Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 33 (12.10.1888)
- Date
- 1888-10-12
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Last). nach Hause und zerbrach, mirdev Kopf, um zu errathen, welches Unglück so jäh über meinen Baal-Tephilla hereingcbrochen sein/?nute — allerdings ohne etwas zu errathen ... (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. Wien. Gelegentlich des Aufenthaltes des Prinzen von Wales in Wien meldeten wir, dass derselbe in Begleitung des Kronprinzen Rudolf die prachtvollen Gärten des Baron Nathaniel Rothschild in Wien und Heiligenstadt besichtigte. Es dürste darum die Leser unseres Blattes intereffiren, wenn wir im Nachstehenden eine Beschreibung dieser in ihrer Art einzigen Anlagen liefern: Der Wiener Garten ist für die speciellen Zwecke angelegt, als Unterhaltungsplatz zu dienen, deshalb ist die Mitte freigelassen und Baum- und Busch- Werk-Anlagen sind an die Seilen vertheilt. Der vorzüglich gepflegte Rasen dient als Spielplatz für Lawn tennis-, Cricketunb Footd^U-Spiele.. Die Anlagen zeigen von außerordentlichem Geschmack deshalb, weil jeder Pflanze, jedem Baum, jedem Gebüsch nicht nur der freie Entwicklungsraum gestattet ist, sondern auch in der Auswähl eine besondere Sorgfalt an den Tag gelegt wurde. Dass die kaum zehnjährige Anlage heute den Eindruck eines kräftigen, alten Gartens macht, ist mit ein Verdienst der Gärtner. In Heiligenstadt werden die Besucher überrascht von der grandiosen Anlage. Es ist nicht etwa ein kolossales Schauhaus vorhanden, das durch seine Größe imponirt, aber es ist ein Labyrinth von Gewächshäusern angelegt,'die den Zweck offenbaren, nur als Culturhäuser zu dienen. Der Inhalt, dieser Häuser macht den Beschauer erstaunen. Für eine Pflanzengattung stehen oft zwei, drei Hauser zu Gebote und in allen sieht man die Pflanzen in eiyem Culturzustande, der die Bewunderung der Beschauer um so mehr hervorruft, je mehr diese als Fachmänner zu beurtheilen wissen, welche Mühe auf die Erhaltung und Fortpflanzung dieser Pflanzen verwendet ist. Die Häuser sind dabei, ohne ansehnlich zu erscheinen, innen mit solchem Comfort angelegt, dass man, ohne sich den sonst in Warmhäusern unvermeidlichen Temperaturs-Veränderungen auszusetzen, alle Häuser besichtigen kann. Nur Ein Haus ist als Schau- Haus eingerichtet uud Ln diesem sind die Pflanzen mit künstlerischem Geschmack arrangirt. Dass es da an Springbrunnen, lauschigen Plätzchen, Grotten u. dgl. nicht fehlt, ist selbstverständlich. Nicht gerkigere Sorgfalt wie der Blumencultur wird der Obstcnltur zugewendet und erst wenn man diese Treibhäuser für Weintrauben, Pfirsiche, Kirschen, Birnen und Aepfel gesehen, kann man es begreifen, dass Baron Rothschilds Gärtner die Jahreszeiten vertäuschen und den Herbst in den Frühling Hineinzaubern, im Winter Sommerfrüchte Hervorbringen. Wien. Das Unterrichts-Ministerium hat aus Anlass der kürzlich aufgehobenen Verfügung des clericalen oberösterreichischen Landesschulraths bezüglich der Schulgebete für Volksschulen mit Kindern verschiedener Confeffion und bezüglich der erbaulichen Lieder angeordnet, dass die gemeinsamen Schulgebete und Lieder vom. k. k. Lavdesschulrath nach Einvernehmen der betheiligten eonsessionellen Behörden festzusetzen sind, doch bleibt es den Religionslehrern überlassen, zu Beginn oder am Schluffe der Religionsstunde mit den Schulkindern Gebete ihrer Confeffion zu verrichten. Mltdapest. Dass in Ungarn, vornehmlich in Siebenbürgen, eine ganze Secte von ״Sabbathariern" existiert, welche wohl Christen sind, jedoch statt des Sonntags den Sabbath feiern, ist bekannt; weniger bekannt , ist jedoch die Tharsacbe, dass es in Siebenbürgen, eine ganze Gemeinde gibt, die kleine Ortschaft Bösöld-Ufalu, die vom Ehristenthum zum Judenthum übergegangen ist. Das Völkchen, welches diese Ortschaft bewohnt, ist einzig in seiner Art. Seine Mitglieder, vor kaum 21 Jahren noch ungarisch-christliche Bauern, sind mit Weib und Kind Juden geworden. Das geschah im Jahre 1867, als man in Pest den König krönte und Baron Etvös Cultusminister war. Der damalige Obergespan des Comitates wandte sich mit einem verzweiflungsvollen Telegramm an Seine Erllellenz, was er mit ״diesen Verrückten" beginnen, solle? Ter Minister antwortet,׳, man möge sie von ihrem Vorhaben abbringen — wenn möglich. Es war aber nicht Möglich, sie blieben Juden und ungarische Bauern