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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-03-09 · Heft 9 (9.3.1888) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 9 (9.3.1888)
Date
1888-03-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Qesterreichisch -ungarische Zeit» Wrännmerationspreis Fiir Dtreinsmitglieder. Ga»;jShrig fl. s.— Halbjährig fl. 2.00 Wi׳rt,ljährig fl. 1.25 Für Nicht״ »glieder Ga1׳;jSbrig fl- 6.— Halbjährig fl. 3.— ׳ MerlkljShrig fl. IS» Für -aS Ausland Ganzjährig fl. 10 Mark oder 5 Rubel. Organ tlie Interessen Wischer ^autaren uml ^yllusbekunteu. r s ch e in t jeden a fy t ־e n J a g. Begründer: Obercantor ^aooh Lauer. Wedaction und Administration Wien. II , Novaragaffe Nr M- Inserale werden billigst berechnet Manufcripte werden nicht relournirr. Nr. 9. ־ Wien, 9. Marx 1888. 8. Jahrgang. Weber die Entwicklung des Synagogengesanges II. Serie. XIX. Die Ausgabe Adolf Grünzweigs als Chormeister in Kolin war alsbald erfüllt und mit der jeiveiligen Erfüllung seiner didaktischen Verpflichtungen Anderen gegenüber zog es ihn wie mit Zauberkräften von dannen, als ob er immer zum Bewusstsein gelangte, dass seiner Haliptverpflichtung, und zwar der Ausbildung seiner eigenen musikalischen Fähigkeiten immer noch nicht in jenem Maße genügt war, wie es ihm eine geheimnisvolle, innere Stimme zurief. Wie bei allen strebsamen Naturen, so drückte der Drang nach Vervollkommnung auch Grünzweig stets wieder den Wanderstab in die Hand, um zu wandern und auf dieser Wanderschaft auszulugeu, wo es etwas Concretes, Tüchtiges zu lernen gäbe. Die Streifzüge Grünzweigs von Kolin nach Triesch und von hier, nach nur fin:^ zem Aufenthalte nach Trebitsch; von da nach Kromau, von Kroman wieder nach Trebitsch und nach Steinamanger, sind, wenn auch!licht von musikalischer Bedeutung, doch immerhin infoferne von Belang, als er stets neue Verhältniße kennen lernte und mit seinen spärlichen Musikmitteln die jeweiligen Verhältniße wenigsteris annähernd künstlerisch zu gestalten hatte. Was Grünzweig bis nun noch nicht gelernt Hatz das e r r i e t h er, wie alle tätentirten Menschen, und cs darf an dieser Stelle keineswegs verschwiegen werden, dass die Neugestaltung der synagogal-gesanglichen Verhältniße der genannten und auch anderer mährischen Gemeinden zumeist eine Errungenschaft Grünzweigs war. So. begegnen wir auch hier der für alle strebsamen Naturen freudigen, ja erhebenden Thatsache, dass ein genial angelegter und zielbewusster Mensch, trotz der Ungunst der materiellen und künstlerischen Verhältniße, dennoch seine Aufgabe erfüllt, dennoch an seiner Ausbildung arbeitet und endlich von der rechten Schicksalswoge erfasst, doch in die für. ihn Nöthige Umgebung gedrängt wird. Gab es auch damals noch keine Cantorenvereine und Cantorenzeitungen, welche die Fachgeuosseu einander näher brachten und über bedeutungsvolle Erscheinungen berichteten^ so muß es hier um so nachdrücklicher betont werden, dass der Ruf Grünzweigs in den nach zeitgemäßer Umgestaltung des Synagogengesanges strebenden Gemeinden schon dainaks ein guter, und Grünzweig selbst eine vielumworbene und begehrte Persönlichkeit war. Die Erfolge seiner Thätigkeit in den kleinen mährischen und ungarischen Gemeinden drangen weiter und brachten es zu Wege, dass Grünzweig im Jahre 1855׳ von der bedeutenden Gemeinde in Arad als Negenschori berufen und auch alsbald angestellt wurde. Es iväre unrichtig, ja gefährlich, heute lediglich auf die mehr als dreißigjährigen Bestrebungen Grünzweigs einfach hinzuweisen, die stattliche Jahresreihe hat ja an und für sich schon etwa Sympathisches und Bewundernswerthes und die Erfolge eines wohtaccreditirten, geehrten Mannes flößen ja dem Gedankenlosen an und für sich schon Achtung und Werthschätzung ein; sondern es erscheint wichtig, den A u s g a u g s p u n k t der Grünzweig'schen Araber Thätigkeit ins Auge zu fassen, sollen wir unsere Ausgabe treulich erfüllen, deren Zweck cs nicht allein sein darf, die eventuelle Bedentung eines redlichen Künstlers, sondern auch den Lebeusgang desselben zu zeichnen, damit andere, ähnlich Strebende an der Lebensarbeit eines erprobten Mannes einsehen und lernen, wie sie die eigene Richtung zu erfassen, wohin sie die eigenen Schritte zu lenken haben. Ja wir vermeinen, dass die möglichst erschöpfende Zeichnung eines solchen, nun gesättigten Lebensbildes für die Epigonen unseres Faches von bedeutenderem Werthe sei, als die Besprechung der einzelnen Werke, welche doch immerhin nur als subjective Kundgebnngen zu betrachten sind, und glauben hiemit einem etwaigen Vorwürfe der Detailzeichnung genügend begegnet zu haben. Der Antritt seiner Stellung in Arad war für Grünzweig nicht minder unfreundlich als der bis nun zurückgelegte Lebenswegs trotzdem fühlte er sich geradezu begeistert und beseeligt von dem Gedanken, endlich einen weiten Spielraum für seine Bestrebungen gefunden zu haben. Es ist charakteristisch, dass ernst strebende und tüchtige Menschen nur selten die sofortige, enthusiastische Anerkennung für sich haben, ja auf dieselbe deshalb keinen besondere »י-

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