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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-06-21 · Heft 18 (21.6.1890) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 18 (21.6.1890)
Date
1890-06-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Prcimimrraiioiism-cis. Kür Kantoren und ßultnsöeamle in Äesterreich Ztngarn Ganzjährig .... ■ Halbjährig .... fl. 2.- Kür Kantoren und ßullusöeamte im Anstand Ganzjährig ...... 8 Mark oder 4 Rubel. Kür private und Institute Ganzjährig ...... fl- 6.- Central-Organ für die IntereKn der Hntoren mul HnlLusderlmten. Ersrheint jeder:; r h rr t e n Tag. B e g r ünfcer: Obercainor Jacob Bauer. Wedaclron Administration Wien II. Novaragasse Nr. 27. Inserate werde» billigst berechnet. Manuscripte w-rden nicht retournirt. Avonnementsnni» Inserlionsbetröge stnb in Wie» zahlbar. Nr. 18. Wien, 21. Juni 1890. 10. Jahrgang. Der Ritualgesang der Synagoge. (Fortsetzung.) Um weiteren Jrrgängen entgegen zu treten, die noch Uneingeweibten meiner Eollegen zu orienliren und die besser Unterrichteten zu nochmaliger Prüfung des Gegenstandes anzuregen, ltiib da überdies vorzugsweise m ir. der Vorwurs gemacht wurde,, im Vorwort der ״Vorbeterschule' eine detaillirre Darstellung des Zusammenhanges unserer Nitnalgesänge mit den Kirchentonarten verabsäumt zu haben, so halte ich mich verpflichtet, bei Gelegenheit dieser vermehrten und verbesserten Ausgabe der ,Vorbeterschule* meinein den Nummern JJ, 21, 25 des^sechsten Jahrgangs der Oesterreichisch-ungarischen Cantoren-Zeitung über die Grundlagen unserer alten gottesdienstlichen Intonationen und Melodien (Chasonus) bereits niedergelegten Ansichten an dieser Stelle, wo sie boffentlich stärkere Wurzeln schlagen und nachhaltigere Wirkung üben werden, als es ihrer flüchtigen Erscheinung in Zeitschristen beschicden sein kann, zu recapituliren und sie in jenes Licht zu rücken, in welchem sie mir erscheinen. Als bekannt darf Vorausgesetz t werden, dass die vom Bischof Ambrosius (340—397) vorgenommene Verbesserung des Kirchengesanges vom Pabst Gregor (540—604) fortgesetzt und vollendet wurde. Zu den mannigfachen von ihm eingeführten Reformen gehört auch die Erweiterung der Grundlagen des Kirchengesanges. Diese bestand darin, dass er zu den vier Ambrosianischen Tonreihen, welche sich auf den Tönen, D. E. F. G. aufbauten und welche nunmehr authentische Kirchentöne genannt wurden, vier Seitentöne (plagale) hinzufügte, welche ihren Ausgangspunkt von der Unterquart jener vier Töne, also von A. H. 0. D. nahmen und als plagale Tonarten von ihren authentischen und deren Grundtönen abhängig waren. In weiterer geschichtlicher Ent- Wicklung kam die Tonleiter auf El wegen der kleinen, den Alten missklingenden Quinte F nicht mehr zur Anwendung und die Tönreihen auf A und C, welche ursprünglich zu den Plagalen gehörten, erlangten die Bedeutung und die Selbstständigkeit authentischer Tonarten. Demnach bildeten folgende Tonreihen (modi) die Grundlagen des Gregorianischen Kirchengesanges. — Man gestatte, dass ich mich der dreihundert Jahre alten allgemein gebräuchlichen Romenklatur bediene: C. D. E. F. G. A. H. C. mit den beiden Halbtönen 3—4.und 7—8. Jonische Tonart D. E. F. G. A. H. C. D. ״ n ״ 2—3. 6—7. Dorische ״ E. F. G. A. H. C. D. E. ״ ״ ״ 1—2. ״ 5—6. Phrygische ״ F.G.A.H.C.D.E. F. n ״ ״ 4—5. ״ 7—8. Lydische ״ G. A. H. C. D. E. F. G. ״ ״ ״ 3—4. n 6—7. Mixolyd. ״ A. H. C. D. E. F. G. A. ״ ״ » 2—3. 5—6. Aeolische ״ . .^Atese sechs Tonarten wurden diatonische genannt, und man verstand darunter strenges Festhallen der Stammlöne unter Vermeidung jedes chromatischen Zwischentones. Aus dieser Darstellung ergibt sich, dass diese Tonreihen, obgleich sämmtlich ans den gleichen Tönen zusammengesetzt, sich gleichwohl auffallend von einander unterscheiden: durch ihre Grundtöne, durch die Lageihrer beiden Halbtöne und durch ihre charakteristischen Intervalle. Diese sind in der Jonischen Tonreihe die große Terz und große Sext des Grundtones, in der Dorischen die kleine Terz und große Sext, in der Phrygischen die kleine Sccunde und kleine Septime^ in der Lydischen die große Quart und große Septime, in der Mixolydischen die große Terz und kleine Septime, in der Aeolisckcn die kleine Terz und kleine Sext. Es leuchtet ein, dass die unterscheidenden Merkmale sich erst ergeben, nachdem der Grundton festgestellt ist, da doch nach diesem die Intervalle und ihre Lage bestimmt werden können. Demgemäß wurde auch verfahren; um zu erkennen, auf welcher dieser Tonarten eine Gregorianische Melodieformel (Trope)* basirt, wurde zunächst der Grundton festgestellt und als solcher galt hauptsächlich der Anfangs- und Finalton. Weitere Auseinandersetzungen des alten TonsystemS mit seinen Regeln, Vorschriften und Feststellung unterscheidender Kennzeichen authentischer und plagalischer Tropen würden zu weit führen und liegen auch weit ab von der hier zu lösen» den Aufgabe. Auch bin ich weit entfernt zn glauben, dass die Kunstregeln der Kirche, denen von den damaligen vorzugsweise geistlichen Componisten nahezu die Bedeutung von kirchlichen Satzungen beigemefsen wurde, auch in unserem Nitualgesange befolgt wurden» lleberdies wird es ja keinem Einsichtigen entgehen, dass derselbe -ans verschiedenen Zsitepochen, von verschiedenen an Talent sehr

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