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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-09-16 · Heft 30 (16.9.1888) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 30 (16.9.1888)
Date
1888-09-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Fenstergemälde stehen noch in Aussicht und hat man dieselben einstweilen in dem Museum der Heiligthümer im Vatican ausgestellt. Ich war auch bei verschiedenen gottesdienstlichen Acten anwesend. Mit Vergnügen erwähne ich, dass bei Schluß des Sabbathausganggebetes, in welchem moralische und religiöse Vorträge einen Haupttheil bilden, die Kinder der Thoraschule ein von dem Herrn Ober.abbiner Fornati gedichtetes hebräisches Lied mit italienischer Uebersetzung singen. Unter den vielen jüdischen Institutionen in Rom verdient die ״Hadrath Kodesch" besondere Erwähnung. Ihr Zweck ist, die Aufsicht darüber zu führen,, dass bei allen religiösen Handlungen der äußere Anstand gewahrt werde. Der ehrwürdige. Herr Samuele Alatti ist Ehrenpräsident und die Rabbiner und Beamten der verschiedenen Synagogen sind active Mitglieder dieses Vereins. (j. Chron.) Krseb. Am 3. September hielt Se. Majestät der Kaiser hier seinen feierlichen Einzug. An der Spitze des Spaliers wurde der Kaiser vom Bürgermeister, dem Stadtrathe und der Bezirksvertretung. erwartet; diesen schlossen sich die katholische Geistlichkeit, der Frauen- und Herren-Hilssverein vom rothen Kreuze, die Verrreter der israelitischen Cultusgemeinde mit dem Rabbiner und ungefähr 30 hier bestehende Vereine an. Um 10 Uhr wurde unter anderen Korporationen auch der Cultusvorstand mit dem Rabbiner Dr. Friedländer von Sr. Majestät in Audienz empfangen. Der .Kaiser sprach diese Deputation in huldvollster Weise an: ״Es freut mich sehr, Sie hier zu sehen." Hierauf erbat sich Se. Ehrwürden Herr Dr. Friedlänber, der im vollen Ornat erschienen war, die Erlaubnis, den üblichen Segen bedeckten Hauptes sprechen zu dürfen, welchen Wunsch der Kaiser ״mit Vergnügen" gewährte. Nachdem,Herr Dr. Friedländer sowohl in hebräischer als in deutscher Sprache den Segen gesprochen und den Kaiser ehrfurchtsvoll begrüßt hatte, dankte ihm der edle:Monarch für den Segen und erkündigte sich in höchst leutseliger Weise, bei ihm über die Verhältniße unserer Gemeinde. Auch dem .Präses der Gemeinde, Herrn Stadt- und Gerichtsarzt Dr. S. Sachs, wie den anderen Migliedern der Deputation wurde die hohe Ehre zu Theil, von Sr. Majestät in huldvollster Weise angesprochen zu werden. Der Baal-Tephilla. Von M. I, R a b bin owitsch. , Aus dem Russischen von A. Lev in - Sagan. ,(Autorisnte Uebersetzung.) (Nachdruck verboten.) . (16. Forschung.) Der Onkel beschwichtigte sie, indem er ihr versprach, mit dem Schammes zu reden, dass er ihr einen besseren Platz anweise. Nach dem Abendessen, das ziemlich lange, gedauert, saßen, wir noch gegen eine Stunde zusammen , in einer Unterhaltung von mehr oder minder religiösem Inhalt. Am folgenden Tage, noch vor Sonnenaufgang, waren schon Alle auf den Beinen und kleideten sich hastig an, um in die Synagoge zu gehen. Meine Tante im Feststaat — einem Hellen, aschsardenen, goldig gestreiften Wollenkleide, einem , wattirten Lustrin- Bürnuß mtt einem runden, hellgeblümten Kragen und. einem rothen Seidentuche auf den! Kopf — gibt Channelen die Weisung, was zum Frühstück, während der Vorlesung aus der Thora, und was zum Mittag genommen, wie viel Hühnerkeulen und Günseleberchen mit Zwiebel ״eingehack^, wie viel Eier und Schmalz hineingethan werden sollten u. s. w. Trotz ihrer vierzig Jahre war sie noch sehr hübsch in ihrer Festtagskleidung; ihr, von den schnellen. Bewegungen und der Erregung gerothetes Gesicht arhmete Frische, und die gutmüthigen Augen, die. sonst ziemlich indifferent in die Welt blicken, leuchten jetzt ein ungewöhnliches Feuer. Und was den Onkel betrifft, so sah er mehr denn je wie ein wahrer Patriarch aus und drückte . einen gewiffen mittheilsamen, würdigen Seelenadel aus. Ueber seine . gewöhnliche Feiertagskleidung hatte er. einen prächtigen, , mit Atlas bezogenen Pelz geworfen, der ihn nebst dem . Tallis,. welchen er überseinem Atlaßrock trug, ganz einhüllte; auf 'seinem Kopse saß eim runder ״Spodeck" (dreizackige Pelzmütze), was׳ Alles der. Onkel selbst bei der sengenden Sommerhitze zu tragen pflegte. Auf den Straßen unseres Viertels herrscht abermals große Bewegung. Alle Männer und Frauen, sowie Kinder männlichen Geschlechts eilen in die Synagoge. Aus manchen Häusern - dringt das jämmerliche Geheul der Kinder, die, in heftigem Zorn darüber,, dass ihre Mütter sie verlassen; sich auf. die Erde werftü, mit. den Füßen stampfen, schreien und. lärmen. Und wenn sie sich.