Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 7 (1887)
- Issue
- Heft 42 (28.12.1887)
- Date
- 1887-12-28
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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I. S reiner, Gr.-Meseritsch, ganzj. Btr. I. Blmn, Troppau fl. 150. A. Kohn, Kanitz, dreiviertelj. Btr. Th. Fleck, Wien, halbj. Btr. A. Löwy, Böhm.-Neustadtl, viertel;. Btr. H. Löwy, Neunkirchen, halbj. Btr. D. Kohn, Rakonitz, ganzj. Btr. I. Rosenbaum, Graz, Gründ.-Btr. 5 fl. und halbjähr. Btr. L. Blum, Schlan, fl. 1.50. I. Klein, Budweis, ganzj. Btr. S. Schischa, Kirchberg, halbj. Btr. S. Jellinek, Mittelbach, halbj. Btt. S. Hirsch, Wien, viertel; Btt. H. Pimsenftein, Weitenttebetitsch, ganzj. Btt. I. Herz, Prrrau. ganzj. Btt. M. Grünberger, Prerau, ganz. Btr. I. Schiller, Wien, halbj. Btr. D. L. Rotter, Wien, halbj. Btt. S. Streicher, Veröcze, halbj. Btt. I. Rosncr, Herm.-Mestec, halbj. Btt. Moriz Wtatt, stellvertretender Cassier. Hffenes Schreiben an den Collegen in T. Halten Sie es für charaktervoll und ehrlich, sich um eine Stelle zu bewerben, die nicht einmal noch durch einen Concurs ausgeschrieben ist, und wo, wie Sie wol wissen, ein College, Familienvater, wirkt, dem aus nichtigen Gründen gekündigt wurde und der vielleicht ohne Ihre Bewerbung seine Stelle weiter behalten könnte? Sollten Sie jenen Posten wirklich antreten, dann werde ich gewiss nicht ermangeln, vor der Oeffenttichkeit Ihre Colleg-alität ins rechte Licht zu stellen. K.K. Der Mahnung des Einsenders, welcher direkt in dieser Angelegenheit nicht betheiligt ist, müssen wir uns vollkommen anschließen und gegen eine solche Art von Concurrenzwerberei, als unseres Standes unwürdig, entschieden Protest erheben. Dem Collegen in T. rächen wir in seinem eigenen Interesse, seine Blicke anderswohin zu richten. pie Uedakliorr. Meine Chronik. £8ütt. Samstag den 17. Dezember feierte der Vorsteher der türk. Jsraeliten-Gemeinde, Herr Jos. I. Eskenasy seinen 70- Geburtstag, aus welchem Anlässe demselben von Seiten der Gemeindebeamten unter Führung des Obercautor I. Bauer eine prachtvoll ausgestattete Adresse überreicht wurde. Der Präses, Herr Marcus M. Russo, übermittelte die Glückwünsche des Vorstandes, und auch von sämmtlichen Vereinen innerhalb der Gemeinde wurden den! Jubilare Ovationen dargebracht. Wien. Wie die ״Wiener Zeitung" meldet, wurde von Sr. Majestät dem Baron Albert Rothschild und seiner GemalinBarorün Bettina Rothschild auf Vorschlag des österreich. und ungar. Ministerpräsidenten die Hoffähigkeit verliehen, eine der höchsten Aus- Zeichnungen, die sonst nur dem alten Geburtsadel zukömmt und unter den gegenwärtigen Verhältnißen um so bedeutungsvoller ist. Hrvß Kauizsa, 16. Dezember i 887. Still und ruhig, prunk- und pomplos, wie im Vorgeschmäcke des einem bescheidenen, biederen Leben gesicherten himmlischen Friedens, wurde heute Herr Adolf Grünbaum, der mehr als ein halbes Jahrhundert als Lehrer S — gewirkt, und seit Jahren hier im Kreise seiner verehrten Familie gelebt, zu Grabe geleitet. Der Heimgegangene war einer jener Alten, die nebst ihren pädagogischen Kenntnißen auch bedeutende Gelehrsamkeit aus anderen Fächern besaßen. Als Talmudist und geübter Kenner der älrern und neuern hebräischen Litteratur, war er hier bei den wenigen Pflegern dieser Wissenschaft ein immer gerne gesehener Hausfreund und erwarb sich durch seine treffenden, gelehrten Apercus Achtung und Liebe. In kurzen, aber herzlichen Worten würdigte der Oberrabbi, Herr Dr. Neumann, die vielen Verdienste des wackeren Mannes, dessen Sarg eine gramgebeugte Gattin und mehrere tieftrauernde Kinder, die sich theils der wissenschaftlichen Laufbahn gewidmet, umstehen. Nur eine Tochter wirkt, den Fußtapsen des 11,1vergesslichen