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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-01-13 · Heft 2 (13.1.1888) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 2 (13.1.1888)
Date
1888-01-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 — Wie sehr übrigens der Vorstand bestrebt ist, den Intentionen \ der Generalversammlung, die eine Erhöhung der Unterstützungsbeiträge beschlossen hat, gerecht zu werden, beweist auch folgender Umstand: Die Witwe des kürzlich verstorbenen Vereinsmitgliedes, I. Blum in Troppau, hat nach den alten Statuten, die gegenwärtig noch in Geltung sind, nur Anspruch auf die Summe der Pflichtbeitrage, welche von den Mitgliedern geleistet werden. Trotzdem hat der Vorstand in seiner letzten Sitzung der Witwe den Betrag von 200 sl. bewilligt und auch bereits übermittelt, obwohl der Eingang an Pflichtbeiträgen bisher nicht einmal die Höhe von 100 fl. erreicht hat. In künftigen Fällen, nach Genehmigung der neuen Statuten, werden die Invaliditätsnnd Witwenbeiträge auf 300 fl. resp. 400 fl. steigen, und der Vorstand wird überall jene Uuparteilichkeit und strenge Objectivität walten lassen, die das Vereinsininteresse erheischt, und die er bisher auch ausnahmlos bewiesen hat. Zn Folge zahlreicher Anfragen, die in letzter Zeit an den Vereinscassier, wie auch an den Vorstand bezüglich der Einzahlung des Jahresbeitrages gelangten, sehen wir uns auch zu der Mittheilung veranlasst, dass das Vereinsjahr des österr.-ungar. Cantoren- Vereines am 1. Juli eines jeden Jahres . beginnt, und dass der Mitgliedsbeitrag nicht vom Tage des Eintrittes, sondern für das ganze Vereinsjahr, d. h. von dem dem Eintritte vorhergehenden 1. Juli an gerechnet wird. Hierüber waren die meisteu Mitglieder im Unklaren, und so kam es, dass viele derselben die an sie ergangene Mahnung für nicht gerechtfertigt hielten. Uebrigens wurde in der letzten Sitzung der Beschluss gefasst, künftighin, d. h. vom Jahre 1889 ab, zur Vereinfachung der Rechnung das Vereinsjahr mit 1. Jänner beginnen zu lassen. Methodik -er Gejallgskunst. XIII. Wir halten also immer fest an der richtigen physischen Erzeugungsart aller Töne, wie wir sie in den früheren Aufsätzen festgestellt haben. Aber dabei ist dennoch der Art des Tons, wie er als Glied einer ganzen Reihe, im Zusammenhang mit allen anderen Tönen sich bestimmt, wie er ganz gleich wird allen andern Tönen der Scala, noch ein weiter Spielraum möglich. Das Mas; der Athemgebung, die Art der Muskelthätigkeit, die Stellung der Theile des Ansatzrohrs: Alles dies muß sich für jeden einzelnen Ton erst noch fest bestimmen nach der ganzen Reihe der Töne; mit andern Worten: Es muß nun die eine Art gefunden werden (sowohl in der Athemgebung, als in der Muskelthäthigkeit und Mundöffnung), bei welcher alle Töne der ganzen Scala ganz gleich erscheinen können, sie mögen nun hoch oder tief liegen. Es kann ja ein einzelner Ton für sich allein groß und stark sein, aber er passt nicht zu den andern schwächern: k>. h. es muß nun das Maß des Athems g5funden werden, mit welchem alle Töne in gleicher Stärke hervortreten können; ferner kann ein Ton für sich allein leicht ansprechen nnd schön klingen schon bei schwachem Athem, aber die andern Töne wollen nicht ebenso so leicht ansprechen: d. h. es muß diejenige Art der Muskelthätigkeit bei Spannung der Stimmbänder gefunden werden, bei welcher nalle Töne in gleicher Leichtigkeit ansprechen. Es kann endlich ein Ton hell und breit klingen, aber er sticht von den übrigen dunkleren Tönen zu sehr ab: d. h. es muß nun der Grad der Mundöffnung (und was damit zusammenhängt) gefunden werden, bei welchem alle Töne der Scala in gleichem Klangt möglich sind. Dies sind die drei Punkte auf welche es anommt, und welche wir nun in Folgendem genau zu untersuchen haben. — Dass es aber bei Natnrsängern