Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1888)
- Date
- 1888-01-13
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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len. Zu beachten ist ferner, dass das Buch ״Richter" von Conflicten mit den verschiedenen Nachbarstämmen zu erzählen weiß, eines Stammes aber, mit dem es in spaterer Zeit viele und harte Kämpfe gesetzt, keinerlei Erwähnung thut. Es ist dies der Stamm Edom, der ebenfalls für das Buch der Richter nicht existirt. Alles dies findet seine Erklärung in der Annahme, dass J'hudah nach dem Tode Othniels von dem übrigen Israel vollkommen abgeschieden war. Was zwischen J'hudah und dem ihm im Süden benachbarten Edom sich zugeiragen haben mag, kümmerte das übrige Israel nicht. Auch mag es der ganzen Tendenz dieses Buches nach, am schicklichsten gewesen sein, über J'hudah und sein Verhältnis zu Israel wie überhaupt zu seinen Nachbarn zu schweigen. . Erst die Uebermacht der P'tischtim, die um die Zeit des Schimschon begann, aber erst unter David gänzlich gebrochen wurde, zwang zu einer Vereinigung J'hudahs mit dem Hause Josef. Diese Uebermacht war es auch, die Jirael bewogen, monarchisch zu werfcen1). Sch'muel verstand wohl, die Einheit, die jetzt durch die P'lischtim gefördert war, zu erhalten und zu festigen«). Um J'hudah hat er sich ja besonders verdient gemacht, denn dieses hatte von der bösen Nachbarschaft am meisten zu leiben3). Als Sch'muel alt geworden war, setzte er seine beiden Söhne in B'er-Schebha an der südlichsten Grenze des Landes als Richter ein, um dadurch die hergestellte Vereinigung weiter zu fördern und zu erhalten. Es reifte im Volke der Gedanke, eine Monarchie zu bilden, ja das ganze Volk wünschte es*). Sch'muel wehrte sich dagegen. Er hatte kraft des mosaischen Staatsgedankens das Volk geleitet und die von Moscheh gegebene Verfassung durchzuführen gestrebt^). Der Druck der Verhältniße hatte aber gesiegt, ja Gott war's, der gesprochen: ״Gib ihnen einen König." Um aber der Eifersucht zwischen J'hudah und Josef den Boden zn entziehen, wurde der König aus Binjamin gewählt. Von diesem kleinen Stamme, der überdies links und rechts zwischen den beiden mächtigen Rivalen eingeengt war, hatte man auch keine Ueberhebung zu fürchten. Schaul aus dem Stamme Binjamin wurde König. Die Einigkeit und Einheit in seinem Volke herzustellen, scheint ihm aber nicht gelungen zu sein. Zwischen J'hudah und dem übrigen Israel herrschte der ZwiespaÜ. Bei der Stellung des Heerescontingents zum Kampfe gegen Amon, erzählt die Geschichte, dass Israel dreihunderttausend Mann gestellt habe und J'hudah dreißigtausend Mann, also zehn Procent«). In einem späteren Kriege, gegen Amalek nämlich, reducirt J'hudah seinen Pflichtbeitrag auf 5 Procent; Israel hatte zweihunderttausend gestellt, J'hudah aber nur zehntausend?). Diesen Dualismus behälr der Erzähler in seiner Darstellung immer bei, so sagt er z. B.: Ganz Israel und J'hudah liebten den David«)." Nach dem Zerfall Davids mtt seinem königlichen Schwiegervater konnte sich jener auf seiner Flucht furchtlos in J'hudah aufhalren. Nur die Bewohner von Kilah und Siph hielten treu zu dem Könige«). Mit *) I. Sam. 9, 16. Mit diesen Herren des Landes den Kampf auf;unehmen, deutet Sch'muel dem Schaul Cap 10, 8 blos an. Vergl. Cap. 15, 8. Die Heimlichkeit war hier geboten, deshalb wird zum Vorwände nur vom König Amon's gesprochen. Das. 12, 12. *) Vergleiche I. Sam. 7, 2. Zu beachten ist das. *כל בית ישל־אי a) Vergl. Las. V. 14. 