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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-04-23 · Heft 14 (23.4.1888) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 14 (23.4.1888)
Date
1888-04-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreiehisch - ungarische Wrünumerali onspreis FS* VrrrinStnitgtttder. Ganzjährig fl. 5.— Halbjährig fl. 2.50 Birrteljährig fl. 1.25 FS* NichlriiitglirLe* Ganzjährig fl. 6.— ן Halbjährig y fl. 3.— .jitr triftig fl. 1.50!1 Für das Ausland!! Ganzjährig. fl. L.— i- ' 10 Mark oder 5 Rubel. ren - Zeitung Organ fttt tlie nntereffen Macher Hfltttorev M ^«ÜmbeMen. Erscheint jeden achten Gag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. II., Novaragaffe Nr. 27. Jnserste werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Nr. 14. Wir», 23. April 1888. 8. Jahrgang. Meder -ie Entwicklung des Synagogengesanges von Ober-Cantor I. Sin g e r in Wien. II. Serie. Das Gepräge der Grünzweig'schen Compositionsweise im modeinen Style wurde im vorigen Aufsatze in so weit erschöpfend behandelt, dass wir uns jedes Weiteren überhoben sehen. Wir wenden nun unser Augenmerk nochmals auf das vorliegende Werk Semiroth schel schabboth, um dasselbe von einem anderen für uns viel wichtigeren Gesichtspunkte zu betrachten u. zw. hinsichtlich des Vorhandenseins und der Verwerthung traditioneller Melodien. Wir freuen uns schon im Vorhinein auf den reichen Schatz altjüdischer Gesänge, auf die interessante, musikalische Bearbeitung derselben, sowie auf bemerkenswerthe Jntervallverhältniße, welche Anhaltspunkte und Beiträge für die überaus nothwendige Aufstellung eines Synagogengesang-Systems bieten sollen; denn Keiner dünkt uns für die Psiege und Verwerthung traditioneller Gesänge und traditionellen Styles mehr berufen, als derjenige, der die Stufenleiter synagogal-gesanglicher Entwicklung von der ersten bis zur letzten Sprosse selbst erklomm; d. h. der einstens Meschorer berühmter Chasanim gewesen, der noch ״Sachen" zusammengesungen, der ״zugehalten", der noch ״Nesbores abgetauscht", aus dem nun endlich durch Fleiß und Arbeit ein tüchtiger Componist für die moderne Synagoge geworden, wie Adolf Grünzweig. Nun, so überschlagen wir die ersten Seiten des Werkes, welche verschiedene Lecho-dodi und Tow lehodos aufweisen, und bleiben bei Nr. 7 Adonoj moloch stehen, um den Repräsentanten des sattsam bekannten Adonoj molooh-Steiger in Grünzweig'scher Auffassung kennen zu lernen. Allein Nr. 7 bietet uns keinerlei Anhaltspunkte für die Befriedigung unserer Wissbegierde; denn dieselbe ist, nach bekanntem großem Vorbilde, durchwegs modern gehalten, ja bei der Stelle adirim mischbere jom mit Choral-Noten so reich bedacht, dass wir für einen Moment nicht das Brausen des Meeres, sondern Las fromme Läuten des Sanctus-Glöckchens zu hören vermeinen. Mißvergnügt blättern wir weiter und denken: ״Vielleicht beha g dieser Adonoj rnolooh-Steiger dem Componisten nicht, so dass er mit Zielbewusstsein denselben umgeht, um ihn, kraft auch seines Vorbildes, aus der Welt zu schaffen. Allein unser Blick trübt sich, indem wir beim Weiterblättern, sowohl die Maariv-Recitative für Freitag Abends, aß» aud| ^WeschoKidu&dk* so wie im weiteren Verlaufe Jismechu bemalchuscho, Elohenu we lohe awosenu, reze wimnuchosenu in vollständig willkührlich modernem Style behandelt, demnach die Tradition wie einen abgethanen Trödel über Bord geworfen sehen. Da wir, wie bekannt, auf den didaktischen Werth solcher, von zielbewussten und fachlich reifen Standesgenossen veröffentlichten Compositionen ein größeres Gewicht legen, als aus den gewöhnlichen Tongehalt dcrselben, da nun weiters solche von bekannten Autoren herausgegebene Werke bildend und befruchtend auf unserere Epigonen wirken sollen und thatsächlich auch wirken, so muß uns dieses seltsame Vorgehen Grünzweig's zu tiefem und ernstem Nachdenken veranlassen. Sollte Grünzweig in'seinen Jugendjahren aus dem Munde Schmaje Leipnik's wirklich all das nicht gehört haben, was den integrirenden Theil synagogaler Gesangsweise ausmacht, oder war das Gehörte zur Zeit bereits seinem Erinnerungsvermögen entrückt, oder aber, was bei der consequenten Außerachtlassung jedweder traditionellen Reminiszenz wahrscheinlicher klingt, kannte Grünzweig den altjüdischen Gesangsstoff und hielt er denselben für unwürdig, in der modernen Synagoge eine Stätte zu finden? Und wenn das Letztere der Fall sein sollte, hatte Grünzweig ein Recht, mit althergebrachten Heiligthümern derart zu verfahren; muß ein solch'offenbares Zurückweisen des gesammten traditionellen Synagogengesangsstyles seitens eines berufenen Componisten nicht den erschöpfendsten Beweis liefern, dass jedweder Anlauf für die Festsetzung eines Synagogengesangsstyles auf der Basis des alten Gesanges als Ausgeburt einer erhitzten Phantasie, und jedwede Diskussion über synagogale Tonarten geradezu als Thorheit betrachtet werden soll? Solche und ähnliche Fragen beschäftigen uns seit Wochen ohne dass es uns ermöglicht ward, aus dem Wirrsal von Anschauungen

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