Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 27 (19.8.1888)
- Date
- 1888-08-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ArSrmru erationspreis [ Mir SminlMitgHit«. Ganzjährig fl- 5.— Halbjährig fl. 2.50 M.rtrljährig . fl. 1.25 Für Rtch«nittg»«»er Ganzjährig Halbjährig Dirrtkljähri^ K־': n fl. 8•— fl. 3.- fl. 1.60 fl. oder 5 Rubel. 'דיי 0€8terreicWilih־»t111garische Organ M ilie kytereßeo;Wischer nn<l Hultus-esmtM. Hr scheint;eben achte« Fa Begründer: Obercantor ünool» 8««or. en Ae-action und Administration Wien, II., Novaragaffe Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retsurnirt. Wien, 19. August 1888. 8. Jahrgang. Ein ׳Geitrag zur Klärung -er Frage über die traditionellen Tonarten. .IV. Zn den vorausgegangenen Artikeln haben wir es unternommen, den unwiderlegbaren Beweis zu erbringen, dass erstens der ..,EWGMWM?WMN^WfLW>MÄMMKMNLund wahrhaft strebenswerther ist; ferner haben wir klar und gründlich Larzulegen versucht, dass die nunmehr bekannten,Synagogentonarten . in keiner» :.anderen als im eigenen Boden wurzeln, wofür sich außerdem noch so mancher triftige Grund im Verlaufe dieser Ab- Handlung zeigen wird. Das Fundament des Gebäudes ist sonach vollständig gesund und haltbar, und nun wollen wir uns in die inneren Gemächer und oberen Stockwerke begeben, um auch diese - eingehend zu besichtigen und somit das ganze Werk unserem durchaus vorur theilsfreien und gänzlich unbeeinflussten, nur - der guten Sache allein dienen wollenden Urtheile zu unterziehen. Schreiber dieses, möchte aber noch mit folgender vorausgeschickter Nebenbemerkung allen möglichen Mißdeutungen im Vorhinein Vorbeugen, nämlich: dass es ihm weit entfernt liegt, sich hier als müßiger Kritiker vufdrängen zu wollen, der sich mit stolzem Selbstbewusstsein zü Gerichte setzt, um über das Geistesprodukt Anderer ein machtvolles ״Gut" oder ״Schlecht" auszusprechen. Das kann unmöglich das Vorhaben eines mit seinem Urtheile und seiner wissenschaftlichen Ueberzeugung sich so lange zurückziehenden und im Hintergründe sich haltenden Mannes sein; nur die lauterste Liebe zur heiligen Sache und zur reinen Wahrheit hat diesen nachträglichen, eine Nachlese haltenden Artikel hervorgerufen, um an der Hand der in der eingangs erwähnten Brochüre gegebenen Kriterien eine Klarheit, und vielleicht auch ein festes Urtheil über den gesammten Synagogengesang — natürlich dies dann nur, wenn auch andere Fachge- «offen sich hierbei thatsächlich und mit vollem Ernste betheiligen werden — zu erzielen. Aus diesem Grunde ist der Verfasser Dieses auch genöthigt, sich einer größeren Ausführlichkeit und Gründlichkeit zn befleißen, was wie eine Art Pedanterie und Wortklauberei erscheinen könnte; aber da der Zweck nur der ist, über alles in dieser Sache noch Unklare und Dunkle hier zu verhandeln - und nach erfolgter allseitiger Besprechung und Erläuterung womöglich eine Verständigung׳ und 7 Uebereinstimmung unter den Betheiligten herbeizuführen, so kann auch eine vielleicht allzugroße Skrupulosität wohl verzeihlich sein. Und nun unter Got es Beistand zur Sache! Gleich beim Eintritte in die bezeichneten inneren Räume wer- M^wir^schon am Eingangsportale (Titelblatt) aufgehalten, indem wir geNöthrgt Md,^8WMdeütüngsvolle Ueberfchrift desfeköen — gewöhnlich das Resume des ganzen folgenden Inhaltes — genau zu betrachten, wobei besonders e i n Wort unsere Ausmersamkeit fesselt, das uns mindestens fremdartig erscheint und wenigstens einer etymologischen Erklärung bedarf. Der sehr geschätzte Autor fügt dem schönen und deutlichen Titel seines werthen Werkes ״Die Tonarten des tradir ionelleu Synagogengesanges" noch das kleine Wörtchen ״Steiger" bei, welches als Ergänzung und größere Verdeutlichung zu den obigen recht verständlichen und sich selbst wohlerkläreuden Worten dienen soll. ,Was ist nun ״Steiger"? Zwar fühlt sich Herr Rabbiner Dr. Grünwald von diesem Worte so begeistert, dass er einen wahren Hymnus darüber anstimmte und darin ein zweites פלד!״" , ein wirkliches Pendant von סוב למעלה השיר״“ — wie Manche das ״Sela" deuten wollen — erblickte; da aber der .Inbegriff des Gesanges und der Musik überhaupt nicht allein im ״Steigen", sondern auch im ״Fällen" und in der ״Seitenbewegung" enthalten ist, so kann dieses Wort keineswegs von der Radix ״steigen" abgeleitet werden. Dieses mehrerwähnte Wort stammt aus dem polnischjüdischen Jargon und wird damit in jenen Ländern unser Jmprovisationsgefang bezeichnet, aber es wird dort anders ausgesprochen und hat daher auch eine ganz andere, dem Sinne nach besser entsprechende Bedeutung. Wir müssen hier vorerst noch hervorheben und nachdrücklich betonen — was nützt auch, das zu vertuschen und zu verheimlichen, was sonnenklar auf der Hand liegt? Also nur heraus mit der Sprache, denn nur durch Offenheit und Freimuth kann die lautere Wahrheit zu Tage gefördert werden^— dass es grundfalsch und vollständig irrthümlich ist, wenn allgemein angenommen wird, der