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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-05-09 · Heft 16 (9.5.1888) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 16 (9.5.1888)
Date
1888-05-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 — S. 38 bei den Worten bees!schon weoiro, welche zu lebhaft an Balfe's ״Zigeunerm" und der Musikgedanke in naarizocli Nr. 34. bei den Textesworten »hamakdischim«, welcher doch offenbar der Tenorarie Faust's an den Mond aus Gounods ״Faust" entlehnt erscheint. Man singe oder spiele freundlichst die Sopranstimme bei den Worten hamakdischim S. 74, erste Zeile, und man dürfte sich von der Wahrheit unserer Anschauung überzeugt halten. Solche Vorkomniße dürfen jedoch keineswegs als Plagiate angesehen und verurtheilt werden, denn wie leicht können zwei Componisten denselben Gedanken ersoffen und ausführen, und wir erlebten ja Aehnliches auch schon mit Meyerbeer und Naumburg bei der vom Letzteren componirten Stelle koro laschemesch wajisrach or, die mit dem Gesänge des ״Propheten" an die aufgehende Sonne sich vollständig Leckt; allein verzeichnet müffen solche Erscheinungen schon aus didäktischen Rücksichten werden, und nur darum erlaubten wir uns, diese Stellen anzuführen. Im großen Ganzen jedoch hat uns das 39 Nummern umsaffende Grünzweig'sche Werkchen Semiroth schel schabboth viel Angenehmes und Liebes geboten, und verdienen viele Piecen desselben in den Gotteshäusern Israels ausgenommen und treu gepsiegt zu werden. Einem zweiten Produkte der Grünzweig'schen synagogal-gesanglichen Muse*) bringen wir unsere volle Sympathie entgegen, wenngleich wir auch der ersten mit ״Friedmann" bezeichneten Piece verstandnislos gegenüber stehen- Dieselbe soll nach der Vorzeichnung Ln C dur oder A moll intonirt werden, allein beides ist nicht der Fall, es scheint, als ob die Piece aus der ersten authentischen (dorisch) oder nach der vierten plagalischen (hypomixolydisch) Kirchentonart gearbeitet wäre. Lag das Angeführte wirklich in den Intentionen des Componisten, so fände es gewissermaßen noch unsere BMgung; denn wenn für die Synagoge Choräle Verwendet werden, so sollen dieselben zu Mindestens auch in Kirche u tv navten gearbeitet sein. Mögen die Vertreter dieses' Standpunktes denselben verantworten, die Weltegschickte bleibt .auch hier das Weltgericht; wir besitzen, wie bereits erwähnt, für derartige Liebhabereien keinerlei Verständnis. Der weitere Inhalt des Büchleins jedoch suchet schon deshalb unfern vollen Beifall, weil Grünzweig sämmtliche vom Schir Zion I. diktirten Responsorien beibehält und hiedurch einen künstlerischen Gesichtspunkt vertritt, der ihm zur wahrhaften Ehre gereicht, und weil weiters die vom Autor selbst componirten Gesänge, wie waani sefilosi, zidkoscho zedek und der Schlussgesang mit ungarischem Texte «Zarenek» bei aller Einfachheit und Formbeschrankung so überaus trefflich dargestellt sind. Lass wir nicht anstehen, dem Schöpfer dieser Arbeiten unser uneingeschränktes Lob auszusprechen. Unfern speziellen Dank müssen wir Grünzweig auch für die überaus formgerechte Anwendung der Ehasonus-Intonation beim Zidkoscho zedek und waani sefilosi zollen, wenngleich auch die Intervallenvertheilung des waani sefilosi mehr an das Haschiwenu-Chasonus von Tischo beaw mahnt. Das Intervallenverhältnis des Sabbath-Mincha-Chasomis und des Tischo beow-Chasonus ist zwar im großen Ganzen dasselbe, allein der Unterschied liegt eben nicht nur im Verhältniße der Intervalle zu emander als vielmehr in der Vertheilung derselben, und das ist dem Autor beim Zidkoscho Zedek geradezu meisterhaft gelungen. Ein Heftchen Tempelgesange, Oberkantor Professor Moriz Friedmann