Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 16 (9.5.1888)
- Date
- 1888-05-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichiseli-ungarisehe Gantoren - Zeiiun Oxg&xi H'rarmmerationspreis Für VcreinKoNtglicdrr. Ganzjährig fl. 5.— Halbjährig fl. 2.50 Vierteljährig fl. 1.25 Für Nicht« itglieder Ganzjährig fl. 6.— Halbjährig fl. 3.— Vierteljährig fl. 1.50 Für das Ausland * ־ jährig fl. 6.— 10 Mark oder 5 Rubel. THlii 1P ' ~ für tlie ^ntexeMn;Wischer Moren mul >esmte«. Erscheint jeden acht en Jag. Begründer: Obcrcantor ^sood Lansr. Wedaction und Administration Wien, II., Novaragaffe Nr. 27- Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Rr. 16. irn, S. Mai 1888. 8. Iahrga«,. Meder -ie Entwicklung -es Synagogen-1 gesanges von Ober-Cantor I. Singer in Wien. II. Serie. XXHL Das Grünzweig'sche Synagogesangswerk Semiroth schel schabboth scheint lediglich für die Chorbedürsniße der Synagoge geschaffen zu sein, daher der auffallende Mangel jedweden synagogalen Recitativs mit alleiniger Ausnahme von Nummer 5 und 6, ivelch letztere jedoch auch nur als Verbindungsnothwendigkeit erscheinen. Dasselbe gilt von den angedeuteten iVlaarinv-Fragmenten umaawir jom und weahawoscho. Die im Adom olom Nr. 19 eingestreute Cantor-Stelle wehu hojoh, wehu eli und die gleichnamigen Stellen im Adon olom Nr. 17 u. A. können wir unmöglich als Recitative sondern viel eher als Solo-Vorträge bezeichnen. Wir müssen, wenn auch hier nicht die geeignete Stelle ist, die beiden Begriffe Recitativ und Sologesang wissenschaftlich zu erläutern, dennoch auf die logische Nutzanwendung derselben wenigstens hinweisen, damit in der Verwendung dieser beiden Ausdrücke nicht jene Willkür Platz greise, wie dieselbe leider mit der unfassbaren Anwendung der beiden Bezeichnungen ״Choralgesang" und ״Choralischer Gesang" Platz gegriffen. Den schlagendsten Beweis, dass die von Grünzweig aufgestellten und auch mit der Bezeichnung Recit. versehenen Solo-Stellen keine Recitative sondern einfache Sologesänge sind, liefern die drei Stellen zu lmo, 2do und 3tie Seite 67, wo der Chor Unisono dasselbe nachsingt, was der Cantor im strengen Rhythmus.vorgesungen. Man wende nicht ein, es gäbe auch Chorrecitative, das ist uns wohl bekannt, allein Chorrecitative und Chor- Unisonogesang sind zweierlei. Im Uebrigen kommen wir auf diesen Punkt noch gelegentlich zurück. Mit dem Momente nun, wo wir das vorliegende Grünzweigffche Werk als ein spezifisches Chorgesangswerk für die Synagoge betrachten, entfällt auch selbstredend jedweder Vorwurf bezüftich der fehlenden Cantorrecitative, und von diesem letzangeführten Gesichtspunkte betrachtet, können wir nicht umhin, viele Nummern des Werkes, wie Nr. 16—17 (Adon olom), Nr. 25 (Lecho adonaj und Nr. 29. (Howu) geradezu als Prachtnummern des Synagogengesanges hinzustellen. Dieselben sind ungemein melodisch, trefflich, x^armonisirt, nicht gerade leicht sangbar, doch, wenn gut einstudirt» ^ungemein wirkungsvoll, werden wegen ihres Melodienreichthums sich alsbald in die Ohren und Herzen der Zuhörer schmeicheln und haben zweifellos die Aufgabe, falls sie, was wir nachdrücklichst wünschen, allgemeine Beachtung finden, manche zopfige Composition dieser Art aus der Synagoge zu verdrängen und dieselbe erfolgreich zu ersetzen. Einer unbequemen Reminiszenz im 8. Takt S. 61 im; Chorsatze bei der Textesphrase behadras kodesch und S. 65 bei der erstmaligen Anwendung der Worte ammo wascholom mit dem Ki onu amcho aus dem Schir Zion I sei nur vorübergehend Erwähnung gethan. Verzeichneten wir nun auch Eingangs dieser Besprechung die Gesichtspunkte, die uns veranlassten, Grünzweig einen synagogalgesanglichen Romantiker zu nennen, so wollen wir nur noch, bevor wir das vorliegende Werk aus der Hand legen, auf die Thatsache Hinweisen, dass der Componist ein großer Verehrer gewisser, moderner Opern ist oder zur Zeit des Erscheinens dieses Werkes war; denn allenthalben begegnen wir bekannten Motiven, wenn auch in anderer Staffirung, die uns (wir sprechen hier im strengsten Sinne prodomo) etwas unbequem erscheinen. Wohl ist es uns nicht fremd,^ dass ein großer, ja überwiegender Theil unserer Berufsgenossen sich nach diesem Honigseim sehnt und auch in Wirklichkeit bei der großen. Masse mit demselben ungeahnte Erfolge erzielt, allein der Historiker, darf kein Gourmand sein, dessen Gaumen nur an Leckerbissen gewöhnt ist, soll er seine heilige, ernste Aufgabe redlich erfüllen. Jenen Collegen allen, die Anhänger der Opernphrase sind und dieselbe auch bei ihren synagogalen Funktionen anwenden, ist leider nicht zu helfen, denn der Geschmack lässt sich nicht so im Handumdrehen verfeinern; allein uns, und wir hoffen, auch noch einigen mit uns, kann diese Reminiszenz durchaus nicht behagen. Von der stattlichen Auslese dieser Vörkomniße feien hier nur zwei angeführt, und zwar die Musikphrase in bejodo atkid ruchi