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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-11-05 · Heft 36 (5.11.1888) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 36 (5.11.1888)
Date
1888-11-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch - ungarische Wrarmrn erationspreis Für VrreinsaiitgNeder. Vauzjührig fl. v.- Halbjährig . st. SSv Wlerteljährlg fl. 1.25 Tür Nichtmitglicber »an,jährig ' 'fl. k.— Halbjährig - fl. 3.— Dkerteljährig fl. l.eo . ^>aS «uSland “־“W־ fl- «— 10 Mark oder 5 Rudel. Nr. 36. Organ Dr Me ^ytereMtt jWßher Kantoren mul Huttm-esmten. Hrfchernt jeden achten Tag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Wien, 5. November 1888. Wedaction und Administration Wie», II.. Novaragaffe Nr. N. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Abonnements-- n. Iuserj tionsbeträge find in Wien zahlbar. 8. Jahrgang. Aie geehrten Kerren Abonnenten, die das Abonnement «och nicht erneuert haben, werden ersucht, dies «mgehend «achzuhoten. Are Administration. Arber die Entwicklung des Synagogen - geftmges von Josef Singer in Wim. - II. Serie. XXVII. In den Nummern 21, 25 und 28 dieser Zeitschrift beschäftigten wir uns mit der möglichst erschöpfenden Vorführung des Lebensganges unseres verehrten Nestors des Herrn Moriz Deutsch in Breslau, versuchten auch feine didaktische und cantorale Wirksamkeit zu beleuchten, wie nicht minder seiner allgemein künstlerischen und socialen Thatigkeit unser Augenmerk zuzuwenden. So überaus anziehend uns nun auch jede einzelne der angeführten Bethätigungen ׳ erschienen, so überwältigend das aus diesen interessanten Einzelheilen gruppirte Gesammtbild auch wirkt, dasselbe wäre immerhin lückenhaft zu nennen, Übergiengen wir eine Seite der Deutschsschen künstlerischen Bestrebungen, die so voll und ganz erst die eigentliche Wesenheit dieses rastlos arbeitenden Mannes vorführt, die, um uns etwas deutlicher auszudrücken, erst den würdig umschließenden Rahmen des oben gezeichneten Gesammtbildes liefert, und zwar seine componistische Bestrebung auf synagogal-gesanglichem Gebiete. Wie im vorigen Aufsatze erwähnt, bilden die im Jahre 1894 erschienenen Orgelpräludien das allererste Werk, welches Deutsch durch den Druck der Oeffentlichkeit übergab. Stünde diese Thatsache ' nicht zweifellos vor uns, wir nähmen keinen Anstand, dieses Meisterwerk einer viel späteren Periode^, einzuverleiben, denn nicht allein der gedankenreise und formvollendete Inhalt des vorliegenden Buches,'auch.gewisse minutiöse, aber jedenfalls auffallende Einzelheilen desselben berechtigen uns zu. dieser Annahme. Zu diesen an letzter Stelle angeführten Kleinigkeiten reihen wir auch die bemerkenswerthe Thatsache, dass Moriz Deutsch in Breslau sich niemals Obercantor, sondern stets nur Cantor nannte, ja jedwede andere Benennung und Betitelung freundlich, aber entschieden zurückwies.*) Hier, auf dem ersten Blatte des uns vorliegenden Werkchen finden wir jedoch die Titulatur ״Obercantor der großen Synagoge zu Breslau" verzeichnet. Sicherlich ist das Werkchen später in zweiter Auflage erschienen, und der Verleger konnte es nicht über's Herz bringen, den Componisten solch* trefflicher Präludien als einen einfachen Cantor hinzustellen. Diese Präludien sind demnach 1864, also vor 25 Jahren, erschienen, und wer da weiß, welche immense Umwandlungen der Synagogengesang innerhalb der bezeichnten Zeit erfahren, der wird sicherlich dieses unscheinbare, nur aus 12 Nummern bestehende Werkchen nicht seiner räumlichen Ausdehnung nach, sondern dem ihm innewohnenden opulenten Inhalte gemäß zu beurtheilen geneigt sein. Diese 12 Orgelpräludien für die Synagoge zeigen uns den reifen Musiker Deutsch im klarsten Sonnenlichte: nicht die Reife, zu welcher er heute erst durch mißglückte Versuche und unablässiges Ringen gelangte, sondern jene Vollkommenheit der Anschauung, die Deutsch schon vor 25 Jahren besessen und in diesen Präludien zielbewusst zum Ausdruck brachte. Weshalb er alte Synagogen-Jntonationen als Motive für diese Präludien verwendete? Wie könnte man noch fragen, wenn man sich nur einigermaßen dessen bewusst ist, welche Aufgabe die Orgel in der Synagoge als begleitendes und obligates Instrument zu erfüllen hat, und wenn man noch heute die traurige Beobachtung machen muß, wie die Orgel um ihre Existenzberechtigung in der . Synagoge kämpft und ringt, weil unberufene Diener derselben mit grenzenlosem Leichtsinn die Orgelklänge zu sträflichen Erperimenten benützen, welche die große Menge allerdings verblüffen, den still beobachtenden Fachmann jedoch mit einem unsagbaren Weh erfüllen. *) Ein eklatanter Beweis von feiner Umsicht und Klugheit, indem er es nicht nöthkg hat, sich nach Jahren eines Titels zu entledigen, den sich heutzutage jeder aus eigener Machtvollkommenheit beilegt. Uns fällt hiebei stets die Bemerkung eines polnischen Chasen ein, der da meinte, dass derjenige, der sich aus eigener Machtvollkommenheit ״Obercantor" nennt, damit nur bezweifeln lässt: ״Ob er Cantor" ist.

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