Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 39 (5.12.1888)
- Date
- 1888-12-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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wird an 7 Stipendisten ertheilt; es nehmen an demselben jedoch auch Nicht-Stipendisten theil. Weiters wird auf Kosten der hiesigen Cultusgemeinde der israelitische Religionsunterricht ertheilt: im Kinderasyle zum Kahlenberger-Dörsl, ׳ in Mannersdorf, im Rettungshause zu Unter St.-Veit rmd im T aubstummeninstitute für die Wiener Vororte in Währing. Der Confirmationsunterricht wurde auch im abgelaufenen Schuljahre in den verschiedenen Schulbezirken an Mädchen ertheilt, welche das 14. Lebensjahr erreicht haben. Die Confirmationen fanden unter zahlreicher Theilnahme am 6. und 10. Mai d. I. in den Gemeinde-Bethäusern in feierlicher Weise statt. Auch die Confirmation der Knaben, welche das 13. Lebensjahr erreicht haben, wiederholen sich jetzt häufiger, weil der Jugendgottes)ieust hiezu die Möglichkeit leichter bietet. Dem Jugendgottesdienste wendet der Vorstand nach wie vor die größte Aufmerksamkeit zu. Dessen Bedeutung tritt immer mehr zu Tag, wenn man Gelegenheit hat, die stets zahlreicher sich gestaltende Frequenz dieses Gottesdienst wahrzunehmen. Nicht genug tobend muß hervorgehobeu werden; dass die Eltern ihre volle Zuneigung dieser Institution widmen und ihre Kinder zum Besuche des .Jugendgottesdienstes aneifern. Es muß als ein besonderer Erfolg bezeichnet werden, dass Manche Gelegenheit nehmen, gemeinschaftlich mit ihren Kindern dem Ju g endgottesdienste anzuwohnen. ' Wie Ihnen bereits im Vorjahre mitgetheilt wurde, hat es der Vorstand für nöthig erachtet, die unter seinem Protectorate in Jerusalem befindliche Simon Eoler v. Lämmel'sche Unterrichtsanstalt z׳.rm Gegenstände einer ernsten Verhandlung zu machen. Ein von dem Vereine zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina mit dem Sitze in Frankfurt a. M., ausgegangener Antrag, in dem gemeinschastlichen Streben für die zarte Jugend in der heiligen Stadt etwas -Ersprießliches zu unternehmenauch einen gemeinschaftlichen Vorgang zu beobachten, machte es ihm möglich, diesem Institute eine Gestaltung zu geben, die geeignet erscheint, die Leistungen des Institutes auf jenes Niveau zu bringen, den die edle Stifterin im Sinne hatte. Die hohe Stiftungsbehörde hat bereits hierzu ihre Zustimmung ertheilt, und hegen wir nunmehr die Zuversicht, dass diese. Gestaltung von gesegneten Folgen für die diese Anstalt besuchenden Kinder sein :wird. Die Section für Unterricht verwaltet 14 Stiftungen. Die dem Vorstande der Cultusgemeinde in den Horak'schen Clavierschnlen, im Singer'schen Clavierunterrichts-Jnstitute und in den Porges'schen und Patzelt'schen Handels-Lehranstalten zur Verleihung zustehenden .Freiplätze wurden unbemittelten würdigen Lehrbeflissenen zugesprochen. Die unter der vortrefflichen Leitung des Herrn Professor .Hammerschlag stehende Gemeinde-Bibliothek hat sehr wecthvolle Bereicherungen theils durch Ankäufe, theils durch Schenkungen wissenschaftlicher Werke erhalten. Die Bibliothek erfreut sich auch eines lebhaften Besuches, an den für deren Benützung festgesetzen Tagen. Auch werden nicht selten zum Zwecke wissenschaftlicher Arbeiten einschlägige Werke aus ihr entlehnt. Wie ׳ Ihnen bekannt, wurde laut Plenarsitzungs-Beschlusses vom 31. Mai 1885 im Sinne der Bestimmungen der Rappaport- Stiftung eine Preisfrage ausgeschrieben: ״Ueber den Einfluß der hebräischen Psalmen auf die Gestaltung der Liturgie, auf die Ent- Wicklung und Fortbildung der Hymnologie in den verschiedenen Kirchen, vorzugsweise unter den modernen Völkern". Vor Ablauf des Termins (31. December 1886) liefen zwei Arbeiten ein, welche die gestellte Preisfrage behandelten. Der Vorstand hat über Vorschlag des Stistungs-Comites die Herren : Dr. Anselm. Ricker, k. k. ö o. Profeffor an der Wiener