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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-10-10 · Heft 34 (10.10.1888) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 34 (10.10.1888)
Date
1888-10-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichiseh -UDgarische ^krS««MM?ationspreis Für v«rei»r-a»itgtt«der. Ganzjährig . fl. Halbjährig fl. 2L0 Vierteljährig fl. 1.B Für SNchättiäigNrd-r Ganzjährig fl. S.— Halbjährig fl. r.— Vierteljährig fl. 1.SO Für da» «u»la,1d «anzjährig fl. 10 Mark oder!5 Rubel. Organ für üie jkytereffen KOfcher t «ul ^vltusbesmten. Kr scheint jeden achten La Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Wedactian und Administration Wien, II., Novaragaffe Nr. N. Inserate werden billigst berechnet. Manujcripte werden nicht retournirt. Abonnementsu. Juiertionsbeträge find in Wien zahlbar. Nr. 34. Wien, 20. Drlober 1888. 8. Jahrgang. DMj jüdische Cantsr als Sch'liach Libbar. V. Co merk' auf!mich, ich werde dir einen annehmbaren Vorschlag machen, führt der Verfasser fort. Von Sonntag bis zum folgenden Sabbat lese jeden Tag nur eine Parschah der Sidrah zwei- oder dreimal, bis du sie geläufig und fehlerfrei rezitiren kannst, dann wird's ohne besondere.Anstrengung und Zeitaufwand vollzogen werden. welch .ein Hindernis inzrvischen eintreten kann, und du bleibst unvorbereites was dir nur Tadel bringen kann. Und was soll dich denn vw einer solchen Uebung .abhalten, du hast ja keine Nahrungssorgen, mußt nicht erst einem Gewerbe nachjagen. Es ist genug übel bestellt mit den Chasonim auf den Dörfern oder in kleinen Städten der Provinz, woselbst nur wenige Israeliten wohnen, und das Einkommen sehr gering ist, wo die Funktionäre von Nahrungssorgen gequält werden. Manche sind darauf angewiesen, die Wohlthätigkeit der Bemittelten in Anspruch, zu nehmen, müssen förmlich von Haus zu Haus betteln gehn; Manche müssen sich auch mit dem Schächteramte befassen und von Dorf zu Dorf wandern, ob nichts zu schlachten sei, um nur ihre nöthigsten Bedürfniße decken zu können. Denen gebricht es wohl an Zeit, sich gehörig vorzubereiten. Manche müssen Kinder unterrichten, gewiss ein mühseliges Amt: der Chasan gibt Acht, wie die Kinder lesen, ihm aber bleibt keine Zeit, sich in der Thoravorlesung gehörig vorzubereiten, denn er gleicht einem Taglöhner. Ich bin der Mann, fährt der Verfasser fort, der dieses Elend mitgemacht hat. Als ich in Wallerftein, einer kleinen Stadt mit wenigen israelitischen Einwohnern angestellt, war, da kam es mir vor, als wäre ich in Marah, so bitter war meine Lage, aber das Bittere verwandelte sich bald in Süßes. Gott hat meine Bitte erhört. Ich wurde in Pfersch acceptirt, die Gemeindemitglieder hörten meine Stimme und wurden von meinem Vortrag ganz begeistert, da ward es mir möglich, das Schächter- und Lehramt aufzugeben. Ich widmete mich nur dem Cantorenfache, meine Stimme wurde immer kräftiger, und lauter Beifall strömte mir von allen Seiten zu.^. Da auch Zugereiste aus Prag hierherkamen, da riesen sie mir aufmunternd zu: Was schlummerst du hier und verweilest da, du verdienst ein besseres Loos. Da verließ ich meinen Posten, wendete mich vorerst nach meinem Geburtsorte Fürth sammt Weib und Kindern, konkurrirte von dort aus nach Prag und erhielt bald darauf die erledigte Eantorenstelle, als die Sonne des greisen und berühmten Chasan Rabbi Jona sich zum Untergange neigte, da gieng meine Sonne auf. Ich wurde in Prag mit großen Ehrenbezeugungen empfangen, betete ab» wechselnd in der Pinkas- und Zigeunerschule, und dankte Gott, der mir so hilfreich beigestanden. -k Nach dML MMluW fo^tt wieder Vorschriften und Rathschlage. Der Verfasser warnt, dass der Canror nicht zweimal mitunter gar mehrmals ein und dasselbe Wort im Gebete wiederhole, weil es ihm gerade zur Melodie so passt, und verweiset auf Talmud (LeracL, 33.), wo es heißt: ״Wer Sch’ma, Schema ruft, dem gebe man einen Verweis." Und es gibt LLasonim, die im Gesänge Wörter manchmal wiederholen, manchmal wieder einen Laut weglassen, oder ein Wort in zwei Theile verschieben, um so das Wort dem Gesänge anzubequemen, das ist tadelnswerth und gewiss zu vermeiden. Dass der Titel Ohercantor schon vor 150 Jahren üblich gewesen, war uns bisher nicht bekannt, doch der Verfasser klärt uns darüber auf, er bemerkt folgendes: Es gibt Chasonim, die zufolge ihrer herrlichen Stimmmittel in großen Gemeinden als Obercantoren fungiren, denen ein zweiter und dritter Cantor zur Seite steht. Diesen fällt die Ausgabe zu an Wochentagen, Morgens und Abends den Gottesdienst zu versehen. Der Obercantor hingegen hat nur die Verpflichtung, an Sabbaten, Fest- und Feiertagen zu fungiren. Aber auch der Obercantor soll, wenn auch nicht als Vorbeter, so doch als Jude beim Gebete im Gotteshause erscheinen. Doch wie er sich dazu anschickt, verstellt ihm der böse Trieb (Jezer Lora) den Weg und ruft: Wohin mein Lieber, ״L0 Chodesch w'lo Schabbos hajom“, heute ist ja kein Sabbat und Festtag, was hast du dort zu thun, du setzt ja dadurch deine Wurde herab, stellst dich auf gleiche Stufe mit deinen Untercantoren. Gebet einer solchen verführerischen Stimme kein Gehör, sie führt ins Verderben k (Hätte der Verfasser in unserer Zeit gelebt, so würde er diese Bemerkung auch auf so manchen Rabbiner und Prediger bezogen haben; aber vor 150 Jahren, da war es ganz anders.) Ja> selbst der Obercantor soll wenigstens

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