Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1888)
- Date
- 1888-01-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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() esterrei eh 1 sch - u 11 «ari sch e Gaatoren - Zeitung. Wränuweralionspreis Kür V«»ei,>smttglieder. Ga..z>ährig fl. 5.— Halbjährig fl. 2,50 Bi.rrNiähriq fl. 1.25 יז ür Nicht» itftlicver Ganzjährig fl. 6.— halbjährig fl. 3.— Virrtkljäbrig fl. 1.5t) Kür VaS Ausland Ganzjährig fl. K.— 11) Mark oder 5 Rubel. Organ |iir ilie lutere jjen jßilijdicr ^automi und Citltusbcamtcu, Erscheint jeden achten Gag. Begründer: Obercantor ^»oob Lsuvr. Hledaclion Adminikratian W reu. II., Novaragasie Nr. 27 Inserate werden viUtgsl berechnet.?.tcanuseripte werden nicht 1 etouruirr. Nr. 3. Wien, 21. Januar 1888. 8. Jahrgang. Ueber die Entwicklung des Synagogengesanges von Ober-Cantor I. Singer in Wien. : ü: Der!e'.:״ "" ' xvn. Löwy, Sulzer, Naumburg, Mayer, Cohn, Goldberg, Weintranb, Lewandowski. Die Bestrebungen dieser Männer auf synagogal-gesanglichem Gebiete umfassen nahezu ein Jahrhundert; allerdings ein Atom in der geschichtlichen Entwickelung des Synagogengesanges, aber immerhin doch zumindestens ein Anhaltspunkt für den einstigen Ordner der synagogal-gesauglichen Verhältniße. Wir bestrebten uns in den voransgegangenen Aufsätzen, die Arbeiten dieser Männer, nebst ihren etwaigen Mitarbeitern, unter deren Namen Synagogengesangswerke veröffentlicht wurden, durch eine möglichst erschöpfende Erläuterung der einzelnen Werke, durch Kenn- Zeichnung der Verhältniße, unter denen dieselben entstanden, wie nicht minder durch Andeutung der Richtung, welche dieselben ver- Mitteln halfen, unseren Lesern vorzuführen. Wenn wir nun, an diesem Punkte angelangt, gewissermaßen einen Moment innehalten müssen, so beabsichtigen wir keineswegs die oben verzeichneten Werke als abgeschlossene Periode, sondern lediglich als Marksteine der Entwicklungsphase zu bezeichnen, wie dieselbe seit hundert Jahren zu beobachten war. Es ist keineswegs gleichgiltig, in welchen Boden dos Samenkörnlein irgend einer Bestrebung versenkt wird, wie es nicht gleichgiltig ist, an welcher Stelle und unter welchen Verhältnißen ein Markstein irgend einer Bestrebung aufgerichtet erscheint. So mancher bedeutungsvolle, an und für sich inhaltsreiche, künstlerische Mark- . stein:bleibt oftmals unbeachtet und unbemerkt, weil ihn ein blindes Ohngefähr oder der unpraktische Stellenanweiser in eine unwirthliche,: weltvergessene Gegend hinstellte, während oftmals die gering-, fngigsten, bedeutungslosen Marksteine, wenn auch nur periodisch, künstlerische, geschichtliche oder sociale Beachtung finden, weil ihnen der Zufall einen glücklichen, allgemein in die Augen fallenden Standpunkt auwies. Allein, auch die weuigtr leuchtete Bestrebung irgend eines stillen Arbeiters findet endlich, wenn auch nach Jahren, die verdiente Anerkennung, wenn derselben nur jene Eigenschaften innewohneu, welche das Wesen eben dieser Gattung zu einem zweckdienlichen gestalten. Wie überall, ist selbstverständlich derjenige am ^glücklichsten zu preisen, dem, nebst der wissenschaftlichen Tüchtigkeit, vom Schicksale auch eine Position angewiesen ward, die es ihm ermöglicht, sein Wissen und Können zu geeigneter Zeit und an geeignerer Stelle verwerthen zu können. Dies der praktische, aus dem Leben gegriffene Gesichtspunkt, der den Gedankengang für die obige Namenzusanunenstelluug od:r Aneinanderreihnng leichter vermitteln dürfte. Vom künstlerischen oder historischen Standpunkte aus dürfte diese Zusammenstellung noch besser eiuleuchten, wenn man bedenkt, dass die allgemeine Musikgeschichte seinerzeit nur Bach, Händel und Gluck als Klassiker anerkannte, während Haydn und Mozart für Romantiker hingeskellt wurden. Mit dein Anfstrahlen der Beethoven'schen Muse wurden Haydn und Mozart zu Klassikern und Beethoven zum Romantiker, und als Carl M. v. Weber, dem sich auch Spohr und Marschner anschließen, und Fr. Schubert als Componisten auftraten, wurde Beethoven den Klassikern zugetheilt, während die beiden Letzteren wieder als Romantiker galten; bis endlich Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann mit der Bezeichnung ״Neuromanicker" belegt wurden, welche gleichsam als die beiden Ausgangspunkte der neudeutschen Schule erachtet werden. Es leuchtet nun ein, dass es mit der Gruppirung oder etwaigen Zusammenstellung gewisser Namen oder Bestrebungen nicht so ernst genommen werden darf, weil dieselbe aus den jeweiligen Verhältnißen entstanden, mit einer etwaigen Veränderung derselben auch selbst eine Veränderung erleiden, ja oftmals nothgedrungen erleiden m u ß. Im klebrigen können w i r insofern im eigentlichen Sinne weder von Klassikern, noch von Romantikern auf synagogalgesanglichem Gebiete sprechen, indem die zu behandelnden Texte, oder besser gesagt,, der zu behandelnde Gegenstand, das Verhältnis des Menschen zn seinem Gotte, bei diesen, wie bei jenen derselbe ist und so lange derselbe bleiben wird, als der zu seinem