Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 32 (4.10.1888)
- Date
- 1888-10-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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neu Feinden, Neidern und Hassern, die doch jeder Mensch zu. haben Pflegt, gelungen zu sein, ihn zu verdächtigen, und durch -ihre Intriguen es dahm zu dringen, dass er seiner. Stelle verlustig wurde. ״Von meiner Heimat verdrängt", klagt er, ״musste ich auch den Tisch meines Großvaters verlaßen, wanderte herum wie ein verirr-. tes Schaf, meine Feinde, schüttelten das Haupt über mich, höhnten und spotteten meiner; schwer, ja schwer fiel mir diese Trennung. Da erhob ich meine Hände inbrünstig betend zu Gott, und er erhörte meine Stimme, ich fand in Metz eine Anstellung." Hierauf folgt ein sehr schönes Gedicht, als ein Loblied Gottes, mit den Ansangsbuchstaben ״ScMomo Chasan". Und nun wendet sich der Verfasseran fcciifChasan als Kore. Thoravorleser, dass das Vorlesen aus der Thora nach grammatikalischen Regeln geschehe, dass der Lore verpflichtet ist, sich mit den Leseregeln vertraut zu.'machen, sich darüber belehren-zu lassen. ״Aber", fährt der' Verfaffer fort, ״der größte Theil, leider, merkt nicht darauf, selbst die Gelehrten in der Gemeinde gehen oft gleichgiltig darüber hinweg und achten nicht darauf. Der Lore merkt nicht auf die ״Negina bimkomo", beachtet nicht das starke und schwache vagnseh, das Schwa mobile und quiescens, das ist eine unverzeihliche Nachlässigkeit und eine großer Fehler, das soll und darf nicht geduldet werden. Wie löblich ist die Einführung in der heiligen Gemeinde zu Prag und auch in manchen anderen Gemeinden Böhmens und Mährens, die einen eigenen Lore anstellen, der sich blos mit dem Vorlesen der Thora zu befassen hat, der durch Uebung und grammatikalisches Wissen erprobt und hervorragend ist. Es wäre wünschenswerth, wenn ein solcher Vorgang in allen Gemeinden Israels durchgeführt würde. Man bringt immer große Opfer für schönen Gesang, für äußerlichen Prunk, uitb das eigentliche rituelle Wesen leidet dabei Schaden. ״Obwohl", fährt der Verfaffer fort, ״ich selbst im Thoravorlesen gut verstrt bin,׳ wie Zeugniße von mehreren heiligen Gemeinden, wo ich fungirt habe, dieses bestätigen, so dass auch Chasan und Kore in einer Person Ersprießliches leisten können, so ist es doch mein innigster Wunsch, Lass die beiden Functionen von einander getrennt werden, so lange das aber nicht der Fall ist, soll sich der Chasan eingehend damit beschäftigen. So lautet der Orach Chajim 139 : Der Thoravorleftr soll die Parschah, die er beim öffentlichen Gottesdienste vorzutragen hat, zwei- oder gar dreimal erst für sich einüben, damit er gut vorbereitet sei. So wird von Rabbi Akiba erzählt, man habe ihn einmal zur Thora gerufen, und er weigerte sich hinaufzugehen, weil er sich nicht vorbereitet hatte. (Vor alter Zeit hat jeder, der zur Thora gerufen wurde, selbst die Parscha gelesen.) Wenn nun Rabbi Akiba, der Hochgelehrte, so handelte, um wie viel mehr sind wir erst verpflichtet, nämlich der Lore, sich gehörig vorzubereiten W.r. (Fortsetzung folgt.) Methodik -er GesangskMjt. XXXX. Das Stammeln z. B. entsteht durch Unbeweglichkeit, Ungewandtheit der Zunge; die tiefere Ursache davon ist aber fast immer der Gaumenton, eine falsche kräftige Mitwirkung -der Zunge bei der Tonbildung: durch singendes Ueben der Vokale unter Anwendung der Mittel gegen den Gaumenton lässt sich oft das Stammeln vertreiben. Das Stottern sodann entsteht durch eine fehlerhafte Verbindung der Laute miteinander und.^hat offenbar. -seinen Grund in einer pathologischen Mitbewegung im Hehlkopf mit den Wundbewegungen oder Articulationep der^ SpraM Mssich Mt sogar bis zu MitbeiyegUügen; im Gesicht. untz , -einer ^grMn.