Vaters folgend, in dem ererbten geistesbildenden Beruf fort, die hier seit Jahren angestellte, durch anerkennenswerthe Leistungen allgemein beliebte Lehrerin der 5. u. 6. Mädchenktasse, Fräulein Charlotte Grünbaum, deren Schülerinnen einen Krauz aus Pietät auf den Sarg des Verblichenen niedergelegt. London. Vor Kurzem kam in einer Sitzung der Synagogen- Vorsteher in London die Frage der Leichenverbrennung zur Erörterung. Es handelte sich nämlich um einen Beschluss, ob auch die Asche solcher Judenleichen, welche verbrannt werden, auf den jüdischen Friedhöfen Englands beerdigt werden dürfe. Der Großrabbiner sprach sich dagegen ans, weil der Prophet Amus (Kap. 2.) die Leichenverbrennung verbiete. Da erhob sich Lord Rothschild, der Vorsitzende der Borsteherversamnilung, und setzte mit einer rühmlichen Bibelfestigkeit dem Propheten des Rabbiners einen anderen Propheten, nämlich Samuel (1. 31.), entgegen, wo ausdrücklich berichtet wird, dass die Israeliten die Gebeine des Königs Saul und seiner Söhne verbrannten. Er glaube daher, so führte Lord Rothschild aus, es sei keine Sünde, wenn man die Asche von im Feuerofen verbrannten Leichen auf dem jüdi'chen Friedhofe beisetze. Wnkarest Der österr. Wochenschr. wird aus Bukarest nachstehende Mittheilung gemacht, welche abermals den Beweis liefert, in welche bedauernswerther Lage sich unsere rumänischen Glaubensgenossen befinden: In einem Jassyer Blatte ״Resistenza", Organ der Oppositionspartei dieser Stadt, war am 24. November (6. Dezember) folgende Notiz zu lesen: ״Heute (am 23.) kam der vom Capitän Valdovici, Commandanten der Gendarmerie-Escadron, gegen den Rabbiner Taubes angestrengte Beleidigungsproceß vor dem Tribunal Section II zur Verhandlung. Das Gericht verurtheilte den Jidov zu 200 Fr. Strafgeld und zu 2000 Fr. Civilentschädigung. Rabbiner! haltet die Nase nur nicht zu hoch!" — Der Jassyer Rabbiner, Herr F. Taubes, verwendet sich alljährlich vor den hohen Feiertagen beim dortigen General Racovitz für die daselbst garnisonirenden jüdischen Soldaten, dass ihnen die Feiertage freigegeben würden. Die betreffende Petition des Rabbiners wird jedesmal vom Generale in das Kriegsministerium in Bukarest geschickt, von demselben gewährt, wo dann der General den Hauptleuten aller 9 Corps den Befehl des Kriegsministers zusendet. Der Rabbiner muß dann am Vorabende eines jeden Feiertages zwischen 8—10 Uhr Vormittags persönlich von Kaserne zu Kaserne, von Capitän zu Capitän umherlaufen, da sonst die Verordnung sofort — vergessen bleibt. Oft geschieht es, dass die Capitäne sich weigern, dem ministeriellen Circulär-Befehl Folge zu leisten, so dass derselbe nicht selten sich gezwungen sieht, mitten an! Feiertage beim General oder bei dessen Adjutor, Stadtmajor Colonel Pascal, be- Hufs Freilassung dieses oder jenes Theiles der jüd schen Soldaten von Neuem zu reclamiren und für den betreffenden Capitän einen neuen Befehl auszuwirken. So z. B. lief er am ersten Tage des vergangenen Neujahrsfestes zum General und von dort von Kaferne zu Kaserne bis gegen Mitternacht herum, bis es ihm gelang, die jüdischen Soldaten zweier Compagnien zu befreien! — Capitän Valdovici, ein Antisemit schlimmster Sorte, kümmert sich weder um den Befehl des Kriegsministers, noch um den des Generals, und die ihn! unterstehenden jüdischen Soldaten dürfen nicht einmal den Versöhnungstag feiern. Ja, er äußerte sogar eines Tages, er werde den jüdischen ״Rabin" erstechen, wenn er es wagen würde, sich wieder vor ihm zu zeigen. — Vor dem diesjährigen Jom Kipur bestürmten, wie gewöhnlich, die Angehörigen jener dem Capitän Valdovici untergebenen Soldaten den Rabbiner, er möchte sich doch auch dieser Soldaten erbarmen und trachten, dass sie an dem bevorstehen-