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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1890-03-11 · Heft 8 (11.3.1890) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
10 (1890)
Issue
Heft 8 (11.3.1890)
Date
1890-03-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Canloren - Zeitung Pränumernlions-Preis. Kür Kantoren und Kultusbeamte in Hesterreich Ztngarn Ganzjährig.fl. 4.— Halbjährig.fl. 2.— Kür Kantoren und Kuttusveamte im Anstand Ganzjährig.S Mark oder 4 Rubel. Kür private und Institut« Ganzjährig.fl. 6.— Central-Org'an für die IntereAsen der Üjjantoren und djjttairemnteu. ErsrheinL jeden zehnten lag. Begründer: Obercamor Jacob Bauer. Hledactisu und Admimstratia» Wien II. Novaragaffe Nr. 27. Insernte werden billigst berechnet. Manuscripte w-rden nicht relournirt. Aöonnements- und Insertion» aelräge stnd in Wie» zaytSar.' Nr. 8. Wien, 11. Mär; 1890. 10. Jahrgang. ProMor Salomon Sulser.*) (Schluss.) Sulzers Verdienste beschränken sich aber nicht blos aus das Gotteshaus, auch außerhalb desselben strebte er manche zeitgemäße, ästhetische Reformen an. so bei freudigen, als auch traurigen Familienereignißen, bei Trauungen, Leichenfeierlichkeiten, Trauergottesdiensten n. dergl. Von vielen auswärtigen Gemeinden wurde er zur Einweihung von Synagogen, zur Installirung von Rabbinern und ähnlichen synagogalen Veranstaltungen berufen. So waltete Sulzer mit ungeschwächter Kraft 40 Jahre bindurch in erhabener Weise seines Amtes, da kam eine großartige und erhebende Feier, nämlich die seines vierzigjährigen Wirkens als Cantor, Componist, Lehrer und Sänger. Wenn auch vorzugsweise seine Glaubensgenossen an demselben theilnahmen, so trugen doch gleichfalls viele ferner stehende Kreise und insbesondere Künstler durch ihre Mitwirkung zur Verherrlichung des Festes bei. Die Zeitungen jener Tage — es war dies im März 1866 — brachten ausführliche Berichte über diese Feier, bei welcher zu der von Dr. Ludwig August Frankl verfassten, von einer bedeutenden Ehrengabe begleiteten Adresse der Wiener Cultusgemeinde sich Adressen und Geschenke kostbarster Art von Privaten und Gemeinden der Monarchie und des Auslandes in Hülle und Fülle gesellten; diese Ehrengaben alle gipfelten in der sinnigsten, einem silbernen Lorbeerkränze mit der Inschrift: ״Dem Künstler Sulzer von den Künstlern/' Eine große Ehrung wurde dem Meister auch von Seiten der Gesellschaft der Musikfreunde zuTheil. Die Direction ,der Gesellschaft der Musikfreunde des österreichiichen Kaiserstaates hat nämlich die aus dem Erträgniße der anlässlich der Jubelfeier Sulzers am 22. März 1866 veranstalteten Akademie angekanften Werth- Papiere (1300 fl. in 5 Vpercentigen Pfandbriefen der ungarischen Bodencredit-Anstalt) zur Aufbewahrung und Verwaltung übernommen und sich verpflichtet, die jährlich entfallenden Zinsen als ein Stipendium an einen armen, fleißigen, talentvollen Zögling des Conservatoriums, ohne Rücksicht auf das Religionsbekenntnis, zu *) Siehe Nr. 4 und 6 der »österr.-ungar. Cantoren-Ztg." Jahrg. 1890, verleihen, wobei jedoch männliche Zöglinge Vorzug vor weiblichen haben sollen. In Sulzers Geburtshaus in Hohenems wurde aus diesem ן Anlasse dessen Büste in einer Nische aufgestettt und feierlichst enthüllt, und die Gesellschaft der Musikfreunde ließ eine Gedenktafel daselbst anbringen. Von Fr. Liszt erhielt er folgende Iubiläumsgabe: ,Lorbeer-Blätter aus dem Kranze der Concerte in Wien am 11. Jänner 1874 in dankbarer Erinnerung an den begeisterten Sänger der »Allmacht*, Herrn S. Sulzer.* Sulzer stand nicht nur mit den bedeutendsten Musikern und Künstlern seiner Zeit, wie Fr. Schubert, Meynbeer, Schumann» Tbalverg, Liszt. Paganini etc. in freundschaftlichem Verkehre, er war der Liebling der ganzen Wiener Gesellschaft und erfreute sich durch seine Meisterschaft im Gesänge sogar der Gunst des allerhöchsten HofeS; kurz Alles vereinte sich, ihm zu danken für die himmlische Lust, die sein Lied bereitete. Schubmann sandte einst mit seiner Gattin Clara unserm Sulzer seine Lieder mit dem Ersuchen, .sein Kindlein aus der Taufe zu heben*; derselbe versäumte es nie, Sulzer's musikalischen Matiuees lauschend beizuwohnen. Sulzer war Besitzer des Franz Josefs- und des Medschidje» Ordens, der großen österr. goldenen, der großen sowohl als der kleinen russischen goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft etc. Er erhielt Brillantringe von Kaiser Ferdinand, von Sr. Majestät Kaiser Franz Josef I.. vom Großherzog von Bade», eine für ihn geprägte goldene Medaille ans Amerika, eine ebensolche vom Herzog Max in Baiern, das Meisterdiplom der ״Reale Academia di St. Cecilia“ zu Nom; die Reichshauptstadt Wien nahm ihn unter ihre Ehrenbürger auf. Er war auch der Gründer der ersten Liedertafel in Wien und batte 1844 bis 1847 die Professur deS Gesanges am Wiener Confervatorium inne. Ueber den Künstler hatte Sulzer aber niemals den Menschen vergessen; ec that Gutes, wo er immer konnte; sein ganzes Leben war ein Lied, so herrlich wie die, welche er gesungen. Wir haben uns bisher mehr mit der Persönlichkeit Sulzer'S als mit der Würdigung seines Wirkens und Schaffens beschäftigt, und dies nicht mit Unrecht. Seine Bedeutung als Schöpfer und Organisator des jüdischen Synagogenzefanges, als Nestor und WL

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