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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-06-13 · Heft 20 (13.6.1888) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 20 (13.6.1888)
Date
1888-06-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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übe:einstimme:׳. Aber Ln dem Streite der Meinungen, welcher mit «hier durchaus nicht gerechtfertigten Leidenschaftlichkeit geführt wurde, konnte man wenigstens den Weg erkennen, welcher eingeschlagen werden muß, um zum Ziele zu gelangen, und ich wiederhole, was ich schon einmal ausgeführt habe, nur das Singer'sche Princip der synagogalen Tonarten fuhrt auf diesen Weg. Ich will, wie ebenfalls schon erwähnt, durchaus nicht behaupten, dass ausschließlich die von Singer ausgestellten Tonarten die richtigen sind, allein das Princip Singer's, synagogale Tonarten überhaupt aufzustellen, dünkt mir unanfechtbar und für die Entwicklung des jüdischen liturgischen Gesanges von der höchsten Bedeutung. Sollte es nun so unmöglich sein, gelegentlich der Herausgabe des in Rede stehenden Werkes eine Einigung der competenten Cantoren herbeizusühren, damit dieser wichtige Punkt einer endgiltigen Erledigung entgegen geführt und die Anzahl und Art der Tonarten ein für allemal festgestellt würde? Ich glaube, dass auch nach dieser Hinsicht von dem Gemeinsinne der betreffenden Herren das Beste erwartet werden kann, und in dem herauszugebenden Werke wäre das Resultat dieser Einigung zuerst der Oeffentlichkcit zu übergeben und damit ein einheitlicher Styl geschaffen. So viel über die traditionellen ‘cantoralen Gesänge. Was aber die sonstigen Recitative und begleiteten Solis betrifft, so hätte das redactionelle Comite eigentlich nur eine negative Aufgabe. Nachdem man einen eigentlichen synagogalen Charakter von den diesbezüglichen Composttionen nicht verlangen kann, indem «s einen solchen vorläufig noch nicht gibt, so müsste das Comite sich darauf beschränken, abgesehen von unreifen Producten, alles auszuschließen, was einerseits an die Oper, anderseits aber an die Kirche erinnerte; selbstverständlich dürfte auch die Trivialität keinen Eingang finden. Bei strenger Durchführung dieses Grundsatzes dürfte stch auch nach dieser Richtung bald etwas wie eine Art synagogalen Styls bemerkbar machen. Was ober^von den nicht traditiorrellen Sologesängen gesagt wurde, gilt auch von den Chören: Melodiös ohne trivial zu sein, weder opernmäßig noch kirchlich, wenn auch der getragene Choral bei gewissen Texten zulässig ist; am meisten aber erwünscht Chöre, welche, in einfachem Style gehalten, auch bei schwacher Besetzung wirkungsvoll sind. Mit Vorstehendem habe ich es versucht, dem Cantoren-Vereine einen Vorschlag zu machen, welcher vielleicht in mancher Hinsicht verbefferungssähig ist, aber in jedem Falle werth ist, in Erörterung gezogen zu werden. Ich bin überzeugt, dass falls der Verein die Idee ausnimmt, derselbe gewiss den Wünschen vieler Mitglieder entgegen kommt und dass mit Realisirung dieser Idee einem Bedürfniße abgeholfen würde, welches für Cantoren und Gemeinden von Tag zu Tag fühlbarer wird. Mrths-ik -er Gesangstumst. xxn Das stärkste und zugleich häufigste Hindernis, welches sich dieser Gleichheit aller Töne in der Mittelfarbe entgegenstellt, ist jedoch das Quetschen (der Gaumen- oder Kehlton), besonders bei jungen Tenoristen, welchen ihre eigenen gequetschten, speckigen Töne gemeiniglich bester gefallen, als der reine ungetrübte Hauch; dazu Lrmmt die dilettantenmäßige Neigung, dass sich solche Tenoristen überhaupt am liebsten in der möglichst hellsten Tonfarbe bewegen, und sich dadurch im Unterschied gegen die Bassisten, (welche allerdings nie denselben Grad von Tonhelle erringen können) sogleich als geborne Tenoristen zeigen wollen. Von diesem Unverstand, nur möglichst Helle Töne singen zu wollen, werden