Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 36 (5.11.1888)
- Date
- 1888-11-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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■©י — lassender Prinz, humoristische Erzählung von W. Äxpelt; Spohrs ״Jessonda" von Ernst Pasque (mit Illustration nach Moritz v. Schwind); Ein Meister-Trio, Gedicht von L. Heilborn (mit Illustration); In Frau Musikas ZüuberbanN von C. Haas (mit Illustration); Stielers Fortsetzung der Weber-Biographie mit Jllustrationen von Hugo Bürkner, kleines Plaudereckchen 3c., endlich eine Musikbeilage mit reizenden Klavierstückchcn und Liedern. (Probenummern der trefflichen ״Musikalischen Jugendpost" sino gratis erhältlich.) Kleine Chronik. Wien. Für den am 2. Dezember l. I., anläßlich des vierzigjährigen Regierungsjubiläums unseres Kaisers, stattfindenden Festgottesdienst wurde vom Vorstande der israelitischen Cultus gemeinde in Wien für beide Tempel nachfolgendes Programm festgesetzt: 1. Matowu, 2. Adonai beos’cho (Ps.21 von Sulzer), 3. Predigt, 4. Ode adonai (Ps. 111, von Sulzer), 5. Volkshymne (deutscher Text). Wien. Wie wir bereits in voriger Nr. gemeldet, feierte jüngst der Gemeinderath Gustav Simon seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlässe wurde ihm von einer Deputation des Vorstandes der «Ohervra Kadischa» bestehend aus den Herren: Präsident ' Iaques Br and eis und Vorsteher Josef Hieldburghäusser, Jacob Moor und kais. Rath Bernhard Singer nachfolgendes Ehrendiplom überreicht: ״Der Verein für fromme, wohlthätige Werke »Chewra Kadischa» beurkundet hiermit die Ernennung feines hochgeschätzten Präsidentcn-Stellvertreters, des Herrn Gustav Simon, aus Anlass seines 70. Geburtstages und in Anbetracht seiner besonderen Verdienste um die Eultnsgemeinde und den Verein zum Ehrenmitglied. Wien, 16. October 1888." "Arag. Ueber Beschluss des Vorstandes der Klaussynagoge wird in derselben am 2. December anlässlich des 40jährige ׳ Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers ein Festgottesdienst׳ stattfmden, bei dem Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Hirsch die Festrede halten und zum ersten Male ein Männerchor, dessen Mitglieder sich aus den besten jüdischen Kreisen Prags recrutiren, Ehöre zum Vortrage bringen wird. Dieser Gesangskörper, zu dessen Entstehen Mitglieder der Klaussynagoge den Impuls gegeben haben und der sich, wie es verlautet, zu einem Vereine organisiren wird, soll es sich zur Aufgabe machen, den synagogalen Gesang zu pflegen und theils in seiner Gänze, theils parttell bei festlichen Gelegenheiten sich jenen Synagogen, die eines Chores entbehren, in uneigennütziger Weise zur Verfügung stellen. KoVrtjHa«. Am 22. October l. I. wurde der 100jährige Bcstand der hi. rortigen Kirche festlich begangen, und wurde zu dieser Feierlichkeit außer den Priestern der ganzen Umgebung auch ein hochwürdiger Dominikaner aus Olmütz, dessen Name mir unbekannt ist, geladen. Bei der im Nachmittagsgottesdienste von dem Letzteren abgehaltenen Predigt behandelte er das Thema der Nächstenliebe. Wiederholt betonte er vor dem die Kirche füllenden Auditorium, die Nächstenliebe an jedem Menschen ohne Unterschied der Religion zu bethätigen; sei er Jude oder Christ. Jeder ist unser Nächster, Jedem sind wir verpflichtet, Liebe zu erweisen. Auf dem Gebot: ״Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" beruht, die ganze und jede Religion. — Ueberhaupt hat dieser ehrwürdige Herr in seine Rede gegen den Judenhass sich ausgesprochen. Mögen seine Worte auf fruchtbringenden Boden gefallen sein und dazu beigetragen haben, den verwerflichen Anti'emitismus, der in unserer Gegend sehr vorherrschend, ausrotten zu helfen. Weiss. Kopremitz. Bei den am 26. v. M. stattgehabten Gemeinderathswahlen wurden drei unserer Glaubensbrüder, und zwar die Herren. Sandor Groß, Arnold Bettelheim, David Deutsch, durch das Vertrauen der Mitbürger in den Gemeinderath neugewählt, und hat auch Herr Iaques Hirschler Sitz und Stimme in demselben. F. Der Baal-Thepilla. Von M. I. Rabbinowitsch. Aus