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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-04-21 · Heft 12 (21.4.1890) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 12 (21.4.1890)
Date
1890-04-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7׳ ׳wirkte. Gib' ihm Allvater unaussprechliche Seligkeit für sein Dir geweihtes Streben, wie Israel Snlzer's ״Sehir Zion“ als thenres 'Erbe zum Lobe und Preise des Gottes Israels von Geschlecht zu Geschlecht ertönen lassen wird; wir aber gedenken in dieser weihevollen Stunde des großen Leviten, pietätvoll in Dankbarkeit und Liebe.* Hemberg, am 8. April. Gestern hatten auch wir unseren regelrechten Jndenkrawall. Die Synagoge und das jüdische Badhaus wurden förmlich bombardirt, die Fenster zertrümmert. ES hat auch an Schlägereien nicht gefehlt, allein bei einem energischen Borgehen, wie es sonst hier immer üblich war, hätte mancher Schaden vermieden werden können. Werliu. Es war im Jahre 1871 unmittelbar vor Beginn des Eulturkampfes, als Abgeordneter Windthorst im preußischen Abgeordnetenhanse Klage führte, dass eS in Preußen keinen katholischen Ober- Präsidenten oder General gebe. ,,Allerdings", fuhr der greise Parlameutarier fort, ,könnte man uns entgegnen: Es gibt auch keinen jüdischen Minister. Mögen dis Juden dies fordern. Wir werden ihre Ansprüche unterstützen. Anderseits ist aber nicht einznsehen, dass während die Inden blos 14, wir Katholiken 11 Millionen zählen.* Hierauf replizirte Fürst Bismark: »Ich wähle mir meine Beamten nur nach -den Fähigkeiten und nicht nach der Confession. Wenn es keine katholischen Beamten höherer Kategorie gibt, so ist der Grund leicht zu errathen. Wenn aber der Borredner durchaus die Ministerportefeuilles nach den Confessionen vertheiit wissen will, so frage ich, wo bleiben die Inden? Allerdings, sagte Herr Windthorst, dass ans eine kalbe 'Million Inden eils Millionen Katholiken kommen. Aber der Herr Vorredner wird mir doch nicht znmulhen, auch Analphabeten auf die Mittisierkandidateuliste zu stellen. Da kann doch nur die höchste geistige Befähigung in Betracht kommen. Und da muß er doch zugegeben, dass .die Juden die ersten Ansprüche darauf hätten.'' Ologan. In der bekannten Schuldebatte des Abgeordnetenhausrs hat Hosprediger Stöcker behauptet, Friedrich der Große sei unduldsam gegen die Juden gewesen und habe z. Bden Zuzug derselben nach Breslau verboten, damit diese Stadt nicht ein »Neu- Jerusalem' werde. Für die gegentheilige Behauptung möge folgender Fall dienen: Im Jahre 1758 wurde Glogau zum größten TKeil durch eine Fenersbrnnst zerstört. Die evangelische Kirche sollte wieder aufgebaur werden, und der Große König interessirte sich selbst auf's leb- Hafteste dafür, wollte sogar einen Thei! des Schloßgartens dafür hergeben. Der evangelischen Gemeinde behagte aber die jüdische Nachbarschaft nicht und sie wollte 14 Judenhäuser niedergerissen haben. Friedrich II. wies dieses wiederholte Ansinnen mit Beharrlichkeit zurück. Wir lassen hier einen dieser Bescheide, deren Originale im Archiv der Kirche anfbewahrt werden, hier folgen: »Mein lieber Obrist Lichnowsky. Ich habe mit mehreren erfahren, was Ihr in Eurem Berichte -vom 15. dieses, auf das von der dortigen Jndenschaft an Blich abgesandte Memorial, melden wollen, und gebe Euch darauf in Antwort, dass Ich nicht haben will, dass denen dortigen Juden ihre Häuser, worinnen sie seit vieler Zeit etablieret seyn, von Euch genommen und abgebrochen werden sollen; Als welches zu unternehmen Ich Euch nochmahlen hierdurch verbiete. Ich bin Euer wohl affectionirter König.' Berlin, den 26. May 1763. Aaris. Der Chorführer der französischen Antisemiten Herr Drumonr hatte in seinem letzten Buche ״Dernieve bataille“ auch den geistvollen Lnstspieltickter Dreysus verunglimpft. Dieser erklärte nun im .Gil BlaS', dass seines Wisiens Drumoüt selbst ein Jude war, dessen Vater in der Kölner Jndengasse eine kleine Brillen- Handlung ,zu den drei Monden' belaß. Drnmont's Katholizismus sei nicht älter als sein Buch ״La France juive“. Welersönrg. Der erste Tenorist an der Oper in St. Petersburg, -der schon vor den Majestäten im kaiserlichen PalaiL gesungen und bei solchen Gelegenheiten sehr wertvolle Geschenke erhalten hat. ist ein sehr religiöser Jude, Namens Silberstein. Derselbe erhält .11.000 Rubel Jahresgage. WHitadekphra. Baron Hirsch hat, wie hier verlautet, eine Stiftung gegründet, um jüdische, namentlich russisch-jüdische Einwanderer nach Amerika zu unterstützen und sie anszubilden. Das Jahreseinkommen der Stiftung beträgt 120.000 Dollars. Die erste Monatsrate׳ von 10.000 Dollars hat der Baron schon geschickt. Es ist ein Verwaltungsrath eingesetzt worden, um die Ausgaben zu überwachen. Demselben gehören