zugleich, blieben aber auch bis jetzt gänzlich unbekannt. Ihr Glaubensbekenntnis ist streng orthodox, sie beobachten fedes Gesetz und jeden Gebrauch auf das Gewissenhafteste. -Die. Frauen tragen sogenannte ״Scheitel", sind abxr im Uebrigen Bauernweiber, welche sich von den übrigen Weibern, dieser. Gegend in׳ nichts unterscheiden. Die Kinder besuchendie Volksschule und genießen bei dem Schächter Religionsunterricht. Am Sabbath und an Feiertagen, ja sogar an Wochentagen, wenn keine dringende Feldarbeit zu besorgen ist,. versammelt sich die ganze Gemeinde, welche etwa 40 Familien zählt, in der kleinen Synagoge, welche ein originelles Bild bietet, indem der Vorbeter ganz nach polnisch-jüdischer Art gekleidet ist, während die andächtigen Gemeindemitglieder bäuerliche Festkleider und darüber den Talis tragen. An Wochentagen fehlen bei den Männern auch die Tefillin (Gebetriemen) nicht. An Montagen, Donnerstagen und Festtagen wird die heilige Schrift gelesen, und alle Landleute hören verständig den Vortrag an. Hie und׳ da gibt es auch solche Sabbatharier, die noch dem Christenthume angehören und blos die Sabbathstatt der Sonntagsruhe beibehalten haben; sie leben mit ihren wirklichen jüdischen Brüdern im friedlichsten Einvernehmen. Kuttenpkau. Aus Anlass des vierzigjährigen Regieruugs- Jubiläums Sr. Majestät unseres erhabenen Monarchen beschloss die Gemeinde-Repräsentanz, der israelitischen' Cultusgemeiude Kuttenplan in der am 23. September a. c. stattgehabten Sitzung, den Betrag von 500 fl. Silberrente zu widmen zur. Gründung einer Stiftung für ewige Zeiten, wo vom Erträgnis der Zinsen jedes laufende Jahr am 2. December Holz sammt Kohle an arme, bedürftige Leute dieser Gemeinde verabreicht wird. H. L. Arohoöycz, 8. Oktober. (Gepfändete gottesdienstliche Gegenstände.) Zur gestrigen 23. Jahresversammlung des jüdischen Wohlthätigkeits- und Betvereiues war zum ersten Male ein Regierungs- Commissär seitens der Bezirkshauptmannschaft delegirt worden. Ein Antrag, den Ausschuß mit der Beschwerdeführung und Anwendung Baller Rechtsmittel gegen die am Vorabend des jüdischen Neujahrsfestes wegen einer aus dem Jahre 1876 herrührenden bestrittenen -Nechtsgebühr von der Bezirkshauptmannschaft vorgenommene Pfaudüng und Transferirung sämmtlicher Thora-Rollen und gottesdienstlicher Gegenstände, welche gemäß §. 1 der Executions-Novelle vom Jahre 1887 nicht pfändbar sind, zu betrauen, wurde vom Regierungs-Commissär in Folge Auftrages des Bezirkshauptmannes Switalski unter Androhung der Auflösung der Versammlung zur Verhandlung nicht zugelassen. Diese Angelegenheit wird Gegenstand einer Interpellation bei Wieder-Eröffnung des Reichsrathes sein. Waris. Die gesammte französische Presse'beschäftigt sich leb- Haft mit der jüngst bereits signalisirttn Errichtung eines Rothschild- Museums. Des glückliche Gedanke, dadurch die Erinnerung au den Chef dieser berühmten Familie zu verewigen, findet selbst in den Kreisen unverhohlene Anerkennung, welche dem Judenthume sonst gerade nicht freundlich .gegenüberstehen. Beachtenswerth bleibt dabei, dass die Umwandlung des Hotel Rothschild gerade mit der 20. Jahresfeier vom Tode des Baron James Rothschild zusammenfällt, welcher von den fünf Söhne Mayer Rothschilds, nächst Nathan Rothschild, zweifellos der Bedeutendste gewesen. Am 15. November waren es 30 Jahre, dass Baron James in diesem bescheidenen Gebäude der rue Laffitte seinen Geist aushauchte. Derselbe strenge Herbst entriss uns damals gleichzeitig Berryer, Lamartine und Rossini. In einem Zeitraum von kaum 4 Wochen wurde Paris , von dieser vierfachen Trauer betroffen; in diesen vier Celebritäten wurden die Beredtsamkeit, die Poesie, die Harmonie und die Finanz zu Grabe getragen. Fünfzig Jahre, bevor Baron James in die Erde gebettet wurde, war er glückstrahlend an der Seite seiner berückend schönen Gemahlin, der Baronin Betty, hier eingezogen. Kaum dreißig Jahre alt, entwarf er damals das Fundament zu dem mächtigsten Finanzgebäude Europas. Die alte Welt hatte ein so großartiges Institut bis dahin noch nie gekannt. Derartige Erinnerungen würden allein schon genügen, um dem Hotel Rothschild einen dauernden Platz anzuweisen und dessen pietätvolle Conservirung zu rechtfertigen. Allein es knüpfen sich daran noch andere Erinner-; ungen nicht minder interessanter Natur. Vor der Baronin Rothschild war das Palais, das unter Ludwig XV. ein reicher