4) Vergl. das. 8, 4. *) Vergl. hierüber weiter b. *) 1־ Sam. 11, 8. ,I Das 15, 9. •) Das 18, 16. Das 39, 19; 26, 1. L dem Tode Schaul's war die Spaltung perfect. König und Gegen- Wnig regierten: Der Erbe des Thrones zu Machnajim und׳ David in der Hauptstadt J'hudahs in Chebhron. Bekanntlich siel Jsch-Boscheth, Israels König, durch Mörder- Hand, sein Blut kittete das getheilte Reich zusammen und: David wurde Beherrscher des Gesammtreiches.. Doch auch unter Davids Negierung brach das zusammengeschweißte Reich auseinander; jene Empörungsformel: ״Welchen Theil haben wir an David? Wir haben keinen Besitz an dem Sohne Jischaj'st Zu deinen Zelten Israel!"0 datirt sich aus jener Zeit. Schebba, der Sohn Bichris, war der Urheber dieser Formel«). Dem weisen Sch'lomoh war es gelungen, die Einheit herzustellen und das Reich in Jerusalem zu centralisiren; doch in den letzten Regiernngsjahren Sch'lomohs kam der alte Riss wieder zum Vorschein. Der tapfere Jüngling Jarobh-am, aufgestachelt von einem Propheten der alten heiligen Stadt, Achijah aus Schiloh, enipörte sich gegen den nun greisen König. Für diesmal mißlang die Erhebung, und Jarobh-am mußte nach Egypten flüchten.; was ihm aber damals nicht gelungen, konnte er nach dem Tode Sch'lomohs ausführen. Wir sind bei den! Zeitpunkte des gewaltigen Risses der durch Sch'lomoh hergestellten Einigkeit angelangt. Von nun ab besteht Israel aus zwei geschwächten Reichen, einem nördlichen und einem siidlichen. Von dem Propheten, der die Katastrophe vorbereitet, erzählt der Geschichtsschreiber: ״Es geschah zu jener Zeit, dass Jarobh-am aus Jerusalem gekommen; da begegnete ihm der Prophet Achijah, der Schilonite auf dem Wege. Dieser aber hatte sich umhüllt mit einem neuen Gewände; als Beide allein waren auf dem Felde, da ergriff Achijah die neue Umhülle, die er trug, und zerriss sie in zwölf Lappen u. s. 10.3)" Die Angabe und besondere Hervorhebung, dass die Umhülle neu war, gehört zu dem gegebenem Symbole: Neu war die Umhülle, die der Prophet zeriffeu, neu die Einigkeit und Verschmelzung der. zwölf Stämme zu einem Volke, das nun getrennt werden sollte. Sch'lomoh starb; da ging R'chabh-am nach Sch'chem, denn dorthin kam ganz Israel, ihn zum König einzusetzen*); also nicht in Jerusalem, wo Altar und Thron ihren Sitz haben, soll dem neuen König gehuldigt werden, sondern in der alten ephrajimitischen Krönungsstadt Sch'chem. Aehnliches finden wir in der deutschen Geschichte: Als nach dem Aussterben der Karolinger die sächsische Dynastie zur Regierung gelangte, lag die Gefahr nahe, dass die Oberherrschaft auf einen nicht fränkischen Stamm übergehen könne, bis Otto der Große sich im Jahre 936 von Neuem als Nachfolger der Karolinger zu Aachen, der fränkischen Krönungsstadt, krönen ließ, und nunmehr festgehalten wurde, ״durch diesen Akt werde der König, wess Stammes er auch sei, ein Franke." In Sch'chem soll R'chabh-am zum Könige gesalbt werden, durch diesen Act wird er ein Epraimite. Das weitere ist bekannt. Die ״Räthsel der Urzeit" erzählen: ״Der Stämme-Vater Jaakobh hatte zwei Frauen, die eine, Rachel, sie war der Erstling ף I. Kün. 12, 16. II. Sam. 20, 1. Sehr geistreich combinirt ein Agadist. Er meint: das Benehmen Davids dem M'fi-Boschetb, dem Sohne Ionathan's, gegenüber habe dazu beigetragen, dass die Mißhelligkeir zwischen den Stämmen und J'hudah nicht ausgeglichen wurde und dieser Empörungsrns als bö'er Keim niederfiel, dessen Saat unter R'chabham aufging: בשעה שאמר דוד למפיבשת אתה וציבא תחלמו את השדה יצתה בת קול ואמרה לו רחבעם וירבעם יחלקו את המלוכה Tai Schab. 56, b. ף L. Kön. 11, 29 ff. *) Das. 22, 1.