Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 6 (14.2.1888)
- Date
- 1888-02-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreiehiseh - ungari sehe nioren - Zeitnn , «•.j 'AräUurneraliortspreis Für SkreinSmitgNtder. Ganzjährig fl. s.— Halbjährig fl. 2.50 LirrtkljShrig fl. 1.25 FL« Nichtwitglieder Ganzjährig fl. 6.— ^-Halbjährig fl. 3.— Mkr^eljährig fl. I.sv Mir da» «uSland lszjährig fl. 1V Mark oder 5 Rubel. Organ die llntereffen jüdischer Hirntoren ünd ^Mmbesmten. Krscheintjeden a ch t e n | a g. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. MedacLia« und Administration W i e », II., Novaragaffe Rr. 27. Inserate werden billigst berechnet Manuscripte werden nicht retouruirt. Nr. 6. Wien, 14. Jedmar 1888. 8. Jahrgang. Meder die Entwicklung des Synagogengejanges von Ober-Cantor I. S in g e r in Wien. \:.,y ,; ־ II. Terie. , - . - . 7 xvm. " 7M7 / Adolf Grunz w e i g, Musikmeister und Chordirigent in Arad, erblickte im Jahre 1829 zu Szered a. b: Waag das Licht der Welt. Sein Vater mar Chasen und starb, als der Knabe noch kaum das 3. Lebensjahr erreicht hatte. Die Auszählung dieser drei Lhatsachen — ״ — ״1829״Szered" — ״dreijähriger Waisenknabe" — bekunden den ganzen Ernst des Ausgangs- Punktes der Grünzweig'schen Laufbahn. Im Jahre 1829 deckte noch tiefes Dunkel die jüdischen Verhältniße unseres Heimatlandes Oesterreich, wenngleich im fernen Auslande die ersten Strahlen einer glücklicheren Periode bereits zu dämmern begannen. Was zu jener Zeit die Bedeutung eines Chasen ausmachte, wie unangenehm seine materielle und sociale Lage, wie wenig einflußreich die Athmosphäre des Hauses für die Erziehung der Kinder gewesen, dürfte namentlich den älteren Collegen sehr leicht erinnerlich sein. Und der Ort Szered selbst? Zwar eine nicht unbedeutende Judengemeinde, immer doch ein weltvergessener Marktflecken, dessen Geschäftsverhältniße durch den auf dem Waag-Flüsschen betriebenen Transito-Holzhandel der slovakischen Holzproducenten nach Mittel- und Südungarn eine gewisse Bedeutung erlangten. Rechnen wir noch dem bereits Angeführten die traurige Thatsache hinzu, dass der Knabe bereits in seinem 3. Lebensjahre den Vater verlor, so umdüstert sich der Blick angesichts der tiefen Tragik dieses jungen Menschenlebens. Die verwitwete Mutter Grünzweig's kämpfte nach Möglichkeit, um den nothwendigsten. Anforderungen des Haushaltes zu genügen, allein für die Dauer musste selbstverständlich ihre Kraft erlahmen, und so erblicken wir den achtjährigen zarten Knaben in Gemeinschaft seines alberen Bruders (Moischele, ein in den Fünfziger-Jahren vortheil- Hast bekannter Synagogen - Tenorist) schon als Kol - Singerl (Söstranist) bei dem damals rühmlichst bekannten Chasen Schmaje Leipnik. Im Jahre 1840 kam ein, nach damaliger Sitte, von Gemeinde zu Gemeinde reisender Chasen, M. A. Sabel, nach Leipnik und veranlasste das Brüderpaar Grünzweig, ihn aus seinen Kunstreisen zu begleiten. So geringfügig auch diese Umstände im Allgeverleihen sie die sichere Gewähr, dass dem kleinen Knaben ein gewisser Sängerwerth innewohnen musste, wenn ein erfahrener Fachmann denselben für seine Zwecke zu erringen strebte. Allsabbatlich in den jüdischen Gotteshäusern vorbetend, durchzog Sabel mit seinem Sängerpersonale die Gemeinden Böhmens und Mährens, bis er sich endlich entschloss, in der Gemeinde Nachod dauernden Ausenthalt zu nehmen. Ob die dreijährige Wanderperiode Grünzweig's auf dessen musiktechnische Fertigkeit von Einfluss war, müssen wir selbstverständlich außer Acht lassen, so viel jedoch steht fest, dass er ein guter Meschorer gewesen sein musste, wenn ihn sein Chasen Sabel auch in Nachod noch als Meschorer behielt. Hier in Nachod, dessen, wenn auch primitive Musikverhältniße dem Knaben immerhin doch Gelegenheit boten, auch etwas anderes als. den selbst producirten Gesang zu hören, beginnt der musikalische Drang im Herzen des Kindes Körper und Gestalt anzunehmen; denn schon jetzt, 1841, interessirt sich der elfjährige Knabe für die zarten Töne der Geige und beginnt sofort mit dem Studium dieses Instrumentes. Eingetretene Kränklichkeit und die plötzliche Uebersiedelung seines Meisters Sabel als Chorcantor nach Mißlitz veranlassten jedoch den Knaben, den Geigenunterricht zu unterbrechen. Der aus der Meschorerin die Chorsphäre plötzlich hineinversetzte Knabe Grünzweig musste daher trachten, recht bald nach Noten singen zu lernen; auch hiebei gelangte das schlummernde Talent des Kindes alsbald zum Durchbruche. Das Kind war nicht allein nach nur ganz geringer Frist ein excellenter Notenleser, sondern besaß auch die außerordentliche Fähigkeit, die schwierigsten Compositionen aus dem Gedächtniße zu transponiren. Dieses Transponiren, damals lediglich als musikalische Spielerei angesehen, muß entschieden als das allererste Wetterleuchten des Grünzweig'schen Mufiktalentes erachtet werden. Professor Salomon Sulzer, Herr ein Zufall nach Mißlitz brachte, erkannte auch sofort dieses Talent,