Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 10 (1890)
- Issue
- Heft 4 (1.2.1890)
- Date
- 1890-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/1304829-3453172-3453176--2757-3457040- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Oesterreichisch-ungarische en - Zeitung Pränumerations-Preis. Kür Kantoren und ßuttusvearnte in Keflerreich-Ztngarn Ganzjährig . . . . .fl. 4.— Halbjährig . . . . .fl. 2.— Kür Kantoren und ßnttüsoeamte im Anstand Ganzjährig . . . . . 8 Mark oder 4 Rubel. Kür private und Institute Ganzjährig.fl. 6.— Central-Org־an für die Intereßen der Hmtoren und Mtusbeumten. E r s ch r i n t j e d e n r r h n L e n T a g. B e g runder: Obercantor I's.vvl) Pedaction AdmiuikraLion Wien II. Novaragasse Nr. 27 Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht - retournirt. ASonnements- und Insertionsöeträge stnd in Wien zahkSar. Nr. 4. Wien, 1. Februar 189V. ' 10. Jahrgang. Professor Solomon Suster. (Nachdruck nur mit Bewilligung der Redaction gestattet.) Aus dem Nachlasse unseres verewigten Altmeisters wurde uns eine ausführliche Biographie über dessen Leben und Wirken zur Verfügung gestellt, die wir im Nachsolgendeu wiedergebeu: Salomon Sulz er wurde geboren zu Hohenems in Vorarlberg am 30. März 1804. Er stammt aus einer alten Judenfamilie, welche zu Sulz im Württembergischen a11jäj|tg war. Nach Vertreibung der Juden aus dieser Stadt wanderte sehr Urgroßvater I o s e l Levy nach Hohenems, wo die Familie zum Andenken an den Ort, auS welchem sie sich geflüchtet hatte, im Jahre 1809 den Namen Sulzer annahm. Salomons Eltern, anfangs entschlossen, den Sohn für den Handelsstand zu erziehen, fühlten sich durch den glücklichen Ausgang eines Unfalles, von welchem derselbe betroffen wurde, zum Aufgeben dieser Berufswahl bewogen. Im Jahre 1811 fand nämlich in Hohenems eine außerordentliche Anschwellung des Baches statt. Der Knabe, der unvorsichtiger Weise sich zu weit vorwärts gewagt hatte, fiel hinein, und die treibende Flnth riss ihn mit sich fort. Aber der bereits hoffnungslos Aufgegebene wurde gerettet. Da gelobten die Eltern, den Sohn dem heiligen Dienste zu widmen, und leiteten nach dieser Richtung hin auch fortan seine Erziehung. Eigenthünilicher Weise zeigte sich auch im Knaben schon die Richtung, die er als Mann mit entschiedenem Erfolge einschlug. Denn wenn der kleine Salomon mit seinen Genossen spielte, so bildete er mit denselben immer eine kleine Gemeinde, in welcher er sich selbst zum Vorsteher und zugleich zum Vorbcter ernannte. 1817 war die Stelle des israelitischen Cantors in Hohenems erledigt. Obwohl der Sohn erst 13 Jahre zählte, draug die fromme Mutter nichtsdestoweniger allen Ernstes darauf, dais er sich um den Posten bewerbe. Der wiederholte Einwand, dass der Sohn noch zu juug sei, war vergeblich; sie bestand auf der Bewerbung, und dies um so mehr, als sie auf das zurückgelegte dreizehnte Lebensjahr hinwies und geltend machte, der jüdische Jüngling werde in diesem Jahre reif erklärt und als Mann in die Gemeinde ausgenommen. Ungeachtet dessen stellte sich doch dieser Bewerbung ein Theil der Gemeinde entgegen, so dass die Besetzung der Cantorstelle nicht vom Vorstände erledigt werden konnte, sondern, die Verhandlungen über diese Angelegenheit nach Wien zur Entscheidung geschickt werden mussten. Und dcr ein gesetzliches Hindernis sich nicht erbringen ließ, wurde der 13jährige Salomon Sulzer von Kaiser Franz׳ als Cantor der Gemeinde Hohenems bestätigt, ihm jedoch zugleich ein Zeitraum von 3 Jahren gegönnt» in welchem er sich für das ihm verliehene Amt ausbilden sollte. In dieser Zeit widmete der mit musikalischem Talente reichbegabte Jüngling der Musik sein ganzes Sinnen und Streben. Er gieng zu diesem Zwecke 1817 zunächst in die Schweiz, wo er bei.LipPmann, einem der berühmtesten Cantoren jener Zeit, Unterricht nahm. Nach einjährigem Studium machte er mit seinem Lehrer eine Reise durch einen großen Theil von Frankreich, und zwar zog der 14 jährige Salomon mit seinem Meister gleichsam als fahrender Schüler daselbst von Ort zu Ort, überall Gesangsproductionen gebend, und er hatte dabei Gelegenheit, die Improvisation feines Gesangstalentes auszubildeu, welches allerdings auf diesen Fahrten und in den Vorstellungen, welche sein Lehrer gab, eine ganz eigenthümliche Verwendung fand. Aus Frankreich heimgekehrt, trat er noch immer nicht seine Stelle an. Selbst fühlend, wie so Manches für seinen Beruf ihm noch mangle, verließ er wieder das Elternhaus und begab sich nach Karlsruhe, wo er ein ganzes Jahr mit allem Eifer seinen Musikstudien oblag. Endlich von Grund aus geschult und seinem Dienste völlig gewachsen, übernahm der 16 jährige Künstler das Hohenemser Cantoramt und verwaltete es durch 5 Jahre, selbst kleine Opfer nicht scheuend, zur vollen Zufriedenheit der Gemeinde. Er organisirte alsbald einen gut geschulten Chor, sowie ein kleines Orchester für Streichinstrumente, in welchem alle Mitglieder Israeliten waren. Da sein Gehalt nur 100 fl. Neichswährung betrug, er überdies einen Bassisten aus eigener Tasche zahlte und den Sopranisteu in gänzliche Verpflegung nahm, so können wir diese unS so unbegreiflichen Dinge nur durch den Umstand erklären, dass er bei seinen vermögenden Eltern eine ausgiebige Unterstützung fand.