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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-09-04 · Heft 29 (4.9.1888) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 29 (4.9.1888)
Date
1888-09-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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deöterreicliiiii-uiigarisehe Orirsizx ( Hkrünumerationspreis Für Stvcittf mitglftbec. Bauzjührig fl. 5.— Halbjährig fl. 2.50 Vitrreljährig fl. 1.25 Für Nicht» ttglieder . Ganzjährig fl. 6.— Halbjährig fl. 3.— Birrteljährig fl. 1^50 Für da» «l«»l««d Ganzjährig fl,.».— 10 Mark ob« 5 Sattel. ffr Le ÜLereM Mischer Hsatoren M Kr scheint jeden achten Gag. Begründer: Obcreantor Jacob Bauer. AedactilM und Administration Wien, L, Rovarasaffe Rr. M Inserate werden billigst berechnet. Manuseripte werden nicht retonrnirt. Nr. 29. Wie», 4. Scptkmbcr 1888. 8. Jahrgang. Einheitlichkeit -es SynagsgeugesanHes. Wenn Entschuldigüngsgründe, wie Zeitmangel, Geschästsüberdürdung, Indisposition und ähnliche Beschönigungsphrasen eine UNterlassungssünde zu mildern vermögen, so würde ich sie diesmal auchfür mich in Anspruch nehmen. "An stete Einförmigkeit des Tagwer- . ^? MMum MkaüfenW Kanzleiagenden zeitweilig unterbrochen, ist mir jede außeramtliche Thätigkeit nachgerade rin. Gräuel! geworden. Sei es darum, wobei eine nunmehr gegenständlos gewordene Rücksicht für einen ein gleiches' Thema behandelnden Collegen mit thätig sein mochte — diese Zeilen, eine wesentliche Bedingung meiner in Nr. 18, Jahrgang 1887 der Cantoren- Zeitung in Fluss gebrachten Gegenstände der ״wichtigsten Tagesfragen"., habe ich schon vor Jahresfrist als flüchtige Skizze in einen Winkel der! Schreibmappe gesteckt, im Drange der Geschäfte auszuarbeiten׳ vergessen und erst heute bei gelegentlicher Durchschau zum Vorscheine gebracht.׳ Verblüfft, wie ein des Wortbruches; Ueberwieseuer/ durchflog ich Len Inhalt des .halbvergilbten Manuskriptes und jedes Wort, jede Partikel schien mir den herben Schimpf eines Prahlhanses und-Maulhelden ins Angesicht zu schleudern; . denn obschon keinen-Anachronismus, so habe ich doch eine ungerechtfer- ,tigte Verzögerung dieser längst angekündigten Fortsetzung verschickdet. Offenherzig und reuevoll dieses Sündenbekenntttis ablegend, wolle der geneigte Leser diesen Herzenserguss langmüthig hinnehmen, als Anfang des Anfanges, oder..— als nicht vorhanden betrachten. Und nun zur Sache. Unlösbar, wie die Quadratur des Kreises, scheint mir auch die aus obiger Udberschrift resultirende Aufgabe zu sein. Diese Prämisse mag vielleicht nicht unangefochten׳ bleiben, jedoch als Ansicht, die ich mit vielen Kennern des Synagogengesanges checke, verdient sie allenfalls Beachtung. Nicht, dass wir ' der Vorbedigungen enträchen, deren Abgang das Scheitern jedes'Vorhabens bedeutet.. Im Gegentheil.! Eine überströmende Fülle vorzüglichen ׳ Materials, eine kolossale Menge' der Sangesweisen, ׳ der ganzjährigen, Synagogen-, liturgie söwdhl, äls auch allen denkbaren Casualien 'angepasst/ in -einer Mannigfaltigkeit und Abpufuntz,l deren׳ gleichest kaum!eine Kirche sich rühmt> nennen׳ wir unser eigen. Aber was wir haben und als eigenstes Gemeingut wähnen, ist voll innerer Widerspräche — Widersprüche, die uns jenes Stützpunktes berauben, dessen wir zur Erzielung des angestrebten Einheitsprincipes so sehr bedürfen. \ Es wäre müßig, sich in Einzelheiten zu verlieren, wo schon iw die Rüstkammer jener Gefangseigenheiten zu thun, deren Allge» meinbegriff: Synagogengefang heißt. Aus drei Hauptlypen zusammengesetzt — Traditions-, slavo-orientalische, (polnische) und moderne (germanisch-lateinische) Weife, ist das Dämmern und Dunkel seiner Abkunft, mit alleiniger Ausnahme des Letztgenannten, von einem förmlichen Sagenkreis umwoben. Jeder für sich ist eine Welt im Kleinen,, von der feilenden und idealisirenden Kunstrichtung unseres vorwärtsstrebenden Jahrhunderts auf den Piedestal ihrer dermaligen Ausgestaltustg.erhoben. Fremd und ohne Jdeengemeinschaft geht jeder Typus seine eigenen Wege, nebeneinander, doch nimmer miteinander harmonirend. Allen voran geht der Tradition sgesang. Ihm als Kl ystallisationspunkt, zu dem sich. alle Nebentypen wie Trabanten zu einem Fixstern verhalten, dessen PGularität mit zu den Räthseln im Bestände vieler ungeschriebener Riten(Minhagim) in Israel gehört — ihm wollen wir zunächst unsere Aufmerksamkeit schenken. Stillvergnügten Herzens, mitsin gend und mitempfindend lauscht der andächtige. Stammesgenosse, und wäre seine Religionsanschauung vom süßen Gifte des Jndiff erentismus wie immer angekränkelt, zur Festeszeit, oder wann sonst ein Herzensbedürfnis ihn ins'. Gottes- Haus drängt, den. Klängen jener anheimelnden Weisen, deren Ursprung er, nach Vorfahrenbrauch, ins graue Alterthum versetzt; in möglichen und unmöglichen Accorden secundirt er., dem Vorsänger erst leise, dann vordringlich, als: müsste er . seiner befriedigten -Herzensftimmungl in. einem tönenden Echo Luft-.machen. Diese kindlichfromme Pietät/.mit der Muttermilch für. Lebensdauer. vollgetrunken/ geräth auch dann nicht ins Wanken, wenn er ^die Ueberzeugung. erlangt, dass jedes Lgnd,-ja. selbst jede. Gemeinde ihren eigeneu^ Tra? ditionsgesang, und zwar nach einem Zuschnitte, cultivirt,? dass er alles andere, nur nicht den Namen Traditipl^gesang verdient. - Diese Pg-! riantenmenge ist es auch, die einen wahren Antagonismus^ ein.

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