hervorragende Mitglieder der jüdischen Gemeinden von New-Pork, Philadelphia und Baltimore an. London. Man hat sich oft gefragt, wieso der große britische Dichter dieses Jahrhunderts, Lord Byron, dazu gekommen, seine »hebräischen Melodien' zu schreiben. Seine Ausbildung, die er im aristokratischen College von Harrow erhielt, das den Juden hermetisch' verschlossen war,;konnte ihn wohl nicht zur Begeisterung für jüdische Gegenstände führen. Anch sind keine Beziehungen mit Inden seinerzeit bekannt, die ihm wohl das Thema zw seine» Melodien hätten liefern können. Wie sich nun den Ursprung dieses Werkes erklären? Dieses׳ kleine bibliographische Problem hat lange den Scharfsinn der Schriftsteiler in Bewegung gesetzt, welche über Byron gearbeitet haben, und keinem war es gelungen, es zu lösen. Einem englischen litterarischen Blatte ״Notes and Queries“ ist es geglückt, Aufschluss über dieses Räthsel zu geben. Es veröffentlicht eine Notiz über die Beziehungen, welche zwischen dem berühmten Dichter und dem israelitischen Componisten Jsaac Nathan Heftanden. Dieser Letztere, im Jahre 1792׳ geboren und 1840 in Sidney gestorben, war von seinen Eltern zur rabbinischen Carrier bestimmt worden. Aber sein ausgesprochener. Geschmack und seine ausgezeichnete Befähigung zur Musik gewannen' die Genehmigung seiner Familie und er überließ sich völlig seiner׳ edlen Neigung. Sein Talent als Componist zog die Aufmerksamkeit Byron's auf ihn, der bald sich in enger und lebhafter Freundschaft mit ihm verband. Der große Dichter schrieb für ihn die hebräischen Melodien und I. Nathan sollte sie in Musik setzen. Er that es, da Walter Scott erzählt, er habe sie singen hören. — Also somit ist ein kleiner Punkt in der Likteratur so ziemlich anfgeklärr. London. Die hier erscheinende ״Lall Nall Gazette“ bringt einen Bericht über ein Interview, das ein Corresponvent des Blattes mit Herrn Stöcker hatte. Nachdem der Herr Hofprediger sich dagegen verwahrt, sein Gebakren als ,Judenhetze" bezeichnet zu sehen, da er »blos gegen den seinem Lande und seinem Volke durch die Juden zugefüzten Nachtheil Protest einlege', wie er dies seiner Stellung schuldig sei', fährt er fort, die oft vorgebrachten und eben so oft widerlegten Beschuldigungen gegen unsere Glaubensgenossen zu wiederholen. Seine Schlagworte ,Jndenpresse' und »unmoralisches Gebahren im Verdienen und Ansgeben des erworbenen Reichtums', sind nichts als Wiederholnngem alter Unwahrheiten; aber die folgende Episode ist meiner Ansicht nach Zeugnis einer neuen Errungenschaft der Stocker'schen Findigkeit. Auf die Frage des Correspondenten, ob es demnach eine authentische Thatsache sei, dass die Juden die Herrscher des Volkes würden, antwortet Herr Stöcker wörtlich Folgendes:» So ist es, in der That nnd in manchen Plätzen ist eS noch schlimmer als in Berlin. Ich habe z. B. einen Freund in Schlesien, einen Gutsbesitzer. Derselbe ist ein alter Mann und möchte gern sein Testament machen. Nun ist der einzige am Orte exiftirende Richter ein Jude und die einzigen beiden Notare sind auch Inden. Ist es recht, dass in einem christlichen Staate ein Mann, der vielleicht krank und seinem Ende nahe ist, als legalen Beistand zwei Leute haben soll, deren Religion der seinen entgegengesetzt ist?' Man wird dieser er« baulichen Leistung gegenüber mit Recht fragen, wo da die Logik bleibt oder, wie wir Engländer sagen der ״common sense“, d. h. der gesunde Menschenverftaud? Haben denn die beiden jüdischen Anwälte auch nur die geringste Macht, die Ansiedlung von hundert College» zu verhindern, und wo liegt da der Beweis für die ,,Herrschaft des Judenthnms?! " — AkltMakislhes. Die im Verlag von Carl Grünittger in Stuttgart erscheinende »Neue Musik Zeitung' bringt mit Nr. 5 und 6 das I. Quartal des Jahrgangs 1890 zu einem vortrefflichen Abschluss. Mir Bedauern nehmen wir Abschied von der geistvollen Arbeit Robert Hamerlings. in welcher der Meister der Feder seine Lieblings» Tonmeister jo fein charakterisiert. Die Erinnerungen an Franz Schubert aus dem Nachlasse des Freiherrn von Spann bringen Interessantes und noch nicht Bekanntes ans dem beiderseitigen Freundschaftsverhältnis. Bemerkenswerth sind die Erzählungen Madame Gaston von Glanwell, Nur ein Tondichter von' H. Schwarz, sowie die heiteren Erinnerungen an Karl Formes von H. Gans u. a. Die Wiener Diva Marie Renard erzählt in schlichter, zu Herzen gehender Art Episoden ans ihrem Leben, während Bauer dem Componisten A. Kleffel einen biographischkritischen Artikel widmet. Von diesem letzteren Meister sind anch einige feinsinnige Compositionen beigefügr, denen sich Clavierstück- und Lieder von Nolopp, G. Holländer und Oskar Wagner an schließen.

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