Universität, geheimer Kirchenrath Profeffor Hranz Delitzsch in Leipzig und Professor Dr. David Kaufmann in Budapest zu Preisrichtern gewühlt. Diese haben sich in der entgegenkommendsten Weise der ihnen übertragenen Mission unterzogen und den Verfasser der Schrift mit dem Motto: -?salterium totius tk«׳ ologiae consummatio« einstimmig für den Preis vorgeschlagen. Nach Eröffnung des Couverts -wurde ersichtlich, dass der Verfasser Herr Julius Steinschneider, jun., Sohn des berühmten Gelehrten Moritz Steinschneider, ist, welchem der Preis von 800 sl. zuerkannt worden ist. Erfreulich ist es, das der junge preisgekrönte Autor unserem Vaterlande entstammt, wenn er auch in Folge der beruflichen Thätigkeit seines Vaters ein Angehöriger des deutschen Reiches geworden ist. Als neue Preis aufgabe mit einer Preissumme von 1000 fl. wurde das Thema: ״Geschichte der Juden in Rom seit ihrer ersten Einwanderung bis auf König Humbert I." gewühlt und der Termin bis 31. December a.. c. festgesetzt. Stiftung des L. D. Königsberg'schen Mädchen-Erziehungsinstitutes: Diese Stiftung war im Besitze eines Hauses in Venedig, welches dem Institutes fast gar kein Einkommen brachte; der Vorstand war daher bemüht, das Haus zu veräußern, um die Erträgnisse der Stiftung vergrößern zu können. Dank der Intervention unseres unvergesslichen Collegen, Herrn Julius R. v. Goldschmidt, welcher Obmann des Jnftituts-Euratoriums war, und Dank der werkthätigen Mithilfe des um die Jntereffen der Gemeinde vielverdienten Herrn Max Schiff gelang es, mit Genehmigung der Stiftungsbehörde, unter sehr günstigen Bedingungen dieses Haus zu vecäußern Hiebei muß der bleibenden Verdienste Erwähnung geschehen, welche Herr Commanoalore Cesare Angusto Lewi in Venedig, Schmiegersohn des Herrn Max Theodor Schiff durch seine selbst- und rastlose Thätigkeit in Sache, des Verkaufes dieser Realität um die ill.Mede stehende Stiftung sich erworben hat.. Aus dem Gebiete der Wohtthätigkeil ist folgendes zu berichten: Der am 29. December 1887 verstorbene Herr Theobald Uffenheimer hat die israelitische Cultusgemeinde zur Umversalerbin eingesetzt. Das Nachlaßoermögen dürfte circa 60.000 fl. ausmachen, wovon für Legate und Stiftungen circa 30.000 fl. bestimmt sind. I» dem Testamente-sprach der Erblasser aus, dass sein Nachlaß zur Errichtung von Stistungsplätzeu im Alterversorgungshause verwendet werde. Frau Nanette v. Goldfchmidt spendete anläßlich des Abster» bens ihres Gatten, Herrn Moriz R. v. Goldschmidt, für Arme 1000 fl., ferner wurde für Arme ein Legat der Frau Sophie Goldschmidt per 1000 fl. vertheilt. Herr Sigmund Trebitsch übermittelte den Betrag von 1000 fl. zur Vertheilung an Arme, von welchem Betrage 400 fl. dem Waisenverein zugewiesen wurden. Herr Wilhelm R. v. Gutmann spendete 'aus Anlaß der Vermählung seiner Marianne 1200 st. für verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten. Herr Regierungsrath S. Ritter v. Hahn widmete 600 fl» für verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten aus Anlaß eines freudigen Familienereignisses und Frau Hermine v. Mauthner spendete aus Anlaß des Ablebens ihres Gatten Philipp R. v. Mauthner 600 flfür verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten. Aus dem Vermächtnisse des seligen Herrn Theobald Uffenheimer kamen 425 fl. für Arme. Es spendeten ferner: Frau Emma Königsberg für Arme 200 fl.; Frau Rosa Kohn anläßlich der Vermählung ihrer Tochter für Arme 100 fl.; Herr Dr. Alfred Stern anläßlich des Ablebens seiner Mutter für Arme 100 fl.; Herr Friedrich Goldberger de Buda anläßlich des Ablebens seiner Gattin für Arme 100 fl.; und Herr Ignaz Polizer, wie alljährlich, für verschiedenen Wohlthätigkeitsanstalten 150 fl. Durch diese und mehrere andere Spenden sind der Cultusvorstand und die Wohlthätigkei tvereine in der Lage versetzt worden, einer größeren Anzahl von Hilfsbedürftigen Unterstützungen zu gewähre»