ganz gewöhnlich vorkommt, dass ein Ton oder auch einige Töne vor allen übrigen iw obiger Weise gleichsam vorherrschen, und sich nicht mit allen übrigen wollen vereinigen lassen, ist eine Thatsache, wovon sich Jeder täglich überzeugen kann; schwerer ist es, die Ursache dieser Thatsache, immer sogleich zu erkennen; noch schwerer aber ist die Ausgabe für den Lehrer, je nach der Individualität jedes Sängers diejenige Thätigkeit zu finden, bei welcher alle Töne hinsichtlich des Athems (oder der Stärke), der Muskelthätigkeit (oder des Ansatzes) und der Mundöffuung (oder des Klangs) gleich, ganz gleich erscheinen können und müssen. Erschwert wird aber diese Aufgabe sehr oft dadurch, dass ein Schüler eine Art des Tons, hinsichtlich der Stärke, des Umfangs und des Klangs der Stimme, erreichen will, welche gar nicht Ln seiner Natur liegt (wenn z. B. ein Mezzo-Sopran ein hoher Sopran, oder ein Bariton ein Tenorsänger werden zu können glaubt): wird jedoch der Natur ihr gehöriges Recht cingeräumt, so ist gerade diese Untersuchung für jeden Sänger das beste Palliativ mittel vor Verirrungen, welche sich doch bald als Versündigungen an der eigenen Natur Herausstellen und sich, selbst rächen müssten. Denn durch die Beachtung der ganzen Reihe der Töne erhält nicht blos jeder Tan der Reihe seine sichere Form und Stellung, sondern auch die ganze Stimme weist sich gleichsam von selbst in ihre natürliche Stimmgattung ein und bekommt dadurch ihre gehörige Stärke, ihre Leichtigkeit und ihr eigeuthümliches Timbre. — Dass auch hier wieder jene drei Factoren (Länge, Kehlkopf uud Ausatzrohr) zusammenwirkeu werden, ist an sich klar, denn es ist dies ja bei der Tonerzeuguug, welcher Art der Ton nun auch sein mag, immer der Fall; dennoch müssen wir auch hier wieder vor Allem eine abgesonderte Betrachtung jeder dieser drei Factoren eintreten lassen, indem wir reden 1) von der Gleichheit der Athemgebung oder der geichen Stärke der Stimme; 2) von der Gleichheit der Muskelthätigkeit oder dem gleichen Ansatz; 3) von der Gleichheit der Schlund- und Mundöffnung oder dem gleichen Klang. Wie sich jeder einzelne Ton für sich allein mit schwachem Athem Hervorrufen lässt, so lassen sich auch alle Töne der Scala im Zusammenhang mit schwachem Athem Hervorrufen. Welches jedoch dasjenige Maß des ,.Athems ist, bei welchem alle Töne in gleicher Schwäche oder Stärke auftreten können, dies lässt sich nur aus der ganzen Reihe der Töne selbst erkennen: d. h. das richtige Volumen des Athems für jeden Ton ergibt sich nur aus dem Athem-Charakter der ganzen Stimme. — Auch bei einer größeren zusammenhängenden Reihe von Tönen muß jeder Stoß oder jede Lücke des Athems beseitigt werden, und besonders das An- und Abschwellen nur in einem einheitlichem Zusammenhang vor sich gehen, damit die der Mannigfaltigkeit zu Grunde liegende Einheit dem Ohre immer fühlbar bleibt. Was wir beim einzelnen Ton hinsichtlich des Athems gehört haben, findet alles auch jetzt seine volle Amvendung, und wenn wir im Obigen kurz angedeutet haben, dass der physiologische Theil überhaupt die natürliche Basis für alles weitere Studium in der Gesangskunst bilde, so ist schon dieser erste Gegenstand, von welchem wir jetzt zu reden haben, d e volle Bestätigung unserer Behauptung. Wir sind nämlich im Früherem davon ausgegangen, dass nur beim Ausathmen ein Gesangston möglich sei, dass das Singen somit wesentlich auf dem Proccss des Ausathmens beruhe; soll also ein Ton längere Zei andauern, so muß es auch das. Ausathmen; kurz ein Ton währt immer nur so lange, als das Aus athmen währt. Wir haben ferner gesehen, dass ein Ton nur dann ruhig und gleich, d. h. ohne Lücken ausgehalten werden kann, wenn auch das Ausathmen ruhig, ohne Lücken oder Stöße vor sich geht, wie Lies nur Leim Flanken-

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