Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 26 (9.8.1888)
- Date
- 1888-08-09
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Ausnahme einer Plüschmütze, die ich nur an Sabbathen und Feiertagen trug. Bei uns reinigten sich Me und wu'chen sich; Alle hatlen ganz neue Sachen an, und angesichts der neuen Satin-de- Linov Röcke, der neuen Stiefeln und Mützen meiner Vettern, kam׳ ich mir so bedauernswerth und armselig vor in meinen eigenen Augen mit meiner gemusterten Englischtuchhose, dass mein Herz sich krampfhaft zusammenprefste, ich mich selbst bedauerte wie ׳einen Fremden und, die reichlich fließenden Thränen verschluckend, meine fuchsrotd gewordenen, schief getretenen, mit Flicken und Löchern bedeckten Stiefel putzte. ' ״Ei, es scheint gar, dass unser ״Sänger" sich so tief gesungen, dass er vergessen hat ״Zitziß" an seinem ״Arba Kanfoß" anzumachen", bemerkte der Onkel schon ganz angekleidet und bereit in die Synagoge zu gehen - ״Er hat sie gestern angemacht", antwortete Gerschon für mich und Alle entfernten sich. Die Tante sah meine Thränen; deren Ursache ahnend, blickte sie mich traurig an und sagte dann seufzend wie zu. sich selber: i,Ach, bitter, bitter, eine Waise zu sein und bei Fremden leben zu müssen!" Diese Worte waren sozusagen das Signal für mich, laut aufzuschluchzen. Schließlich hatte ich mich, so gut es gieng, heraus- .geputzt und eilte in die Synagoge. Alle Straßen hatten ein festliches Aufsehen angenommen: Männer in Festgewändern und mit noch triefenden Haaren von dem soeben genommenen Tauchbad' in der ״Mikwa", eilen, und hasten nach den verschiedenen Richtungen; neben oder hinter ihnen ihre Kinder, gleichfalls in Festtagskleidung, voluminöse Gebetbücher, zum großen Theile mit gelben Ledereinbänden, und mit schwarzer Preßverzierung in der Mitte, unter dem Arm oder in rothe Taschentücher gehüllt tragend; Andere in der Hand, aufdem Rücken oder auf dem Kopfe Fußbänkchen oder Schemeln tragend, um auf ihnen in der Synagoge, wo matt an diesem Feste keinen freien Platz findet, zu sitzen. . Allmählig aber verstummt Alles auf der Straße, hört jede Bewegung auf. Die Sonne HU sich gesenkt und die Häuser hüllen sich in einen dichten Nebel, der sich mit dem aus Thüren und Fenstern dringenden Dampf verbindet. .In der stillen, regungslosen, etwas feuchten Luft domiuirt ein gemischter Geruch von vielartigen und vielverheißenden Speisen; aber zugleich ist sie von etwas Wehmüthig-Feierlichem durchdrungen, ist Alles er üllt von einer gewissen gespannten Erwartung auf etwas Ungewöhnliches. Dieses ganze Bild, alle diese Festtagsgesichter und -Gewänder, denen man überall begegnet, lassen meine Nichtigkeit und mein armseliges Costüm noch mehr abstechen und vermehren meine Niedergeschlagenheit. Meine neuen Hosen scheinen mir eine bittere Ironie auf die übrigen Theile meines Costüms, deren Dürftigkeit durch ,jene noch krasser hervortritt, und je näher ich der Synagoge komme, desto mehr steigt mir das Blut in's Gesicht vor Scham. Und die kleine, sonst immer düstere Synagoge hat ihr Aussehen ganz verändert; eine Menge Lichter spiegelte sich wieder in den blinkenden Mefsingleuchtern und Kandelabern; der ganze Fußboden ist mit frischem Heu ausgebettet, das einen angenehmen Feldgeruch ausbreitet; der Schrank, der als ״Aron hakodesch" dient, ist mit einem schönen, weißseidenen Vorhang behängen, in dessen Mitte das mit Silber gestickte Wort ״Jehowah" prangt und mit