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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-08-19 · Heft 27 (19.8.1888) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 27 (19.8.1888)
Date
1888-08-19
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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— *7 — peUgenügeH an den>hohen Feiertagen bei weitem nicht den. Ansorderder mehr über 500 Mitglieder zahlenden Gemeinde. Mit der Ausführung des Neubaues wurde der anerkannt tüchtige Architekt Herr Max Fleischer aus. Wien betraut, der ähnlich.׳ Hauten an anderen Orten schon wiederholt zur höchsten Zufrieoenheit errichtet hat. Greöitsch : Das, über unsere Stadt kürzlich hereingebrochene Hochwasser hat auch auf dem jüdischen Friedhofe große Verheerungen angerichtet. Viele Gräber wurden aufgedeckt, die Särge auf dir Oberfläche gebracht und fortgctrieben, Leichen und Leichenrette zerstreut. Der Anblick war ein grauenerregender. Die Leiche des kürzlich verstorbenen Kaufmannes Ornstein wurde hatbverwest weit vom Grabe aufgefnnden. Während ein altes Mütterchen wehklagend an dem aufgeschwemmten Sarge ihres Gatten stand, sank sie in das aufgeweichte Erdreich und wurde nur mit Mühe befreit, Es kam zu erschütlernden Scenen, als Friedhofbesucher die aufgedeckten Leichen von Angehörigen fanden. Iranzenskad. Wie alljährlich, so besuchte auch dieses Jahr Se. Exzellenz Baron. Horace von G ü n z b u rg, kaiserlicher russischer Staatsrath und Chef des Bankhauses I. E. Günzburg in Petersburg, mit seiner zahlreichen Familie unser Bad. Baron Günzbürg ist als Wohlthäter bekannt und ein Hort uw'erer in Rußland gemaßregelten Glaubensgenossen. Baron Günzburg führt auch hier ein vollkommenes jüdisches Haus und streng rituelle Küche, ein Beweis dass hohe Stellung und Reichthum keine laxere Ausübung uuserer Glaubenssätze zur Folge haben muß. . Der Baai-Tephilla. Von M. I. Rabbinowitsch. Aus dem .Russischen von A. L e v in - S a g a n. (Anlvrisiite Uebersetzung.) (Nachdruck verboten.) (14. Forschung.) An. der Ostwand, au beiden Seiten des ״Aron hakodefch," sitzt, in ״Kitteln" gehüllt, die ״Hautevolee" der Synagoge, zu denen die - Klebrigen mit einet gewissen Ehrfurcht emporschauen. Es sind dies der in der Nachbarschaft wohnende Melamed Reb Chone — ein langer hagerer Greis mit einer respektablen krummen Nase, kleinen, ungesunden, dunk lgraueu Aeuglein und einer hohen, faltenreichen Stirn. Reb Chone ist ein sehr, frommer Jude, allein er besitzt nur ein sehr bescheidenes Maaß von Wissen und zieht es, vor, ״im Dorfe der Erste als in der Stadt der Zweite zu sein" und wählte daher diese dürftige Synagoge der Dürftigen, wo man zu ihm emporschaut, wie zu einem höheren Wesen und ihn für einen bedeutenden Gelehrten hält — was ihm sehr angenehm ist. Neben Reb Chone sitzt ein rüstiger, stämmiger Alter, dessen langschössiger Rock und lange graue Peies einen grellen Contrast bilden zu seinem ausrasirten Kinn. Er hieß Reb Awrohom und ist ein ausgedienter Soldat^ aus der Zeit der Cantonisten, der alle Schrecken und Aengsten ertragen und ist seiner Religion und seinem Volke treu geblieben. Er besitzt in der Nachbarschaft eine Schenke und zeichnet sich durch grenzenlose Frömmigkeit und- Wohlthätigkeit aus. Obwohl er kaum eilf Jahre zählte, als er zu den Soldaten genommen wurde, ist er doch noch ziemlich bewandert in der hebräischen Sprache, versteht er den Text des Pentateuch und der Gebete und sogar auch der Mischna. Der andere Nachbar Reb Chone's ist der Wirth des Hauses, in welchem die Synagoge ist; man nennt ihn Reb Peßach. Es ist dies ein kleines Männchen mit einem bleichen, stachen Gesicht, einer noch flacher», breiten Nase und kleinen, flinken, etwas schielenden Aeuglein. Er ist sehr unwissend, aber kein böser Mensch, obwohl sehr geizig, er liebt es, den ״Chossid" zu spielen, und hört gierig allen Disputen theologischen Inhalts zu, um etwas aufzuschnappen. Wie die Andern, so hält auch er Reb Chone sür einen großen ״Lamdan" und einen großen Chossid, und während des Gebetes beobachtet und kopirt er ihn in Allem. Seinen größten Ehrgeiz .