Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 16 (1.6.1890)
- Date
- 1890-06-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Prännmcrnlions-Prcis. Kür Kantoren «nd KuttusSeamle in Hesterreich Ztngarn Ganzjährig . . . . .fl. 4.— Halbjährig . . . . . fl. 2.— Kür Kantoren und Knlinsveamle Im Anstand Ganzjährig.8 Mark oder 4 Rubel. Kür private und Institute Ganzjährig ..... fl. 6.— Central-Organ Kr die Jirtereßlen der Hntorm und ^ultnsbeNnten. Erfchrin 1 jeden; ehnLen Tag. Begründer: Obercamor Jacob Bauer. Wedacliou jjllmtniftration Wien II. Novaragasse Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripts werden nicht rekournirt. ASonnements- ««1» Inserlions- Seträg» flud 1» Men zaykvar. Nr. 16. Wien, 1. Juni 1890. 16. Jahrgang. Ein Beitrag M Klärung der Frage der traditionellen Tonarten. XX. Dass Maimonides in seinem ^dad hachasoho" auch etwas aus sich selbst sagen und aus cigenerMachtvollkommenheit anordnen konnte, erfahren wir erst, jetzt von unserm geschätzken Gegner: bisher waren wir der festen Meinung, dass dort kein Wort vorkommt, über welches,nicht die Quelle im Talmud sich vorfindet. Die Besoldung des Vorbeters war nun eine uralte und feststehende Institution im Judenthum, und wir ersehen dies aus der gesetzlichen Vorschrift der Pflichtentbindnug vom Selbstbeten durch den Cantor (מוציא jein), wodurch nämlich Jeder, der nicht selbst zu beten versteht — das war in der Zeit vor Guttenberg's Eifindung der übcrgrößte Theil des Volkes — oder auch wer keine Zeit hat, nach der Synagoge zu kommen — nämlich die vom Arbeiterstände ,עם שבשדות* (Rösch haschouo 35, 1.) — von seiner Pflicht zu beten enthoben wird, was in legaler Weise nicht stattfinden könnte, wenn derjenige, der diese Pfiichtenthebung veranlasst, nicht besoldet wäre. Dadurch eben, dass der Vorbeter Diener der Gemeinde ist, dessen Besoldung in gleichmäßiger Vertheilung auf Reich und Arm durchgeführt wird, hat Jeder in der.Gemeinde gewissermaßen Antyeil an seinem Gebete und kann sich auch darauf verlassen. (Siehe .״בית יוסף an oben bezeichneter Stelle). Wird die Sache also von diesem Standpunkte aus betrachtet, so sehen wir, dass zu damaliger Zeit das Vorbeten schon etwas mehr erforderte, als einfaches .hebräisch Lesens da es doch keine gedruckten Gebetbücher gab, aus welchen man nur herunter zu lesen brauchte, und ferner musste der Vorbeter auch darauf Bedacht nehmen, mit seinem Gebete Andere ihrer Gebetpflicht zu entledigen, weshalb dasselbe gewiss in jeder Beziehung, vollkommen und tadellos sein musste. Allein das ist unser allgemeiner Fehler, dass wir in unfern Urtheilen nicht auch die alte Zeit mit ihren verschiedenen Einrichtungen und Verhältnißen berücksichtigen, sondern Alles nur durch eine Lupe betrachten, oder wie der Talmud sich ausdrückt: .בחדא מהתא מהתינהו*. Wenn wir nun von jener Zeit auf die unsrige reflectiren und zwischen beiden einen Vergleich anstellen, so müssen wir offen gestehen, dass die Buchdruckerkunst uns. fi;r den Gottesdienst keine Vortheile gebracht hat, ja man kann sogar behauplen, dass alle Kalamität desselben von dieser Quelle allein herrührt. Früher hat und musste sich die Gemeinde während des Gottesdienstes ruhig und anständig verhalten, um ans den Chasan aufmerksam zu lauschen und kein Wort von seinem Gebete fich entschlüpfen zu kaffen, damit dieses auch für fie volle Giltigkeit gewinnen sollte; wem aber fällt es heutzutage ein, sich auf das Gebet des CantorS zu beschränken und sich von ihm .מוציא sein' zu lassen? Gerade so, wie es Niemandem jetzt einfallen würde, sich mit der ,תפלה קצרה* zu begnügen und nicht das ganze Gebetpensum von vorn nach hinten herunter zu leiern. Jeder, auch der Mindeste in Israel, der vom Gebete so viel versteht, wie das Huhn vom ״B’ne odom“, hat eine dickleibige Tephilla vor sich, ans der er mit Jedem in die Wette schreit, oder er macht alles für sich allein ab, und wenn er damit fertig ist, dann unterhält er sich mit seinem Nachbar, macht Glossen über Andere, oder äfft gar den Chasan in feinem Vortrage nach; kurz er geberdet sich ganz wie ein kleines Kind und treibt alles Mögliche — nur nicht dem Vorbeter zuhören. Um diesem Unfug zu steuern, bauen wir prachtvolle Synagogen und stellen darin kostbare Orgel auf etc., aber Alles ist vergebens, die krasse Ignoranz wird dadurch nicht aus den heiligen Räumen verbannt, sondern noch mehr genährt und großgezogen. Dieses unverbefferliche Uebel wurde auch in alter Zeit, gleich nach dem Erscheinen gedruckter Gebetbücher, bald erkannt und tief empfunden, sowie auch darüber bittere Klage erhoben wurde, wie wir cs aus einem alten Dokumente, welches Herr Briegelb, königl. bayerischer CustoS in Nürnberg, aus einem Manuseripte, betitelt ־״Lew towK? in Hilbergs ,Jllnstrirte Monatshefte' Band II. Wien 1866 mittheilt, ersehen. Es lautet wie folgt: ,Vor Zeiten find nit gewesen asso viel!Machsorim. Ehe der Druck ist aufkommen, sind nit über zwey oder drey in der ganzen Schul gewest, geschrieben auf Perment. Da hat es Niemantz gesagt denn der Chasan, als man hat gehat für Zeiten Chasonim, Roche jeschiwos feyn gewest; der hat wohl verständen, waS