wir später reden, und wollen jetzt nur noch Nachweisen, warum durch das Quetschen die Herstellung einer gleichen mittelfarbigen Scala gar nicht möglich ist. Das Quetschen entsteht, wie Jeder leicht sich überzeugen kann, durch Näherrückung der Mandeln auf beiden Seiten des Kehlkopfs, also durch eine Verengung der Schlundhöhle; bei unserer mittelfarbigen Scala aber muß die Schlundhöhle, wie der Mund, in ihrem mittleren Grade geweitet sein. Das Quetschen ist verbunden mit einer zu großen Verengung der Schlundhöhle; ja auch beim hellsten Ton, we.cher die kleinste Schlund-Weite voraussetzt, muß der Schlund immer noch so weit sein, dass die Mandeln ganz ruhig und unberührt vom Kehlkopf bleiben. Der dunkle Ton ist der größte Gegensatz gegen das Quetschen (und, was ja damit enge zusammenhängt, gegen das Näseln), weil er aus der größten Schlundweite beruht. Der mittelfarbige und dunkle Ton zusammen aber sind die natürlichen Feinde alles Quetschens, ja sie sind die besten Mittel zu seiner gänzlichen Beseitigung, wie mir ja auch bereits früher das dunklere Singen eines Tones als Mittel gegen den Gaumen- und Rasenton bezeichnet haben. Und wenn wir nun auch keinen weiteren Grund für unsere Forderung einer mittelfarbigen und dunklen Scala hätten, so wäre schon dieser ihr praktischer Nutzen zur Beseitigung des Quetschens in allen Lagen Grund genug zu ihrer Erlernung. Sie dienen jedoch aucb noch des Weiteren zur Vorbereitung der Töne für die Aufnähme der Sprache und Empfindung; ja ohne die Herstellung der drei von uns geforderten Klangfarben in allen Lagen der Töne ist eine gute Sprachverbindung und ein Durchleuchten der Empfindung in allen Tönen ganz und gar unmöglich. Auf diesen 3 Klangfarben und ihren 2 damit schon gegebenen Mittelstufen beruhen vor Allem schon die 5 Vokale; und diese Vokale selbstwieder können, uur nach Ausbildung jener verschiedenen Klangfarben, nach den verschiedenartigen Erregungen der Menschenseele auch verschiedenartig gefärbt oder schattirt werden. Von allem diesem wollen wir jedoch spater sprechen, wenn wir über den Gesang als lautende Seele abhandetn; für jetzt g'nügt es uns, nur noch darauf nachträglich hinzuweisen, dass schon durch Herstellung unserer gleichen mittelsarbigen Scala die Ansicht derer thatsächlich widerlegt ist, welche behaupten, es seien zur Erzeugung dec verschiedenen Töne nach Höhe un) Tiefe auch verschiedene Mundstellnngen nothwendig. Nur bei gleicher Mundstellung ist gleicher Klang möglich, und consequenterweise müssten solche Mund Beranderer auch im ner den Klang verändern, und jede Klang-Ausgleichung der Töne von vorn herein für unmöglich erklären. Dennoch verlangen auch sie wohl eine Gleichheit aller Töne der Slala, nicht ahnend, dass sie selbst mit ihrer Forderung verschiedener Mundstellungen sogleich als die größten Widersacher aller Gleichheit der Töne schon für das Ohr nothwendig erscheinen und wirken. Wie der Ton als einzelner auch hinsichtlich des Klang es einer großen Nüanciruug fähig ist, je nach der verschiedenen Stellung der beiden Theile des Ansatzrohres zu einander: so ist auch die ganze Reihe der Töne einer solchen großen Nüanciruug fähig. Und zwar sind es besonders die zwei extremen Klangarten öder Tonfarben, die Helle und die dunkle, (voix blanche et voix sombre), welche auch über die ganze Scala ausgedehnt werden müssen. Reden wir zuerst von der gleichen Hellen Scala, so ist es eine zweifache Schwierigkeit, welche sich ihrer richtigen Herstellung gewöhniglich in den Weg stellt. Die eine entsteht aus dem Quetschen, welches stch mit der Hellen Farbe am leichtesten, ja nur mit ihr allein verbindet; die andere entsteht aus der Neigung, die Töne der tiefen Lrze uur dunkel zu produciren, d. h. mit weiterer Schlundhöhle. Dass das Quetschen sich überhaupt nur mit der Hellen Tonfarbe verbindet,

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