einem gleichfalls silbernen ״Mögen,Dowid" umgeben ist. An den 'Enden ist der Vorhang von dunkelrothem Sammt eingefasst. Von ׳allen Seiten wird der Vorhang wegen'seiner Schönheit bewundert, er bildet das ״Ereignis" des Feiertages; von ihm sprechen die Andächtigen, an ihm weiden sich die Augen Aller — ist er doch ein Geschenk einer armen kinderlosen Witwe, die auf dem Markt . mit Obst handelt und mit diesem Vorhang alle im Laufe des Jahres gemachten Ersparniße geopfert hatte. Man nannte sie Sara Mirjam. Da . . . durch die Scheiben der Frauenschu? zeigt sich ihr sonnengebräuntes Gesicht mit der behaarten Warze auf dem Kinn; "sie sieht, wie alle an ihrem Geschenke sich weiden und trocknet mit dem Zipfel ihres Kopftuches die ihren grauen Augen entströmenden .Thränen. Alle Anwesenden haben sich in kleine Gruppen getheilt, die 'Einen stehen unmittelbar an der Thür, Andere am ״Schülchan" und wieder Andere am ״Aron hakodesch". Fall Alle haben Festgewänder an. Dort hat sich eine Gruppe von Knaben in dem Gange aufgestellt, die einander ihre Anzüge zeigen und ihre grauen, mit glänzenden Schirmen versehenen Mützen, die keck an die Seite geschoben sind, auf den reichen, heute sorgfältig gereinigten und, gescheitelten Locken. ״Aber mir versprach, mein Vater, zu ״Sukos" eine Sammtmütze - zu kaufen", tröstete sich selbst ein Knabe, der eine schrecklich schmierige Mütze mit einem zerrissenen Schirm aufhatte. End'ich beginnen Alle ihre Plätze aufzusuche.r; die laute, rauschende, bunte Unterhaltung legt sich allmählig; die Gesichter werden cöncentrirt, ernst; auf den Pulten werden Gebetbücher aufgeschlagen, in denen alle zu blättern anfangen, um das erforderliche Gebet aufzusuchen, wobei die Unwissenden, nachdem sie eine Zeit lang zwecklos umhergewühtt, sich an ihre Nachbarn wenden. ״Ja", sagt Einer, wie um feine Unwissenheit zu entschuldigen, zu dem Nachbarn, ״ja das' Jahr ist lang, und da vergisst sich's sehr leicht, wo das Eine oder das Andere im Gebetbuche steht." (Fortsetzung folgt.). Größtes Etablissement zur Anfertigung van Ornamenten für Synagogen als: ׳ שולחן •פרוכתDecken, NUIN^Bedeck-Tüchr, ימליתים Thoramäntel und (2 (מפותc. 3c. streng nach dem Ritus in künstlerischer, solider Ausführung. Die Inschriften werden nnter Zuziehung eines anell m :׳. Fachmannes correct ausgeführt. Zahlreiche israel. CultuSgemeinden des In- und Anslandes, , Wien Arad, Szegedin, B. Leipa, Tabor, Nachod, Breslau, Podersam, Philadelphia 3c. haben ihren diesbezüglichen Bedarf im obigem Atelier ausführen lassen, und liegen darüber anerkennende Zuschriften auf. Provinz-Aufträge werde» prompt effeetuirt. Skizzen und Muster gratis und franco. Wien, VH Bezirk, Weatbahnstr asae Nr. 21. CARL GlANI Geschäftsgründung 1860. Die schönsten and billigste n aus In- und Ausländer Granit, Porphyr, Syenit, Marmor, Sandstein ete. bester Qualität, kauft man nur bei M. Sonnenschein bürgerl. Stadt-Steinmetzmeister u. k. k handelsgerichtlicher beeideter Schätzmeister Wien, 1IX., Adamagaaae S. Kos enüberschläge und Zeichnungen werden auf Verlangen gratis und franco zugesendet. Die in meinem Selbstverläge erschienenen lahrzeitgedenkblätter, ,,Semane-Hatfiloa“ mit beweglichen Zeigen» and Zifferblättern. Kerenkajemestafel, Misragch and Montefiorebilder verkaufe ich kaligrafiseh ausgeführt und auch leer en gros und en detail, und sichere Wiederverkäufern bedeutenden Rabbat zu- A. 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