Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 24 (15.7.1888)
- Date
- 1888-07-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichiseh-ungarische Organ ^ränumerationspreis Für VereinSmitgUtder. Ganzjährig fl. b.— Halbjährig ״ fl. 2.50 Vierteljährig fl. 1.25 Für Nich1,,!«gN«de< Ganzjährig fl. 6.— Halbjährig fl. 3.— 'Vierteljährig fl. 1.50 Für baS NuKlanL!jährig fl. / 10 Mark oder 5 Rudel. für üie üytereffen jWscher ^sntoren M Hullnsbermten. Grscheint jeden achten Gag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Htedactian und Administration Wien, II., Novararaffe Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retonrnirt. Nr. 24. - Wien, 15. Juli 1888. 8. Jahrgang. Ein Geitrag M Klärung -er Frage über die tra-itisneüen Tonarten. - UI. Um die wirkliche Entstehungsgeschichte der uns heute als Ideal vorschwebenden Kirchentonarten gründlich kennen zu lernen und ihren spateren/ immer nur als nachkopirend, niemals aber selbstständig und wahrhaft schöpferisch sich zeigenden Entwicklungsgang deutlich veranschaulichen zu können,' müssen wir weit zurückgreisen und uns auf kurze Weile der altgriechischen Musikgeschichte zuwenden. Das kann jedenfalls Niemandem schaden, wenn selbst der Kundige etwas schon Bekanntes wiederholen soll, indem es immerhin von Nutzen ist, die alte Geschichte immer wieder durchzublättern und ihre heilsamen Lehren-sich nochmals ins Gedächtnis zurückzurufen. Pythagoras (gegen 580 v. Ehr. Geb.) soll zuerst eine Reihe von 8 Tönen, in 2 gleichmäßigen Tetrachorden von je einem halben und -zwei ganzen Tönen, wie diese hier : e—f, g, a, j h—c, d, e aufgestellt haben. Diese Art von Tetrachorden-Verbindung nannte man ״Disjuncta" (unverbundene Tetrachorde), weil hier jeder Tetrachord seinen eigenen. Grundtön und somit eines vom anderen einen vollen Ganzton. Entfernung hatte. Versetzte man aber diese beiden Tetrachorde . von oben nach unten und so umgekehrt, in welchem Falle dann — um die oben angegebene charakteristische Tonfolge der einzelnen Tetrachorde dadurch nicht zu alteriren — der Schlußton des ersten zugleich der Anfangston des zweiten Tetrachords werden musste, so entstand davon die2 ׳. Art der Tetrachorden-Verbindung, welche dann ״Coniuncta" (verbundene Tetrachorde) genannt wurde und stellte sich solche folgendermaßen dar : H—c, d, e—f, g, a. Aus diesen beiden Verbindungsarten gestaltete-man dann, indem man das letztere (gebundene) Tetrachordenpaar zuerst gestellt und ihm noch einen Ganzton (also das A) nach der Tiefe hinzugefügt hatte, eine lange Tonleiter von 4 Tetrachorden mit zusammen 15 Tönen, welche Skala sich somit in folgender Weise darstellte: A, H—c, d, e—f, g, a, | h—c, d, e—f, g, a. Wie man hier nun sieht, find die beiden ersten, wie die beiden letzten, unter sich verbundenen Tetrachorde, da sie je einengemeinsamen Ton haben, der bei einem den Schluss- und beim darauffole genden den Anfangston bildet, während, die 2 mittleren Tetrachord von einander durch einen Ganzton getrennt erscheinen. Diese Tonleiter wurde das ״größere System" genannt, zum Unterschiede von den Leiden anderen noch vorhandenen Systemen, nämlich das ״kleinere" mit 11 und das ״größte System" mit 18 Tönen, welche wjr wohl erwähnungsweise hier verzeichnen, aber nicht ausführlich darsiellen wollen, indem sie für diese Abhandlung als ohne Belang zu erachten sind. (Wer darüber noch näher unterrichtet sein möchte, den verweisen wir auf Marpurg's Hist. krit. Beiträge, 2. Bd., Artikel: ״Ob und was für- Harmonie die Alten gehabt oc.") Es bedarf wohl hier auch nicht einer besonderen Hervorhebung, dass das oben vollständig gezeichnete System nichts weiter als nur eine Derdoppelung unserer heutigen (absteigenden) A-M011-Tonart ist. Auf diesen Gebrauch nun der halben und ganzen Töne innerhalb eines Tetrachordenraumes gründete sich das damalige ״diatotonische Klanggeschlecht", im Gegensatz nämlich zu den derzeitigen chromatischen und enharmonischen Klanggeschlechtern, welche beide von den unserigen durchaus verschiedener Natur waren. Und da die beschriebene Tonleiter eigentlich nicht mehr als 7 wirklich verschiedene Töne hatte, alle übrigen aber nur Wiederholungen jener waren, so hat man — nach der Ptolmaei'schen System« und Octavenlehre — auf diese 7 Töne 7 verschiedene Octavengattungen (Modi) errichtet, die sich nach der jedesmaligen Lage ihrer Halb- und Ganztöne wesentlich von einander unterscheiden. Diese so neugeschaffenen Octaven wurde jede mit besonderem Namen, nach der Benennung jener Provinzen, für welche sie sich ihrem Charakter nach am besten geeignet haben, genannt. So hieß: Die 1. Oct. H—h. mit den halben Tönen zwischen 1—2 und 4—6 : ״mixolydisch". Die 2. Oct. c—c, mit den halben Tönen zwischen 3—4 nnd 7—8: ״ lydisch". Die 3. Oct. d—d, mit den halben Tönen zwischen 2—3 und 6—7 : ״phrygisch". Die 4. Oct. e—e, mit den halben Tönen zwischen 1—2 und 5 — 6: ״dorisch". Die 5. Oct. f—f) mit den halben Tönen zwischen 4—5 | und 7—8 : ״hypolydisch". ־!*»warss!!