in Pest <1880 erschienen) und ein Heft Casualien- Trauungs-Leichen und Requiemgesänge, Obcrkantor der türk, israelit. Gemeiude in Wien Jakob Bauer zugeeignet, bilden die letzten Gaben *) «. z. ein Heftchen Gesäuge für den Iugendgottesdienst mit theilweise ungarischem Text ״Templomi dnekek" betitelt. der Grünzweig'schen synagogal gesanglichen Bestrebungen. Der Inhalt beider Hefte bekundet einen entschiedenen Fortschritt in der Technik und eine bis zur vollen Reife ausgebildete künstlerische Anschauung. Wir vermissen vorerst mit vielem Vergnügen die überschwängliche Melodie in einer Stimme, das jugendliche Drängen und Stürmen der mannigfachsten Musikgedanken, die den Zuhörer berauschen; später jedoch etwas abfpannen, sondern bemerken bei den meisten Piecen eine wohlthuende Beschränkung der Melodie zu Gunsten des vierstimmigen Satzes, und was wir namentlich betonen, Musikschöpfungen, die nicht das Begehren und Empfinden sondern in erster Reihe das'Denken, Uriheilen und Folgern vollauf befriedigen. Möge auch die Befriedigung der beiden Ersteren die große Masse und den ihr dienenden Collegen Genugthuung gewähren, wir sympathisiren stets nur mit jener Thätigkeit, die Geist und Seele. anregt und erst durch diese Hilfe auf das Herz einwirkt. In diesem Sinne sehen wir uns verlasst, die beiden Hefte Tempel-Gesänge und Casual- Trauungs-, Leichen- und Requiemgesänge allen Collegen aufs Wärmste zu empfehlen, und sind der sichern Ueberzeugung, dass namentlich die im zweiten Hefte vorfindlichen Traunngsgesänge sowohl bei den Collegen als auch beim Publikum freundliche Aufnahme finden müffen. So wären wir am Ende dieser Besprechung angelangt. Richten wir nun nach unserer Gevflogenheit unser Augenmerk noch einmal auf jene Stelle, die den Ausgangspunkt Adolf Grünzweig's fixirt, und lassen wir unseren Blick beobachtend und prüfend den ganzen Raum bis auf jenen Punkt, wo Grünzweig jetzt angelangt, durchmeffen, um zusammenfassend darzuthun, ob er seine Aufgabe ehrlich und redlich erfüllt, so können und müffen wir mit wahrhafter Genugthuung cs aussprechen, dass Grünzweig nicht nur ein treuer Arbeiter auf dem heiligen Gebiete des Lynagogeiigesanges war und ist, sondern ^dass er es auch glänzend bekundete, dass das echte Talent, trotz der Ungunst der Verhältniße und des Anstürmens unliebsamer Einwirkungen, doch an sein Ziel gelangt, indem es durch Fleiß, Emsigkeit und Ausdauer Früchte zeitigt, die ein wahrhafter Segen für die Mit- Menschen find und dem Spender eine gtachtete Stellung in der Mitte seiner Fachgenoffen verbürgt. Der Synagogengesang und die jüdischen Cantoren sind Adolf Grünzweig zu Danke verpflichtet; möge der treffliche Mann die Früchte seiner Besterbungen mit Ruhe und Selbstbewusstsein gereicht. Werden einstens in der Geschichte des Synagogengesanges die besten Namen genannt, wird sicherlich auch dem seinigen ein Ehrenstelle nicht vorenthalten bleiben. (Fortsetzung folgt.) Oberrabbmer. Obercantor und Oberlehrer. Vom Bezirksrabbiner A. Roth in Siklos. Es gab Rabbiner, die nicht Oberrabbiner, sondern Landesrabbiner genannt wurden, so in Nikolsburg, weil die anderen Localrabbinen ihm subordinirt waren. Der Landcsrabbiner war die höchste Instanz, an. die man sich in religiösen und administrativen Angelegenheiten richtetet) Die mährische Iudenschast war in drei Kreise: den oberen, den mittleren und den unteren eingetheilt. Die Aufgabe des Landesrabbiners war, darauf zu sehen, dass in jedem der drei Kreise zwei Ieschiboth erhalten werden. Nichtmährische, arme Studenten wurden nicht geduldet, und war der Landesrabbiner für deren Abschaffung B. Th. L Zabrgang S. 411.

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