Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 17 (20.5.1888)
- Date
- 1888-05-20
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Wer, wer konnte so etwas schaffen? Ich kann es kaum fassen. Bitte sing's noch einmal". Und ich musste es noch einige Mal wiederholen; dann gingen wir wieder zur Repetition über, die bis zum Abend dauerte, wo die Gemeinde sich schon zum Abendgebet zu versammeln anfing. Wir trennten uns mit der Verabredung, Abends wieder zusammen zu kommen, um zum letzten Male Alles zu wiederholen, da die ersten ״Selichoth" am nächsten Morgen schon gesagt werden sollten. Als die Generalprobe beendet war, holte Reb Awner aus seinem Ranzel, das er in der Synagoge ausbewahrte, zwei Kopeken, und bat mich, ihm ein Pfund Wein dafür zu kaufen. Nach langer Wanderung gelang es mir irgend einen schlechten, sauren Wein aufzutreiben, den wir aber mit Appetit verzehrten, uns dabei freundschaftlichst unterhaltend. Die Frauenschul wurde durch ein einziges Talglicht in einem kleinen, ein wenig gebogenen Blechleuchter erleuchtet, sa dass trotz des geringen Umfanges des Zimmers um uns Alles in ein Halbdunkel gehüllt war; während die Männerschul, die von der Frauenschul nur durch eine dünne Bretterwand, deren obere Hälfte aus einer Reihe Glasscheiben bestand, abgetheilt war, von dichter Finsternis umgeben war und in diesem Moment als ein geheimnisvoller Aufenthalt von Geistern erschien, so da ich mich umzublicken fürchtete. Und die halb dunkle, halb geheimnißvolle Umgebung bei einer ungewöhnlichen Stille verlieh unserer Unterhaltung eine größere Innigkeit und Offenh'it. Wiederum erschien Castadiva ßauf der Szene und wurde diesmal sogar mit größerer Empfindung denn je gesungen, dann kamen noch andere Opern, Melodien an die Reihe, so dass ich mein reichhaltiges Repertoir fall ganz erschöpft hatte. Einen besonders mächtigen Enidruck machte auf Reb Awner das Dnet und die Abschiedsarie aus ״Traviata", jetzt schon ganz abgedroschen durch die große Popularität und die geringe Tiefe, die die ganze Verdi'sche Musik fast charakterisirt. Reb Awner begleitete meinen Gesang da durch bewunderende Ausrufe, dort mit tiefen Seufzern, bis er schließlich ganz schwieg, und nur von Zeit zu Zeit ließ sich sein ' schwerer, durch dumpfer Husten und heftiges Räuspern bisweilen unterbrochener Athem vernehmen. In den Pausen zwischen den Gesanspiecen theilte ich ihm die gestern empfangenen Auskün te über das Theater mit, und mit gespanntester Aufmerksamkeit hörte er m r zu, mich durch taufend Fragen, die ich nicht beantworteu konnte, unterbrechend. Und nachdem ich schließlich zum dritten oder vierten Mal das bekannte ״Addis" gesungen hatte, ging ich nach Haus. Es war schon ziemlich spät, als ich dort anlangte, und Alles schlief bereits, was mich, da ich heftige Vorwürfe erwartet hatte, nicht unangenehm berührte. (Fortsetzung folgt.) Än uusere geehrten Herren Abonnenten. Jenen geehrten «Lesern nnferes Mattes, welche die setzte Mr. rectamirten, müssen wir mit Bedauern wittheilen, dass Wr. 16 vollkommen vergriffen iss, daher wir nicht in der «Lage ssud dieselöe nachznkiesern. Pie Heutige Mr. erscheint der Keiertage haköer verspület. Pie Medaktion (aesohäftsgründung 1860. Die schönsten und billigsten aus In-urd Ausländer Granit, Porphyr, Syenit, Marmor, Sandstein etc. bester Qualität, kauft man nur be M. Sonnenschein bür geil. Stadt-Steinmetzmeister n. k. k. liandelsgerichtlicher beeideter Schatzmeister Wien, III., Adamsgasse 5 Kos enüberschläge und Zeichnungen *erden auf Verlangen gratis und franco zugesendet. Gegründet 1793. CARL G1ANI jun. Wien, VII. Bezirk, Westbahnstrasse Nr. 21. 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