dem Russischen von A. Levin-Sagan. (Autorisirte Uebersetzung.) (Nachdruck verboten.) (20. ,Fortsetzung.) - Was mich betrifft, so sang ich unter dem Einfluß Reb Awners ebenfalls ungewöhnlich schön uud mit großer Empflndüng, so dass unser ganzer Gottesdienst fast von Anfang bis zu Ende begleitet war von pathetischem Seufzen und Stöhnen,. < und wenn ich auf die Beter schaute, so richteten sich alle Blicke auf mich mit dem Ausdruck rührender Dankbarkeit und Begeisterung.' Dies feuerte mich noch mehr an, verlieh meinem Gesänge eine noch größere Wärme. Aber nichts ist zu vergleichen mit׳ jenem süßen Gefühl des Triumphes, das ich empfand, als ich mich während des Gesanges umsah und den entzückten Blicken meines . Gerschon begegnete. Die Großartigkeit unseres Erfolges hatte mich so ergriffen,. dass ich an mich halten musste, um nicht in Thränen auszubrechen. Ich schluckte die Thränen hinunter. Der Erfolg des gestrigen Tages erschien mir nichtig im Vergleich mit dem heutigen. In der Synagoge entstand eine erstickende,: fast höllische Hitze^ so dass der Schweiß an meinem Gesicht und meinem Körper in Strömen herniederfloß; meine Kleider waren durchnässt und klebten an meinen Gliedern. Ebenso ergieng es Reb Awnern. Und dabei strömte das Publikum beim Schluß des Gottesdienstes in großen Massen herbei; und da nun die Lynagoge neue Besucher absolutnicht mehr ausnehmen, konnte, so versperrte die Menge buchstäblich die schmale Gasse vor der Synagoge und staute sich auf der andern Seite an den geöffneten Fenstern. Reb Joske triumphirte und erstrahlte in einer gewissen kindlich naiven Freude und rief immer laut, scheinbar unzufrieden r ״Man wird uns nebst unserem Reb Awner noch durch die Misrach- Wand drängen!" Und in den Worten: ״nebst unseren Reb Awner" lag mütterliche Zärtlichkeit und freudiger Stolz, wie überhaupt immer, so oft er diese Worte an diesem Tage sagte. Und er sagte sie sehr oft. Da ruft er: ״Schließt das Fenster in der Frauenschul, unser Reb Awner könnte sich leicht erkälten!" oder: ״Einen Stuhl, schnell einen Stuhl her, unser Reb Awner möchte sich setzen! -' u. s. w. Und mit der einem Hand die Krücke haltend, greift er mit der andern nach dem dargereichten Stuhl,, hält ihn über die Köpfe Aller hoch und stellt ihn behutsam neben Reb Awnern hin, damit dieser sich a.usruhe in den großen Zwischenpausen^ wo weniger bedeutende Gebete, ״Piutim", gesagt werden. Als der Gottesdienst zu Ende war — heute noch später alsam vorhergehenden Tage — umzingelte man mich und Reb Awnern. von allen Seiten und überhäufte uns mit begeisterten Lobsprüchen^ die, soweit sie auf mich Bezug hatten, nicht nur in Worten sich kundgaben, sondern durch kosende Schläge auf die Schultern auff den Kopf, durch Kneipen in die Gangen 3c. Einmüthig und inbrünstig wünschten Alle Reb Awnern, das nächste Jahr zu erleben- und den Gottesdienst in dem neuerrichteten Tempel in Jerusalem zu: leiten, und sich selber — ebenfalls diese Freude zu erleben, um noch, einmal seinen Gesang dort zu hören. Und mir machte man die: glänzendsten Hoffnungen auf die Zukunft. Reb Awner war dermaßen erschöpft, dass er für alle diese: Lobsprüche und Segenswünsche nur durch leichtes Kopfnicken und» mattes Lächeln danken konnte. Ich meinerseits war sehr roth uu& verlegen geworden und wusste nicht, was zu antworten. Da es schon spät war, so blieben sehr Viele noch da, um zu-- gleich das -,Mincha-Gebet" zu verrichten, um nicht wieder in die Sy-- nagoge zu kommen. Auch Reb Awner blieb da, um ein wenig abzukühlen. Ich aber, obwohl ebenfalls auf's äußerste ermattet, gieng. nach Hause, zusammen mit Gerschon, der mich erwartet hatte.: ״O, wie viel Gemüth und Empflndüng besitzt: doch dieser Beb Awner!" rief Gerschon, als ich ihn erreicht hatten ״Was ist das für ein Gottesdienst! Wie. geht dies Alles -durch: Mark und: Bein d Und du. weißt, es wohl gar. nicht, dass er ״phantasirt^.? . : Er hat heut viele Stücke anders gesagt wie gestern. Und welch' reiche Phanl taste er besitzt, welch' tiefe Gedanken! Ich könnte ihm einen ganzem