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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-05-09 · Heft 16 (9.5.1888) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 16 (9.5.1888)
Date
1888-05-09
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Der Baal-Tephilla. Von M. I. Rabbinowitsch. Aus dem Russischen von A. Levin - Sagan. (.Antorisirte Uebersetzung.) (Nachdruck verboten.) (4. Forschung.) . ״Ach, was du für schöne Sachen kennst!", sagte er, als wir mit der Repetition fertig waren und uns schon trennen wollten, um morgen, d. h. Sabbath Nachmittag, wieder zusammen zu kommen. ״Jawohl. Ich kenne noch sehr viel Sachen von Reb Zallel und auch von dem Wilnaer Baale Bessel". . Er bat mich, noch etwas zu singen, und ich war gern dazu bereit. Schließlich stand ich auf, um fortzugehen. ״Ach nein, Kleiner! Singe wenigstens noch eine Sache". In ihm einen solchen Verehrer meiner Talente findend, entschloss ich mich, das Allerbeste zu singen von dem, was ich kannte und womit ich selbst, meinen Gerschon in Entzücken versetzte, obwohl er es war, der mich das Stück gelehrt. Ich trank erst kaltes Wasser, um mir den Hals zu reinigen, räusperte mich gründlich und sang dann ״Casta diva" aus der Oper ״Norma". Ich hatte mich selbst so ganz hingegeben dieser tiefinnigen Melodie, dass ich vergaß, wo und vor wem ich sang. Als ich geendet hatte, blickte ich mich nach Reb Awnern um; er staud am Fenster, das Gesicht mit der Hand bedeckt und schluchzte leise. Ich war wie erstarrt und wusste nicht, was zu sagen, da ich cs nicht einmal ahnte, dass dies die Wirkung meines Gesanges sei, obwohl mir selbst Thränen die Augen ttmsiorten, was mir beiläufig immer passirte, wenn ich mit tiefer Empfindung sang. — Reb Awner beruhigte sich bald, hustete aber heftig und rausperte sich dann lange. Einige Sekunden in tiefem Schweigen verharrend, frug er mich dann leise, kaum vernehmbar: ״Was hast du da gesungen?" ״Casta diva". ״Was ist das?" ״Casta diva". ״Was und woraus ist das?" ״Aus Norma". ' ,Mas heißt das: Norma?" ״Ich weiß es nicht". ״Wo wird das gesungen?" ״Im Theater". ״Was ist das: ein Theater?" ״Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass dort gesungen wird". ״Woher kennst Du das Stück?" ' ״Mein Vetter hat's mich gelehrt". ״Woher kennt er das?" ״Weiß es nicht". ״Warum hast Du ihn nicht darnach gefragt?" Ja in der That, warum habe ich ihn nicht gefragt, was ein 'Theater ist? ״Ich weiß nicht, warum", antwortete ich. ״Es ist mir nicht eingefallen". ״Sing es, ich bitte dich, noch einmal." Ich musste es wieder und wieder singen, so gegen fünf Mal, und während der ganzen .Zeit, als ich sang, stand Reb. Awner unbeweglich am Fenster und Thränen rannen in Strömen über sein krankhaft gelbes Gesicht..Und in diesem Zustande habe ich ihnverlassen, als ich schließlich nach Hause ging. Es war schon spät, denn die Sonne hatte sich schon bedeutend gesenkt und schickte sich zum Untergehen an ... . IV. Da es Freitag war, so ging Gerschon wie gewöhnlich nach dem Ahendessen mit mir in die Küche, wo wir bis tief in die׳ Nacht hinein sangen, umgeben von unseren Hausgenossen sowie vielen Nachbarn und Nachbarinnen nebst ihren Kindern. Als wir uns dann schlafen legten, begann ich Gerschon über alle Einzelheiten im Theater zu fragen. Er erklärte mir Alles, fo gut er es selbst wusste, aber es war dies nicht viel, und so wurde denn weine Neugierde bei Weitem nicht befriedigt. Er wusste nämlich nur, dass man im Theater ״Vorstellungen" gebe und dass ״Norma" eine solche Vorstellung sei; dass man dort italienisch singe und die Damen ״Primadonna" -genannt würden. Das war mir alles zu wenig, allein eine bessere Auskunft konnte mir Gerschon nicht geben. Wohl erzählte er mir ausführlich, was in ״Norma" vorgeht, wie Anfangs die Musik allein spielt, wobei er mir denschönen Marfch bei dem Zuge d er Druiden über die Szene sang — dann erscheine der Chor mit dem Bass, dann die Choristinnen mir der