Änftrengungsteigert; es fehlt also hier׳ eine leichte Association zwischen den Articulationen und den VewHusgen des . Kehlkopfs, und, um gerade ׳diese zu erretchen, gibt es sicherlich kein besseres Mittel, als das Singen, jedoch nur in der richtigen naturgemäßen Weise, indem ja die Tonbildung ganz frei wird von der Sprachbildung und diese von jener durch den Gebrauch der betreffenden Organe nur für ihren Zipeck,. ohne falsche Beihülfe; jene pathologische Mitbewegung^ im, Kehlkopftmit den Mundbewegungen -wird -durch die Freimachung der Tonbildung von der Sprachbildung im Singen überwunden; denn fast allenthalben beruhen diese Sprachfehler, das Stamineln^upd das;» Stottern, nür-äuseiner-falschen Angewöhnung, bei welcher die richtigen MuZkeln nicht allein ihrem Zwecke dienen können, weil andere unnölhige Muskeln durch ׳ ihre -falsche^Mitivirkung sie stören. DaK:-Grundübel ist somit das Quetschen, kurz der Gaumcntön/; uud dass er nur auf einer falschen Ang'ewohnhctt beruht, folgt für den Schreiber dieses daraus, ׳ dass-.-er - beiseinen -mslen- Schülern wvhl meist eine solche Gaumenton-Neigung im Singen vorfand, niemals .aber einen so großen,und.^unübLMnd.lichen.-Hap.ment§n,.-..^d-sZ.-.-.-.herselbL..-. nicht-. höchstens nach 24 Lecüonen total verschwunden gewesen wäre; natürlich ist - aber vorausgesetzt, dasß ,jeder«-^Küfer, der; jnff einem solchen Fehler *der Angewohnheit" behaftet ist, auch keinen eilte zigen Ton in Abwesenheit des Lehrers singen darf, bis die neue richtige Arh Leu «Tonbildüng 'ihnr klar un§ sichet rigewör^ien-ist. Denn was nützt Eine Lehrstunde zu Vertreibung solcher salscher -Mngewöhnung, wenn der Schüler zu Haus oder in Gesang-Vereinsn wieder drei Stunden lang in seiner alten.Gewohnheit sich übt und; befestigt. ’ 1׳ ־;;; ...״ן.; ב״v. Schon bei der Deklamation ohne Gesang kommt der Stimmorganismus in größere Lhätigkeit, als bei der gewöhnlichen Conversationssprache; noch mehr ist dies beim Gesäuge der Fall, welcher nichts Anderes iß als eine Deklamation in musikalischer Form. Weil aber die musikalische Form gemäß dem inneren Ton- und Melodiensinn die-Deklamation mehr in die--Länge zieht, so müssen' im Gesänge die Wort- und Satz-Accente stärker hervorgehobcn werden, damit sie trotz der Ausbreitung des Satzes dem Ohre deutlich fühlbar bleiben. Das dem Texte entsprechende Gefühl muß sowohl in der verschiedenen Tonfarbe der Vokale und in der größeren oder geringeren Schärfe der Aussprache der Consonanten, als in der Art der Athemthätigkeit hörbar werden: die Erregungen der Seele müssen am Tone selbst erkennbar sein. Die Lebendigkeit der Gefühle wächst mit der aus einer gediegenen moralischen und intellectuellen Bildung entspringenden Auffassung und Begeisterung für große Ideen; und blitzschnell theilt sich das innerste Ergriffensein der Seele den Nerven und durch sie auch allen den Muskeln mit, welche zur hörbaren Offenbarung des inneren Lebens bestimmt sind. Die Naturwahrheit ist das höchste Gesetz für den Künstler. Dieselben Gesetze, welche für die Deklamation der Sprache gelten, finden auch in der Deklamation des Gesanges ihre Anweudüng. Was in der Rede unstatthaft ist, ist es auch im Gesänge. Vor Allem dürfen die zusammengehörigen Worte nicht durch Pausen oder Aihemholen getrennt werden; das Athemholen muß sich nach den sprachlichen Gesetzen richten. Besonders darf also der Artikel nicht von seinem Hauptwort durch neues Athemschöpfen geschieden werden, ebenso das Adjectivum nicht von seinem Hauptwort, die Präposition uicht von dem durch sie regierten Artikel und Hauptwort. Wir bekamen erst kürzlich ein Heft Mendelssohnffcher Lieder: