Chasen Zal lel S ch u l I ä n g e r nach Berdiczew, um in der dortigen Synagoge in Gemeinschaft mit seinen Meschorerim das Cantorar zu versehen. Die Wirksamkeit dieses trefflichen Säugers bildete nicht blos für die Berdiczewer Bewohner ein Ereignis, war es jedoch in erhöhtem Maste für das Seelenleben des jungen Abrass, der nun trotz seiner Jugend zu ahnen begann, dass es eine höhere Kunst des Gesanges gebe, als cs diejenige war, die er sein eigen nannte; das Kind versäumte keine Gelegenheit, Zallel Schulsänger zu hören, und war bald in der Lage,, die gehörten׳ ,Sachen' correkt nachzusingen, so dass Letzterer alsbald auf den Knaben aufmerksam gemacht wurde und Gelegenheit nahm, den Knaben zu hören. Das war ein bedeutungsvoller Wendepunkt in dem Leben des jungen Abrass. Schulsänger war von dem Talente des Kindes begeistert und machte den Eltern desselben den Vorschlag, den Knaben gegen eine sofortige Vorausbezahlung eines 4jährigen Salairs seiner Obhut anznvertrauen. Nun half kein Sträuben des Vaters und nicht Las Schluchzen der Mutter, als ob daK sechsjährige Kind zum zielbewussten Manne herangereift wäre, erklärte er seinen besorgten Eltern, mit diesem׳ Manne ziehen zu wollen. Dieser kindliche Entschluss ist entschieden als eine höhere Fügung zu erachten, wie wir derselben in dem Enlwicrlungsgange bedeutender Menschen zu begegnen Gelegenheit haben. Schulsänger brachte den jungen Abrass nach Odessa, allwo die | süste Stimme und die Kunstfertigkeit des kleinen Kindes solch" spontane Bewunderung erregte, dass die Synagoge allsabbatlich! gefüllt wurde von Menschen, welche aus weiter Ferne herbeiströmten, um das ,pitzele Singerl', den kleinen Sänger, zu hören. Dieses Ereignis trug dem Knaben den ihm vom Volksmunde beigelcgten Namen ,Pitsche' ein. Sämmtliche Chasonim Odessas gaben sich Mühe, des trefflichen Singerls habhast zu werden, und wirklich gelang es auch einem derselben, dem Chasen Nathans von der Stadtsynagoge, als der Knabe aus kurze Zeit seine Eltern besuchte, gegen eine Vorauszahlung von jährlich 30 Ducaten (damals eine enorme Summe) das Versügungsrecht über das begabte Kind zu erlangen. Der Knabe sang 4 Jahre lang bei Nathans und die Bezahlung wurde stets seinem Vater geleistet. In der gezeichneten Arbeitssphäre, die allerdings vom pädagogischen Gesichtspunkte als eine einseitige erachtet werden muß, verlebte das Kind trotzdem glückliche, sonnige Tage, indem seine Thätigkeit ihn in hohem Majze besriedigte und auch von den Mitmenschen vollauf anerkannt wurde. Der schwache Knabe fand auch große Befriedigung darin, dass er durch sein Einkommen in die Lage versetzt ward, die materiell ungünstige Lage seiner Eltern nach Thunlichkeit zn verbessern und denselben des Lebens Bürde zu erleichtern.! Unbesorgt um seine Zukunft erreichte der junge Abrass sein 14. Lebensjahr, da mit einem Male senkten sich tiese Schatten aus den bis nun sonnigen Lebensplan des Knaben. Zuvörderst segnete sein Vater das Zeitliche und, dem Knaben lag es nun BC Hiezu eine Beilage. "PSW

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