überzeugen,, dass dies Alles nichts nützt, setzen sie den enteilenden Müttern nach, in bloßen Hemdchen, mit noch verschlafenen Gesichtchen und zerzausten Haaren, mit verzweifelter Stimme über die ganze Straße׳ schreiend: ״Maine, Mame, ich will auch mit!" ״Wein' nicht, Betele", beschwichtigt eine Mutter den ihr nachlausenden Knirps, der mit der einen Hand sich krampfhaft an den. Schoß ihres kaffeefarbenen Kleides hält und mit der anderen zu. einer Faust geballten Hand die über seine beschmierten . Wangen reichlich fließenden Thränen wegwischt. ״Wein' nicht, Sara wirddir den ״Puppeck" (Magen) von der Henne und ein Stück Me-׳ lone geben." ״Ich — mag'— nicht!" jammert der Kleine bitterlich. ״Nun, dann wird sie dir Weintrauben geben." ׳ ״Ich. mag nicht. - - ־ ״Was denn willst du?" ״Ich will in die Sy—na—go—ge!" ״Bist noch, zu klein; Du darfst noch nicht hin".' . ״Ja, warum ist Leiserke gegangen?" ,/Leiserke hat einen reichen Vater, der ihm einen neuen Anzug gekauft -hat; Du aber hast nichts an außer den ״Maitkes" (Hosen)." ״ ׳Will auch'nen neuen Anzug". ׳ ״Gut, zu Suckos bekommst du einen und dann werden wir dich auch in die Synagoge nehmen; jetztaber geh nach Haus". ״Jetzt Anzug kaufen!" ״Heut ist Jomtow, man darf nicht". Und schnell entfernt sich die Mütter; der Range lärmend und׳ schreiend, ihr nach. Nachdem die Mütter nun alle Argumente׳, fruchtlos erschöpft, -greift sie zu einem wirksamem Mittel: den starrsinnigen Bengel aufs Knie legend, — mit dem Gesichte nach unten und den Weichtheileu nach oben —- bemüht sich, auf den letzteren handgreiflich ihre Macht und das Ueberzeugende ihrer Argumente zu beweisen.. Doch der arme, kleine Kerl ist dadurch noch nicht überzeugt, sondern wirft sich auf die Erde, wälzt sich, im Staube und zum Zeichen des Protestes mit Händen und Füßen energisch um sich schlagend, erfüllt er die Luft m't seinem betäubenden, durchdrrngenden Geschrei.. Und er Hört nicht auf: zu protestiren, bis Sara herbeieilt und. ihn mit Gewalt ins Haus schleppt, wo ec bald beruhigt wird durch den verheißenen ״Puppet" und das große Stück Melone... . - - - " X.; . ' ’ ־ ' '. ' t. Die Synagoge , ist buchstäblich vollgepfropf( mit Menschen.. An irgend welche Passage ist überhaupt nicht zu denken: alle Gänge sind voll mit Tabourets, Stühlen und längen Banken, die hingestellt sind, wo es gerade passte; auf jedem Sitze sind mehrere Personen > zusammengezwängt, - sich, eines Gebetbuches bedienende Und wenn zufällig irgendwo ein freies Plätzchen aus der Erde geblieben ist, so ist es vow einem Haufen Kinder belagert, die gern: aus dem. wenig Heu sitzen, wo sie bequem׳ plaudern und erzählen können unter den lauten Stimmen der Beter. Ein Gemisch der verschiedenen menschlichen Ausathmungen; spezielle, jedem Individuumbesonders eigene Düfte; der Geruch von Schnupftabak, Haaröl). schlechter Pomade, schweißigen Taleßim und menschlichem Schweiße — dies Alles erfüllt die total verdorbene Lust der Synagoge, sie- ך scheint sich zu verdicken zu einem düsteren Nebel. Matt nur brennt ein halbes Dutzend Talglichter auf dem Betpult, so dass ihre bleiche Flamme, kaum sichtbar ist. — Der greise Baal-Schacharis, Reb Boruch, steht vor dem Pult und, sich verzweifelt schüttelnd und gestikulirend, macht er. mit seiner altersschwachen und tremolirenden Stimme einen , endlosen Triller, variirt wie ein wahrer Virtuos über.das Thema einer schlichten.traditionellenMelodie.' Ich stehe

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