Primadonna, die sich auf einen Felsen unter einem Baume stelle und ״Casta diva" singe; wie dann eine andere Primadonna auftrete, dann ein Tenor u. s. w. Allein, weshalb dies Alles so dargestellt wird, was ״Casta diva" bedeutet — das konnte mir Gerschon nicht sagen. Auf meine Frage, woher er diese Einzelheiten kenne, antwortete er mir, dass er mit einem Choristen aus der Chor-Synagoge bekannt fei, der im Theater singe, und dass dieser Chorist ihm Alles erzählt habe. Ich gab mich mit dieser Erklärung zufrieden, obwohl ich es gar nicht fassen konnte, dass ein Chorist einer jüdischen Synagoge im Theater singen, d. h. eine so entschliche Sünde begehen könnte, wenn ich auch alle Choristen für unverbesserliche Sünder hielt. Dass Gerschon selbst ins Theater gehen könnte, darüber ist nicht einmal der Schatten von einem Verdachte in mir aufgekommen. - Nachdem ich diese Aufklärungen über das Theater erhalten hatte, dachte ich darüber nach, wie tch sie morgen meinem Baal- Tephilla wiedergeben sollte, und war von vornherein entschlossen, sie erst ein wenig auszuschmücken, um den Provinzler noch mehr erstaunen zu machen. Und da nun meine Gedanken sich mit dem Baal- Tephilla beschäftigten, so dachte ich gleichzeitig über ein Mittel oder eine Ausrede nach, mit der ich meine Abwesenheit von dem Beth- Ha-Midrasch, wo der Onkel mit feiner Familie während der Feiertage betete, erklären wollte, und ich brauchte mir nicht lauge den Kopf zu zerbrechendenn die Ausrede wir schnell gefunden. Wie schon gesagt, war N. eine sehr große Stadt und hatte eine bedeutende jüdische Bevölkerung, so dass dort an dreißig Synagogen bestanden. Als wir am folgenden Tage bei Tische saßen, sprach man davon, wie man für Alle Plätze tu der Synagoge auftreiben solle, da es dort zur Zeit der hohen Feiertage sehr eng zu fein pflegt. (Fortsetzung folgt.) Wereinsöeiträge. Für das berufsunfähige Veceinsmilglied, Cantor A. Schrecke? in Piesling find nachfolgende Pflichtbeiträge eingelaufen: 3־^ Singer, Wien 1 fl.; I. Bauer, Wien 1 fl.; M. Schlesinger, Wien 50 kr.; S. Hirsch, Wien 50 kr.; L. Stern, Wien 5& kr. PH. Bafel, Wien 50. kr.; S. Jellinek, Mistelbach 50 kr.; G. Rosenfeld, Uuaereiaen 60 kr.; I. Popper, Koljanowitz 50 kr. M. Rofenfeld, Pisek 50 kr.; D. L. Rotier, Wien 50 kr.; S. Rotier, Polna 50 kr.; I. Saller, Breitenbrunn 50 kr.; S. Schrecker, Jungbunzlau 1 fl.; S. Gruschka Kromau 50 kr.; M. Reiser, Neuern 50 kr.; M. Peterselka. Wien 50 kr.; M. Kraus, Prag 1 fl; I. Körner, Smichow 50 kr; R. Kohn, Kobersdorf 50 kr.; I. Klein, Budweis 50 kr.; I. Schischa, Kirchderg 50 kr.; M. Srein, Posielberg 50 kr.; A. Nähnadel, Tachau 1 fl.; A. Hahn, Teichen 50 kr.; S. Neumann, Hollabrunn 50 kr.; L. Götz, Puklitz 1 fl.; A. Grünhuk. Klosterneuburg 50 kr.; A. Kohn, Kanitz 50 kr.; B. Weiß, Brandeis 50 kr.; L. Winterberg, Aussig 50 kr.; H. Lövy, Neunkirchen 50 kr.; I. N umann. St. Pölten 50 kr.; I. Stransky. Traulenau 50 k .; S. Popper, Eger 50 kr.; A. Lederer. Eger 50 kr.; C. Grünseld, Wien IfL; B. Haas,L. St. Miklos 50 kr.; Ä. Singer, Neubidschow 50kn.; A. Freistnger, Pilsen 50 kr.; D. Kohn, Rakonitz 50 kr.; Blum, Schlun 50 kr.; Th. Fleck. Wien50 kr.; A. Leder, Flohau50kr.; H. Beermann, B.-Leipa 50 kr.; A. Adler, Ung. Hradisch 50 kr;; S. Rosenberger, Komotan 50 kr.; A. Krämer, Freudenthal 50 kr.; M. Blatt, Wien 1 fl; L. Friedländer, Silhos BolhaS 50 kr.; I Rosenbaum, Graz 50 kr; Fcredmann, Holle 50 kr. M. Kulka, Kolin50 kr.; Löwinger, Pciwitzbo kr.; I.Schönseld, Tab 50 kr.; M. Kraus, Veröcze 50 kr.; M. Schorr, Gr. Wardein 50 kr.; S. Brinkeles, Battelau 50 kr.; I. Weiß, Tobitschau 50 kr.; S. Low, Jglau 50 kr.; B. Guttmann^ Andrichau 50 kr.; Fischmann, B.-Kcumau 50 kr.; Rosner, H.-Mestee 50 kr.; Freisiager, Stuhlweißenburg 50 kr.; Summa 36 Gulden. Die Veröffentlichung der eingelaufenen Vereinsbeiträge erfolgt in der nächsten stummer der ״Cantoren-Zeitung." W. Matt- Cassier,

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