*) Alle ausgedienten Soldaten mussten sich den Bart rasiren lassen. In ihren Entlassungsscheine» stand bemerkt; ״Den Bart rasiren und nicht betteln gehen!" .setzt er in seinen Ruf als Mäcm "der ^Zaddikim" und nimmt da rum mit besonderer Vorliebe zn sich in Quartier alle Angehörigen derselben. Er liebt es, - in die Unterhaltung irgend ein Citat aus Bibel oder Talmud mit einzustechten, dabei in polizeiwidriger Weise Alles verdrehend und bunt durcheinander, mengend. Zur Rechten des Aron haksdesch sitzt der Schuster Reb Gawr iel, der -nach der allgemeinen Behauptung, ungeachtet seines Hand- Werks, ״oft ins Buch guckt". Es ist dies ein Mensch von großer Frömmigkeit und großer Herzensgüte, der am Sabbathe und Festtagen nie ohne Tischgast nach Haus geht und sehr bewandert ist im Talmud. Neben ihm sitzt gewöhnlich der Thora-Vorleser, Reb Leibisch, dessen werktägige Beschäftigung der Topfhandel ist. Er ist ein großer Spaßvogel und Witzling, der am liebsten mit Kindern verkehrt; er ist auch nicht abgeneigt, sich gegebtne n Falls über einen Narren selbst am Jom Kippur lustig zu machen. Er bläst auch ״Schofer" an Rosch-haschonoh". Weiter sitzt der ״Baal-Schacharis", ein Mann von etwa sechszig Jahren, der aus einem Nachbarstädtcheu hergekommen war. Und neben dem Baal-Schacharis, Reb Baruch, ist der Platz meines Reb Awner. Aber in demselben Maße wie diese Synagoge ihre — allerdings fast absolut geistige —Aristokratie hat, so hat sie auch ihren Pöbel. Dieser rekrutirt sich aus ׳ zwanzig bis dreißig Bettlern, Krüvpeln, verunstalteten, entlassenen Soldaten und ähnlichen armen Teufeln, welche mit Lumpen, die buchstäblich in Fetzen hängen an ihrem abgehärmten Körper, bekleidet sind und sich unmittelbar an der Thür herumdrücken, roo auch die.Jugend sich koncentrirt. Was׳ nun die Mittelklaffe anbelangt, sä besteht diese Gemeinde, obzwar sie als die der ״Stupper" genannt wird, nicht allein aus diesen. Es gehören ihr vielmehr auch an mehrere Frucht-Austräger und -Aussahrer, Obsthändler, arme Flickschneider und -Schuster, die zum größten Theil auf der freien Straße ihre Werkstätte aufschlagen, und aus der Mitte der letztgenannten Zunft wurde sogar der ״Gabbai" erwählt —nämlich derselbe Reb Joske, von dem oben schon die Rede war. Er ist roch ein junger, etwa dreißigjähriger M um, bei dem . das eine Bein bedeutend kürzer ist als das andere; das ist der ז Grund, .weshalb er sich einer Krücke bedient. Diese treue Seele wird von Allen entschieden geliebt. Und. er war so glücklich und so dankbar ob der ihm erwiesenen. Ehre, dass er keinerlei Opfer und Mühen scheute für die Synagoge. Und wie strahlte sein Gesicht vor Stolz und Glück, so oft aus dem ״Aron hakodesch^ die beiden Gesetzrollen genommen wurden, deren einzigen Schmuck, die silberne ״Jad", die dem Aufgerufenen die zn verlesende Stelle zeigt, er geschenkt hatte! (Forts, folgt.) Korrespondenz der Aedaetion. M. Gin St. Beim HerauSgever Pros. Löwenstamm, 1. Be;., Operngasse 6. F. R. 8. in R ״Kol rionoh" vom Musikdirektor Lewandowsky in Berlin. B. Stn I. Erscheint nächstens. Ehrw-.Dr. Fr. in Pis- Eingesandtes für die nächste Nr. Vorbehalten. Unserer Heutige» Hela mmtaustage liegt das Ureisvtatt des kekauute» G rotzyaudlungsyaufes von Sam. Uotter in Zriest Ver7 Uie Uedactia» Dis in meinem Selbstverläge erschienenen Jahrzeitgftdenkblätter, ,,Semane-Hatfiloa*׳ mit beweglichen Zeigern und Zifferblättern. 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