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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-08-27 · Heft 28 (27.8.1888) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 28 (27.8.1888)
Date
1888-08-27
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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— S — der Familie, aber am lautesten tont es unausgesprochen aus dem mir Vorliegenden Bericht über das öffentliche Schulwesen: in einer von den vielen ,darin enthaltenen Beitragskisten be findet sich unteT 108 Namen 21 Mal der bewusste. Ans dem Garge meiner Unterhaltung mit der rabbinischen Excillenz hatten sich die letzten Betrachtungen entwickelt, ohne' dass mein ehrwürdiges Gegenüber dieselben ausgeführt hätte, nur als der selbstverständliche Name und der seines Verwandten Morpurgo genanm wurde, diffen ganze Thätigkeit sich der Förderung des Schul-' wesens und der. Wohlthätigkeitsanstalten zuwendet, erhob mein Wirth das Auge zum Himmel mit den Worten : ״ Gottes reichster Segen über siet" Inzwischen hatte uns ein.junges aufgeschossenes Röslein von Saron, ein Machen von unglwöhulich seinen Zügen, ans schwerem silbernen Brett in Zucker gekochte Noscnblätter gereicht (nach türkischer Sitte nimmt, man einen Theelöffel voll aus der Schale, führt ihn unmittelbar zum Munde, /trinkt dann etliche Schlucke Wasser, gibt den.׳ Löffel in das gebrauchte Glas und dieses auf das Brett, mit welche»! der Aufwärter zu׳dem Nächsten geht), ein Meisterwerk, der Einmachkunst und, wie mir an gedeutet wurde, aus.der kunstreichen Hand der Gattin Signor Asscos hervo rgegangen. Dann folgte die ׳Cigarette ..׳für die Gäste und schließlich, der schwarze Caffee 2 1a tui'ca,. von. welchem auch unser!» Wirt einer jener winzig, kleinen Schalen gereicht-wurde, die -hier' aus. feinstem Sevres-Porzellan ' waren —' ein frommes Geschenk. ׳. Als - ich den Caffee pries, den ich m gleicher Güte nie. vorher genossen zü haben glaubte, bemerkte der Hausherr freundlich lächelnd, das Gewächs sei eine edle Gabe eines - Amtsbruders aus Ziemen. Aus Jemen! ״Ein Amtsbruder aus. Jemen!" Ferdinand Freiligrath hätte darauf ein. begeistertes Gedicht gemacht. Dreivierte! Stunden etwa hatte meine Audienz gedauert, als mir Doctor L. daL -Zeichen zum Aufbruch gab. In gewinnendster Weise verabschichete michMer würdig(Mann,? mit.wiederholtem Händedruck und Segenswünschen für das ׳Gelingen meiner Reise. Diesmal geleitete er mich bis zur Treppe Draußen lag Heller Sonnenschein über den friedlichen Straßen, die heute, gleich, ihren Be׳ wohnern, im Festgewande der Reinlichkeit prangten. Ueberhaupt'sind die Straßen ungleich besser gepflegt als z. B. die der beiden andern -Hauptstädte' der . europäischen Türke( Conftantinopels und Adrianopels. Die belebtesten Verkehrswege sind mit behauenen oder .Quadersteinen gepflastert:, die Kosten der Herstellung werden von den. jüdischen Kaust euten getragen, welche, für jeden für fie ankommenden oder von ihnen abzusendendcn Ballen .einen kleinen Betrag für Straßenerhaltung verwenden..Dazu gehört auch das Kehren der Wege - oberflächlich wird .es fast, jeden. Abend vorgenom'men, an!dem Vorabend des Sabbath oder der hohen Feiertage'indessen mit solcher Gründlichkeit,׳ dass eine Berliner Straße dann nicht sauberer - auszusehen vermag. Auch die Feuerwehr wird ausschließlich von den Juden, betrieben. Der Staat hat ihnen dafür von der früher er-? wähnten Militärbefreiungssteuer: ״׳dreitausend Köpfe abgezogen"; die großen aUkkändischen Versicherungs-Gesellschaften leisten ebenfalls Beiträgen Die Ausdchnung der Brände wird durch , das blitzartig - schnelle 'Erscheinen der Löschenden und ihre Unerschrockenheit auf' Las geringste Maß beschräntt, obgleich die zahllosen, kleinen Holz- Kauten, aus welchen die Stadt zumeist besteht, den denkbar besten ׳ Feuerherd bilden. Und während z. B. die zünftigen Löschmänner: Eonstantiuopels (״Tolambadschi", im Gegensatz zu der von Graf Szechenyi nach Berliner Muster begründeten Feuerwehr) ihr Geschärt durch Raub und Erpressung schänden, herrscht hier die un- LÄringteste Zuverlässigkeit — ein Diebstahl bei solcher Gelegenheit hatte völlige Aechtung des Thäters im Gefolge. Kleine Chronik. Men. Der Geburtstag des Kaisers ist stets ein Freudenfests ein Volksfest im edelsten Sinne des Wortes) . anwekchermMe-B^ rvohner des großen, weiten Reiches in gleichem Maße theilnehmen^ Alle die bedauerlichen Gegensätze' religiöser, nationaler,: politischer- und socialer Natur, welche leider die Einzelnen von einander trenne( verschwinden an diesem. Tage; da fühlen sich Alle einig in. dem Bestreben, dem geliebten. Monarchen, dem treuen Väter aller seiner Völker und Unterthanen den schuldigen Tribut von herzlichster- Liebe und innigster Verehrung darzubringen. Und Heuer, wo der weise.und' milde Landesvater den vierzigsten Geburtstag währendseiner Regierungszeit begeht, wo uns nur noch eine kurze Spanne Zeit von den! Augenblicke seines Regierungs-Jubiläums trennt,, .wurde der 18. August in besonders feierlicher Weise begangen. In allen Synagogen der- Monarchie wurden Festgottesdienste veranstaltet, und überall, stiegen inbrünstige Gebete für das Wohl unteres, glorceichey Kaisers zum Throne Gottes empor Wade«. . Der neugewühlte Gemeinderath Badens mit dem. Bürgermeister Franz Breuer an der Spitze, hat dieser Tage Gelegenhett genommen, seine liberale Gesinnung praktisch zu documentiren: Der Tempel -unserer Cultusgemeinde ist nicht so groß, um an. den hohen-Feiertagen all' die Andächtigen zu fassen, welche hier als. Curgäste weilen. Es. würde -zu diesem Behufe alljährlich ein Privat- Betlocal benützt, welches aber auch nicht ganz hinreichend war. Besonders dieses Jahr, da die hohen Feiertage so früh fallen,׳ wäre ׳ dieser Mangel zu eclatant.׳ Unser Präses, Herr Moriz Lettner, der stets mit Leib und Seele für das Wohl der Gemeinde bestreb! ist,, schritt daher bei der Stadtgemeinde um Ueberlaffüng des großen Redoutensaales, in welchem das Nollet'sche Museum untergebracht ist, für die hohen Feiertage ein, welches Ansuchen vom Gemeinderathe am 14. .August einstimmig bewilligt wurde. Saar. Vor kaum einem Jahre bildete sich hier ein Cultus- Verein. Dank der Opferwilligkeit unserer Mitglieder, sowie der- : Energie unseres Vorstandes stehen wir heute einig. und fest beisam-. . ttnen, erfreuen uns der Achtung nach außen und besitzen.ein. reich, -ausgestattetes'Bethaus und eine Schule mit schönen Lehrmitteln. Aus Anlass der Geburtssestes Sr. Majestät des Kaisees. veranstal- , tele unser Religionslehrer - am. 18. August einen feierlichen Gottesdienst mit Predigt, welchem der erst kurze Zeit hier wirkende k. k. Bezirksrichter, ein Mann von höchster Intelligenz und frei von -jeder Voreingenommenheit, ferner der k. k. Steueramts-Controllor,.: sämmtliche Gemeindemitglieder, sowie mehrere Damen und Studi- 'renbe kathol. Religion beiwohnten. Die einzelnen Gebetstücke wurden, erbauend vorgettagen, und die gehaltene Festpredigt war von großer Wirkung. Den Schluss der erhebenden Feier, über deren Verlauft der Herr Bezirksrichter seine vollste Anerkennung aussprach/, bildete die Absingung der Volkshymne. - Strakopitz. Am 17. und 18. d. M. fanden im Israelitischen Cultüstempel in Strakonitz zwei Festgottesdienste statt, "dereine, zur Feier des allerhöchsten Geburrsfestes Sr. Majestät des- Kaisers, und der zweite, um auch den dankbaren Gefühlen anlässlich, -des 40jährigen Regierungsjubiläums unseres.glorreichen Monarchen Ausdruck zu verleihen. Der zukünftige Landes-Rabbiner von Bul-? garten, Rabbiner Dr. Dankowttsch, sowie Ober Cantor Emil Fränkel functiönirten bei beiden Festgottesdiensten. Der letztere componirte eine Fest-Keduschahdie andachterweckend wirkte und in ׳welchem Fräulein׳ Flora Fränkel-die Sopran-Soli geradezu künstlerhäft vor-- trug. Der Tempel in Strakonitz wurde zum allerhöchsten Geburts-. feste vollständig renovirt und׳ machte einen sehr angenehmen Harmo-. nischen Eindruck.- Strakonitz.' Am 18. d, M. feierten im Familienkreise wieim Gotteshause Herr Moriz Saxl und seine edle Gattin ihre silberne Hochzeit gleichzeitig mit der Bar-mizwah ihres jüngsten Sohnes. Die liebenswürdigen Eigenschaften dieser biederen - Familiesind bekannte, Thatsachen,. die nicht ins Fachblätt gehören, aber Moriz Saxl. als Sänger, Moriz Saxl als Mustertenor, der durch. 26 Jahre als Privatmann, rein aus Liebe zur heiligen Sache beim! Gottesdienste mitwirkte und die Stütze eines jeden Cäntors in Strakonitz war, muß hier dankbarst und anerkennend erwähnt werden. Der Allmächtige bescheide diesem wackeren Manne das Glück, das.

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