Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 22 (29.6.1888)
- Date
- 1888-06-29
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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— 7׳ — -gefunden! Ich sehe sie fast jede Woche Hier. Und immer verstechen sie sich, als hätten sie keine Pässe. Da kommt Einer jeden Sonna.- bend und bringt mir immer Tabak zu einem Cigarrchen, als. furchte -er, dass ich Jemand etwas erzähle. Wie sollte ich es auch! Kenne ich denn hier Jemandvon den Juden? Ja, der frühere Billeteur konnte sie alle aufzählen.- Bisweilen versuchen' sie schon zu handeln, ob man es nicht billiger lassen könne — ach ja, man hat schon seinen Ulk mit ihnen!" Dies Alles stieß der junge Mensch . in abgebrochenen Sätzen hervor, jedes Mal ausspuckend und noch immer au seinen Cigarettenstummel, der schon zwischen seinen Lippen ganz verschwunden war,. schmauchend. W ährend dessen standen wir wie auf Kohlen, ohne zu wissen, was anzufangen. ״Frag', wie.viel es kostet", flüsterte Reb Awner mir zu. Ich frug- ״Dreißig Kopeken pro Mensch", antwortete der Kassier, uns von Kopf bis>Fuß musternd, mit einen verächtlichen, höhnischen Lächeln auf den Lippen. ״Wie viel sag? der Herr?" frug Reb Awner von Neuem. Dreißig Kopeken pro Kopf, sag? man Dir!" antwortete der Kassier herrisch und wiederum gähnend. Reb Awner reckte sich, langte in seine Tasche und brachte schließlich ein rothes Kattuntüchlein zum Vorschein Dieses aufbindend und vor den Kassier ausbrektend, zählte er die Kupfermünzen laut auf: ״Da, hat der Herr fünf Kopeken, d'a einen Gulden, da -einen kalben Rubel u. s. w. . Endlich erhielten wir zwei fettige, blaue Billets die in der 'Mitte entzweigebrochen und deren Ecken stark verbogen waren. Der junge Mensch, den wirdarauf'die Billets überreichten, zeigte uns -gutmüthig den. Weg, wobei er ״auf Tabak zu einem Cigarrchen" bat und auch erhielt, und wir stiegen ans einer schmalen, schmutzigen, schwachbeleuchteten Treppe empor, die mich au die Treppe, welche in unsere Mikwa führte, lebhaft erinnerte. — Der Aufgang schien gar nicht enden zu wollen,׳ und auf jedem Treppenabsatz musste Reb Awner anhalten, um Athem zu holen. Was ich im ersten Moment fühlte, kann ich nicht ausdrücken: mir hüpfte fast das Herz aus der Brust vor Erregung und Ungeduld; eine unbegreifliche, unerklärliche Furcht, äußere Verwirrung, ein gewisses drückendes Gefühl der Nie- > drigkeit und Nichtigkeit bemächtigten sich meiner mit jedem Schritte vorwärts, und jeden Augenblick war ich anheischig, umzukehren. Mir war es, als geriethe ich immer tiefer in ein furchtbares, endloses Labyrinth, von welchem kein Ausgang; als träte ich ein in eine neue, völlig fremde Welt, von der keine Rückkehr, und für ein n Moment war jenes brennende Verlangen, das mich in den letzten beiden Tagen so intensiv ergriffen: die wunderbaren Töne zu hören, entschwunden, und ich vergaß ganz, was ich verhafte. — Was Reb Awner anbelangt, so hatte ich, offen gestanden, damals seiner ganz vergessen. Es ist mir indes vorzüglich erinnerlich, dass er einen sehr verwirrten, fassungslosen Anblick darbot und dass er rief in Gedanken versunken schien . . . Aber da war die Treppe zu Ende, und wir befanden uns in einem schmalen, einen Halbkreis bildenden,-Korridor, der durch eine Anzahl gewölbter Oeffnungen für die Besucher durchschnitten war. Er war sehr niedrig, so dass selbst Reb Awner mit dem Kopfe an die Decke stieß, und gar nicht beleuchtet; nur durcki einige Oefnungen drangen matte Lichtstreifen. Wir traten in die eine Oeffnung hinein und sahen zwei Reihen Sitze. Wir nahm-.n in der ersten Reihe, vis-a-vis von der Bühne, Platz, weil diese Plätze sich unmittelbar am Eingänge befanden. Etwa zwanzig Personen mochten auf der Galerie anwesend gewesen sein, Alle Nichtrussen, die in den verschiedenen Ecken Platz genommen hatten. Durch das eiserne Gitter hinunter blickend, ergriff mich heftiger Schwindel, und entsetzt fuhr ich zurück: mir war es, als befänden wir uns über einem tiefen Abgrund. Doch nach einigen Minuten hatten wir uns an diesen Abgrund gewöhnt und ich blickte nochmals hinunter. Der Raum war erst Halbdunkel erleuchtet. Auf den Stühlen an verschiedenen Stellen sah man verein zelte Menschengruppen, die Logen aber waren noch ganz leer. Im Orchester saß ein altes Männchen, mit einer großen Glatze auf dem zitternden Kopfe, und blätterte im einem Hefte. Hinter dem Vorhang ertönte bisweilen Klopfen, Geräusch und unterdrücktes Flüstern; bisweilen trat auch irgend eine neugierige Gestalt hinter dem Vorhang hzrvor, um bald dar ruf wieder zu verschwinden; überall herrschte ein geheimnißvolles Halbdunkel, eine gewisse feierliche Stille ... Auf der Treppe der Galerie ließen sich plötzlich laute Tritte vernehmen und verloren sich dann ebenso plötzlich — ein neuer Zuschauer trat ein. Ein ungeheurer Schlapphut faß auf seinem Kopfe, der Mann war brünett, hatte große,- schwarze, etwas farblose Augen, trug einen langen Backenbart von aufrecht stehenden Borsten und einen kleinen Knebelbart. Ec hielt ein kurzes Peifcheu in der Hand, das er ausdrückte, die Asche ausschüttete, den noch nicht angebrannten Tabak in die flache Hand schüttete, und es dann in die Tasche steckte; darauf ging er die Galerie zwei Mal ab, von einem Ende zum andern, und ließ fich dann mit Graz׳e u einer einsamen Ecke nieder. (Fortsetzung folgt.) Abonnements- und Insertionsbeträge sind in Wien zahlbar. בעל תפלה Der pr actis che Vorbei er Vollständige Sammlung (gegen 400 Folioseiten und 1511 -Nummern der sämmtiichen gottesdienstlichen und häuslichen ׳Gesänge •und Recitative der Israeliten (das ganze Ohas an 2 s) nach deutschen, polnischen und portugisisehen Weisen nebst allen den Gottesdienst betreffenden Verhaltungsregeln, rituellen Vorschriften und Gebräuchen (דינים ומנהגים) von Oberkantor A. Baer in Gothenbürg;, Schweden Zweite vermehrte und verbesserte Auflage. Dieses von den grössten Capaeitäten als das gediegeudste und reichhaltigste Musikwerk anerkannt, ist vom Herausgeber selbst, oder von J. Kaufmann, Buchhändler, Frankfurt a M. für 30 Mark (18 fl) za beziehen. Die in meinem Selbstverläge erschienenen Jahrzeitgedenkblätter, ,,Semane-Hatfilos‘‘ mit beweglichen Zeigern und Zifferblättern. 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